Diesen Film kann man aus drei verschiedenen Perspektiven betrachten: Als Aussenstehender, der von Grenchen gerade nur so viel weiss, wie in der nationalen Presse zu lesen ist, wenn ein Mord passiert, eine Firma mit Namen zu geht oder die Stadt auf einem Ranking erneut abfällt. Als Betroffener, weil man in Grenchen lebt und arbeitet und als Involvierter, weil man zu den Protagonisten des Films gehört.

Nicht nur der letzten Gruppe dürfte der Film von Karin Bauer extrem sauer aufgestossen sein, denn die Filmemacherin missbraucht die Protagonisten und lässt sie im Film Aussagen machen, die sie nur aufgrund ihrer Unerfahrenheit mit Medien so äussern. Sie waren schlicht unvorsichtig. Die Leute redeten vor der Kamera drauflos und vergassen, dass alles dokumentiert wurde.

Die süffigsten Aussagen wurden dann nicht etwa rausgeschnitten, sondern ebengerade verwendet: Die sowieso kriminellen Ausländer sollte man chippen wie Hunde oder Katzen. Muslimischen Kindern wird im Hort ganz selbstverständlich Schweinefleisch vorgesetzt. Ohnehin hat es zu viele Ausländer. Man muss ständig Angst haben, nachts auf der Strasse überfallen zu werden. Und man muss befürchten, in fünf Jahren seine AHV nicht mehr zu erhalten. Aussagen, die man (leider) an jedem Stammtisch zu hören bekommt. Die aber jeglicher Grundlage entbehren und eigentlich als «Bockmist» eingestuft werden müssten. Grenchen ist nachgewiesenermassen und statistisch erhärtet eine der sichersten Städte der Schweiz.

Gut, eine Pointierung kann ein stilistisches Mittel sein, aber so ist’s unredlich. Von einer Milieustudie, wie der Film angekündigt wird, nach Dreharbeiten, die ein ganzes Jahr gedauert haben, erwarte ich etwas mehr als solche tendenziösen Plattitüden. Grenchen hat mehr zu bieten als Schrebergärten, dumme Rassisten, schlecht integrierte Ausländer und eine serbelnde Uhrenindustrie. Granges Mélanges wie auch die Sportklubs, die sehr viel zur Integration beitragen, werden totgeschwiegen. Auch neue Industriezweige, erfolgreiche Unternehmen und innovative Köpfe fehlen. Aber das hätte die These ins Wanken gebracht. Grenchen musste ganz einfach schlecht dastehen. Dass mit so einem Film die aktuellen Bemühungen und die jahrelange Arbeit eines Standortmarketings zunichtegemacht werden, gibt zu denken. Der Schaden ist angerichtet. (om)