Bettlach
«‹Socius› hat uns sehr viel weiter gebracht» – Das Alters-Projekt brachte viele Meilensteine mit sich

Bettlachs Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut zieht eine positive Bilanz aus dem nun abgeschlossenen Projekt der Age Stiftung.

Oliver Menge
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Barbara Leibundgut im Alterszentrum Baumgarten, Szenen aus dem Socius-Film.

Barbara Leibundgut im Alterszentrum Baumgarten, Szenen aus dem Socius-Film.

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Die demografische Entwicklung der letzten Jahre weist einen klaren Trend auf: In Bettlach leben immer mehr Personen, die über 70 Jahre alt sind. Auch die Zahl der Hochbetagten nimmt stetig zu. Deutlich wird das zum Beispiel an der alljährlichen Seniorenreise der Einwohnergemeinde, wie Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut gegenüber dieser Zeitung erklärt: «Wir mussten die Altersgrenze von 70 auf 75 Jahre heraufsetzen. Denn aktuell sind von den 4930 Einwohnerinnen und Einwohner über 800 Personen über 70 Jahre alt. Und das macht es schier unmöglich, für eine so grosse Zahl Ausflugsziele mit geeigneten Lokalitäten zu finden».

Eine zentrale Aufgabe der Gemeinde

Altersarbeit sei eine zentrale Aufgabe in der Gemeinde. Seit 2013 ist die Kommission für Gesellschafts- und Gesundheitsfragen am Werk. Ihr obliegt es, die Altersarbeit weiterzuentwickeln und als erstes zuhanden des Gemeinderats ein Altersleitbild zu erstellen. Ziel ist es, Bedingungen zu schaffen, damit die älteren Bettlacherinnen und Bettlacher möglichst lange unabhängig leben können. Zudem sollen sie gut ins Dorf integriert sein. Und doch habe «Socius» die Gemeinde Bettlach sehr viel weiter gebracht (siehe Box). «Am Anfang war viel Aufklärungsarbeit notwendig, die Politik wurde wachgerüttelt», sagt Barbara Leibundgut. «Es wurde manchen klar, dass wir die Altersarbeit nicht einfach Investoren oder spezialisierten Institutionen überlassen können.»

Professionelle Unterstützung

Die Age-Stiftung unterstützte mit dem Programm «Socius – wenn Älterwerden Hilfe braucht» zehn Projekte aus Gemeinden oder Regionen, die den Aufbau und Betrieb von bedürfnisorientierten Unterstützungssystemen für ältere Menschen organisieren möchten. Sie wurden finanziell unterstützt und erhielten ein Lernumfeld, das den Informations- und Wissensaustausch förderte. Bettlach bewarb sich im Frühling 2015 für eine Teilnahme am Projekt. Die Bedürfnisse der älteren Generation und Lücken im Angebot sollen aufgezeigt werden, die Anbieter und Akteure in dem Bereich vernetzt und eine zentrale Triage-Stelle geschaffen werden. Es sollen Bedingungen geschaffen werden, die es ermöglichen, dass ältere Menschen länger unabhängig bleiben können. Die Age Stiftung unterstützte die Gemeinde mit einem Beitrag von 140000 Franken und begleitete das Projekt wissenschaftlich. Die erarbeiteten Grundlagen sollen künftig anderen Organisationen zur Verfügung stehen.

Das Projekt lief offiziell bis Mitte dieses Jahres. In dieser Zeit sollten die Grundlagen und Voraussetzungen erarbeitet werden, wie zum Beispiel die Sicherstellung der erwähnten Triage-Stelle. Diese wurde aber schon nach der Pilotphase definitiv eingerichtet. Die zuständige Kommission für Gesellschafts- und Gesundheitsfragen stellt eine Weiterführung der im Projekt erarbeiteten und entwickelten Massnahmen auch künftig sicher. (om)

Das über vier Jahre laufende Projekt der Age Stiftung brachte laut der Gemeindepräsidentin mehrere Meilensteine mit sich. Zum einen die Vernetzungstreffen der Anbieter im Bereich Alter, also Beratungsstellen, Alters- und Pflegeheim, Fahrdienste, Seelsorge etc.: Ein erstes Treffen dieser Art habe dazu gedient, sich gegenseitig kennenzulernen. Wer sind wir, was bieten wir an, welchen Anforderungen müssen wir uns stellen. Ein zweites Treffen zwei Jahre später diente dem Austausch, was wurde erreicht, wo können wir uns noch verbessern.

Das dritte Treffen, das erst vor Kurzem stattfand, war dem Thema Mobilität im Alter gewidmet. «Wo liegen die grossen Herausforderungen? Beispielsweise meinte die Vertreterin des Alterszentrum Baumgarten, dass es ihnen nicht immer möglich sei, Bewohnerinnen etwa zum Coiffeur oder zum Einkaufen zu begleiten und auch Angehörige nicht immer zur Verfügung stünden und sie dann auf den Seniorenbetreuungsdienst ‹Home Instead› zurückgreifen müssten. Die Vertreterinnen der Spitex sowie des Besuchsdienstes zeigten auf, dass sie ebenso Möglichkeiten hätten, solche Dienste anzubieten.» Genau darum gehe es bei diesen Vernetzungstreffen, so Barbara Leibundgut: «Um das Wissen, an wen man die Senioren verweisen kann. Und ‹Socius› half uns dabei, Doppelspurigkeiten auszumerzen und Lücken zu füllen.»

Monika Wigger betreut u.a. die Triage-Stelle im Gemeindehaus.

Monika Wigger betreut u.a. die Triage-Stelle im Gemeindehaus.

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Ein weiteres, konkretes Ergebnis des Projekts sei zum anderen die bei der Gemeinde geschaffene Drehscheibe. Eine niederschwellige Auskunfts- und Triagestelle, die von den Mitarbeitenden am Schalter im Gemeindehaus betrieben wird. Seniorinnen und Senioren oder deren Angehörige können dort ihr Anliegen schildern und erhalten dann kompetente Auskunft, wohin und an wen sie sich wenden können. Man wollte zuerst eine eigenständige Stelle dafür schaffen, habe aber rasch feststellen können, dass diese Aufgaben von den Mitarbeiterinnen erledigt werden können. «Sie haben eine entsprechende Dokumentation erhalten und die verschiedenen Anbieter kennengelernt.»

Ziele formulieren und den Weg dahin definieren

Zu Beginn des Projekts wurden verschiedene Ziele formuliert, wie die erwähnte Drehscheibe, die Überführung des Alterszentrums in die neue Rechtsform oder die Erarbeitung eines Altersleitbildes für die Gemeinde. «Manche Aufgaben hätten wir auch ohne das Projekt realisiert», so Leibundgut. Andere Themen, wie zum Beispiel «Wohnen im Alter», mit oder ohne Betreuung, sei ins Bewusstsein der Beteiligten gerückt.

Das Projekt «Socius» der Age Stiftung wurde offiziell Anfang Januar abgeschlossen. Die im Zug des Projekts zusammengestellte Spezialkommission «Socius» erarbeitete einen Schlussbericht, den die Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut dem Gemeinderat an seiner letzten Sitzung als Projektabschluss präsentierte. Insgesamt wurde in diesem Bericht festgestellt, dass die gesteckten Ziele erreicht werden konnten. «Die 140'000 Franken, welche uns die Age Stiftung zur Verfügung stellte, haben gereicht», sagt Barbara Leibundgut.