«So kann es nicht mehr weitergehen und so geht es nicht mehr weiter», hält Rolf Bieri vehement fest. Der Präsident des FC Grenchen ist nicht mehr bereit, im Stil seines Vorgängers Urs Erb die Löcher in der Rechnung zu stopfen.

Erb hatte lange Zeit jährlich gute bis sehr gute 100'000 Franken aus dem eigenen Sack eingeschossen. «Das will ich nicht und kann es nicht mehr», sagt Bieri.

Sollte sich jedoch heute an der GV jemand finden, der bereit ist, das fehlende Geld zu besorgen, dann sei sie oder er natürlich herzlich willkommen», so der Unternehmer. Er sei ja kein Sesselkleber. Andernfalls jedoch werde drastisch gespart.

«Und zwar überall, wo beim FCG Kosten anfallen. «Schon vor Jahresfrist habe er solche Massnahmen ins Auge gefasst, sagt Bieri. Allerdings «hatte ich damals noch Angst vor der Reaktion von Coach Max Rüetschli und Sportchef Peter Baumann», gibt er offen zu.

Respekt davor, dass beide den Bettel hingeschmissen hätten respektive dem Danach. Diese Angst sei jetzt weg – ich habe sehr viel gelernt. «Wer nicht will, soll gehen - ich gehe vor niemandem auf die Knie», hält der FCG-Boss fest.

Spieler bald frei?

In erster Linie betreffen die geplanten und sofort umzusetzenden Sparübungen natürlich auch den Posten von Geschäftsführer Paul Kocher, der zuletzt rund 1'000 Franken monatlich plus Wohnung ausgemacht hat, und die erste Mannschaft.

Der FCG liegt vor Beginn der Rückrunde auf Rang 6 in der 1. Liga Gruppe 2. Vom Gesamt-Budget von rund 650'000 Franken entfallen derzeit inklusive AHV, Unfallversicherungen, Organisations-Kosten etc. gute 400'000 Franken aufs Fanionteam.

«Wir werden mit jedem Spieler reden», sagt Präsident Bieri. Sprich, alle müssen wohl bereit sein, auf einen Teil ihres Geldes zu verzichten. Damit dürften die Spielvereinbarungen quasi einseitig aufgelöst werden, was faktisch bedeutete, dass sich die Spieler neue Vereine suchen könnten. Vorausgesetzt, sie sind mit dem reduzierten Lohn nicht einverstanden.

Kommt es zur Sparübung, wird diese also auch zeigen, bei wem wie viel FC Grenchen in den Adern fliesst. Sollten sich keine neuen Geldgeber finden oder die Grenchnerinnen und Grenchner ihre Liebe zum FCG nicht blitzschnell doch noch entdecken, müsste vermutlich ein Betrag in der Höhe der präsidialen Defizitdeckung eingespart werden.

Der Summe also, die zuletzt von Urs Erb und Rolf Bieri privat geleistet wurde. Eine stattliche fünfstellige bis flache sechsstellige Zahl ergo. Bieri: «Ich bin zuversichtlich, dass die meisten den Ernst der Lage erkennen und mitziehen werden.»

Nicht angetastet werden soll der Vertrag von Coach Edvaldo Della Casa. «Er wird aber zusätzliche Aufgaben übernehmen.» (Siehe Box) Er, Bieri, sei durchaus bereit, einen sportlichen Abstieg in Kauf zu nehmen.

Wenn das Geld, das ihm und seiner Crew mit dem neuen Budget zur Verfügung steht, nicht mehr erlaubt als die 2. Liga regional, dann sei dies ebenso. «Ausgaben und Einnahmen müssen sich künftig definitiv die Waage halten.»

Und das sei in der aktuellen Situation unmöglich. «Da müssten es 1'000 zahlende Zuschauer pro Heimspiel sein und nicht knapp 200, wie es derzeit der Fall ist», gibt Bieri zu bedenken.

«Hab mich blenden lassen»

«Ich habemich blenden lassen», gibt der FCG-Präsident zu. Als er vor gut eineinhalb Jahren das Spitzenamt übernommen habe, «habe ich geglaubt, dass wir nur den sportlichen Erfolg brauchen, um Fans und Sponsoren zu motivieren und zu bewegen.

Doch weit gefehlt. Der FC Grenchen und die Identifikation seines Umfeldes – das passt nicht. Ob erfolgreich oder nicht, es kommen immer etwa die gleichen Leute an die Spiele und Bratwurststände.

«Ich gehe auch nicht davon aus, dass heute viele Mitglieder an die ausserordentliche GV kommen werden», mutmasst der Präsi. Einfach weil das Interesse fehlt. Schliesslich figurieren auf der Debitoren-Liste des FCG unter anderem auch noch zahlreiche Mitgliederbeiträge.

Wie auch immer es weitergeht – eines wird man Rolf Bieri nie vorwerfen können – nämlich, dass er sich nicht leidenschaftlich für die Sache FC Grenchen einsetzt. Und: «Ich bin weiterhin bereit, mich mit Zeit und Geld zu engagieren.»

Aber nur noch, wenn entweder neues Geld fliesst oder die Sparmassnahmen, wie wir sie heute präsentieren, rigoros umgesetzt werden. Pünktlich auf die Fasnacht hin bricht beim FC Grenchen also die Fastenzeit an. Wie lustig das werden wird, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.