Industrie

So war die zweite Robotermesse im Velodrome Suisse

Aussen surren Radfahrer, innen Roboter an der 2. Robotermessse im Velodrome.

Aussen surren Radfahrer, innen Roboter an der 2. Robotermessse im Velodrome.

Wir waren mitten im «Wirtschaftskreislauf». Während der zweiten Robotermesse im Velodrome Suisse fuhren Rennfahrer ihre Runden, während Roboter ohne über den Chef zu klagen Arbeiten erledigten.

Die Kulisse ist irgendwie gespenstisch. Auf der Radrennbahn drehen die «Gümeler» wie immer ihre Trainings-Runden, setzen zum Zwischenspurt an, überholen, versuchen im Windschatten den Gegner zu ermüden, um taktisch im richtigen Zeitpunkt anzugreifen, um sich an die Spitze des Feldes zu setzen. Und alles dreht sich dabei im Kreis.

Im Hamsterrad der globalen Wirtschaft, sozusagen. Denn die Radfahrer können als Allegorie gelten für das, was im Zentrum der Radrennstrecke zu sehen ist. Dort zeigt ein Schweizer Roboter-Hersteller, wie seine Kundschaft im gnadenlosen Wirtschaftskreislauf noch einen Zacken kompetitiver werden kann: indem sie rationalisiert, integriert, automatisiert.

«Grosses Interesse»

«Das Interesse war in etwa doppelt so gross wie an der ersten Robotermesse vor zwei Jahren", erläutert Yann Stragiotti, ein Mitarbeiter des Roboterherstellers Stäubli Robotics. Im November 20013 hatte die Firma mit Hauptsitz in Horgen am Zürichsee erstmals zur «Robomize» ins Velodrome geladen.

Es ist eine Hausmesse, an der Kunden und sogenannte «Integratoren» des Anbieters anderen Kunden und weiteren Interessierten die Anwendungsmöglichkeiten der Roboter zeigen. Integratoren sind Hersteller, die einen Roboter für eine bestimmte Aufgabe konfigurieren und die entsprechende kundenspezifische Umgebung aufbauen.

Die Roboter bestücken Bearbeitungszentren mit Werkstücken oder legen selber Hand an. Sie arbeiten im Wasser, in der Hitze, mit grosser Präzision und Schnelligkeit. Sie schneiden, fräsen, honen, polieren, inspizieren und palettieren. Bisweilen so schnell, dass das Auge kaum nachkommt. Kein Klagen über den Chef, kein Lästern über die Firma. Nur das Surren von Schrittmotoren.

Robomize 2016

Bei Besuch langsamer

Kommt man in die Nähe, arbeitet das Ding nicht etwa schneller, wie ein Akkordarbeiter unter Aufsicht, sondern langsamer. «Wenn Sie noch näher rangehen, bleibt er stehen», erklärt Stragiotti. Das sei eine Neuentwicklung, um die Sicherheit zu erhöhen, erläutert der Stäubli-Verkaufschef für die Westschweiz. Roboter und Automaten wurden bisher aus Sicherheitsgründen in Metallkäfige gepackt. Ein solcher ist mit den Sensoren nicht mehr nötig.

An der zweitägigen Messe haben laut Jean-Marc Collet, Geschäftsführer von Stäubli Robotics, rund 350 Interessenten vorbeigeschaut. Man habe auch verschiedene zum Teil branchenspezifische Seminare durchgeführt. Collet zeigt sich mit dem Verlauf der Messe «sehr zufrieden». Er bestreitet nicht, dass man als Roboterhersteller vom aktuellen Rationalisierungsdruck der produzierenden Wirtschaft profitiert.

«Dies ist allerdings nur einer von verschiedenen Gründen, welche für den Einsatz von Robotern sprechen», meint Collet. Konstante Qualität und die Flexibilität der Einsatzgebiete seien weitere Vorteile, insbesondere gegenüber Maschinen mit einem voraus fest definierten Einsatzgebiet. Den Messestandort in Grenchen bezeichnet Collet als ideal für die Abdeckung der beiden grossen Schweizer Sprachräume. Etwa 50 Prozent der Besucher kamen aus der französischen Schweiz.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1