«Himmeltraurig!» Kurz und bündig umschreibt Peter Hammer die Skisaison 2010/11. Nur gerade an vier Tagen konnte er die beiden Skilifte in Langenbruck auf der zweiten Jurakette laufen lassen. Es habe zwar Schnee gehabt, aber einfach zu wenig, um die Pisten präparieren zu können. Mit etwas Wehmut blickt Hammer zurück. «In den Neunzigerjahren liefen die Lifte durchschnittlich während 40 Tagen pro Saison.» Um eine ausgeglichene Rechnung zu erzielen, brauche es im Minimum 25 Betriebstage; diese Auslastung sei in den vergangenen beiden Jahren auch nicht erreicht worden.

Die Ausgangslage ist also schwierig. Denn die Fixkosten für Skiliftbetreiber Hammer fallen auch an, wenn die Anlage nicht läuft; das sind etwa Versicherungen, Inspektionen und Kontrollen, Unterhaltsarbeiten für Lifte und Pistenfahrzeug, usw. Hammer beziffert diese in seinem Fall insgesamt auf rund 20000 Franken pro Jahr. Deshalb stelle sich immer wieder die Überlebensfrage. Wenn die Anlagen technisch nicht in Top-Zustand wären und man vor zwei Jahren kein neues Pistenfahrzeug angeschafft hätte, dann wäre der Entscheid klar: Die beiden Skilifte gäbe es nicht mehr.

Nur noch eine Saison?

«Nach den getätigten Investitionen ist es aber so, wie wenn ein schönes Auto in der Garage steht, aber damit nicht gefahren werden kann», zieht Hammer einen bildhaften Vergleich. Falls sich die Schneelage in den kommenden zwei Saisons nicht verbessere, müsse man aber ernsthaft über die Bücher gehen. Ziel wäre, eine neue, nachhaltige Trägerschaft für den Skiliftbetrieb zu finden. «Zumindest in der kommenden Saison werden die Lifte aber - Schnee vorausgesetzt - wieder laufen», versichert Hammer.

Noch prekärer sieht die Situation beim Skilift Walterswil aus, der einzigen «Ski-Station» im Oberaargau. Der 400 Meter lange Bügellift, zwischen 700 und 780 Meter über Meer gelegen, konnte an keinem einzigen Tag betrieben werden, wie Walter Lehmann, Präsident der Skiliftgenossenschaft Walterswil, berichtet. Über die Jahre gerechnet sei die Anlage im Durchschnitt zwischen 14 und 20 Tagen pro Saison gelaufen. Die jeweils jährlich anfallenden Fixkosten von rund 4000 Franken habe die Genossenschaft aus den Reserven decken können. «Falls noch zwei weitere schlechte Saisons folgen, dann müssen wir uns seriös überlegen, den Betrieb definitiv einzustellen. Dann wären die Reserven bald einmal aufgebraucht. Alles andere wäre Utopie.» Ironie des Schicksals ist, dass die Genossenschaft diesen Winter eigentlich das 40-jährige Bestehen der Liftanlage feiern wollte - auf der Skipiste. «Nun werden wir wohl gezwungenermassen das Jubiläum im Sommer feiern», sagt Lehmann lachend.

Abstellen kein Thema

Nicht viel besser erging es der Familie Jürg und Nicole Lehmann, die auf der Schwengimatt oberhalb von Balsthal nebst Bauernhof und Restaurant seit 30 Jahren auch noch den 500 Meter langen Skilift auf 1000 bis 1150 Meter über Meer betreibt. Einen halben Tag lief die Anlage. Ein Abstellen des Lifts für immer sei aber kein Thema, sagt Jürg Lehmann. Als Familienbetrieb könnten die Fixkosten mit rund 2000 Franken tief gehalten werden, und diese seien verkraftbar. Zudem müsste eine Schliessung gründlich überlegt werden, denn sie hätte weitreichende Konsequenzen. «Damit müssten wir die Konzession für den Skiliftbetrieb abgeben. Und eine neue zu erhalten, wäre mit den zusätzlichen gesetzlichen Vorschriften, ohne den finanziellen Rahmen zu sprengen, fast ein Ding der Unmöglichkeit.» Auch deshalb wird die Familie Lehmann den Skilift kommende Saison wieder anwerfen.

«Alle Anlagen geschlossen. Letzte Änderung 31. Dezember 2010», heisst es auf der Homepage der Sportanlagen Balmberg AG. Auch das mit Abstand grösste Skigebiet in der Region kämpft mit dem Wetter. «Diese Saison war eine der schlechtesten in der fast 70-jährigen Geschichte», erklärt Philipp Sterki, Mitglied des Verwaltungsrates der Sportanlagen Balmberg AG, und liefert die Fakten. Der Kinderlift Höfli war sechs Tage, der Kählelift vier Tage und der Rötilift keinen einzigen Tag in Betrieb. Die Schwankungen seien allerdings gross und reiche von ganz wenigen bis 105 Betriebstagen. Über die Jahre liege die durchschnittliche Auslastung pro Saison bei 40 Tagen.

Auch hier fallen Fixkosten an; Sterki beziffert sie auf 25000 bis 30000 Franken. Zwar habe man 2009 rund 80000 Franken für Revisionsarbeiten in die Anlagen gesteckt, die Anlagen werden aber trotzdem nicht jünger, blickt er voraus. Noch drei weitere solche Saisons, und das Reservepolster wäre aufgebraucht. Dann droht das Aus, wie schon wiederholt erklärt wurde. «Stillgelegt» sei das im Rahmen einer Machbarkeitsstudie erarbeitete Projekt eines Sessellifts als Ersatz der Skilifte und künstlicher Beschneiung (Kostenpunkt 12 bis 15 Millionen Franken). Dazu bedürfte es eines Investors, was angesichts der unsicheren Schneeverhältnisse wohl illusorisch ist.

Defizitgarantie der Stadt Grenchen

Geradezu exotisch nimmt sich in dieser Grosswetterlage die Meldung aus, dass der Skilift auf dem Grenchenberg sowohl am vergangenen Mittwoch wie auch dieses Wochenende in Betrieb sei. Des Rätsels Lösung ist einfach: Einerseits liegt die Skipiste auf 1300 Meter über Meer und damit höher als die anderen Gebiete. Andererseits liege der Nordhang des Skigebiets im Schatten, erklärt Tobias Freudiger, Betriebsleiter der Skilifte Grenchenberg AG. Die Schneefälle am vergangenen Wochenende hätten die Pistenpräparierung ermöglicht. Insgesamt waren die Lifte diese Saison an 16 Tagen geöffnet. Dies sei zwar nicht überragend, «aber an den wichtigsten Tagen - zwischen Weihnachten und Neujahr - war die Anlage in Betrieb gewesen».

Eine Schliessung sei kein Thema. Ziel der Betreibergesellschaft sei nicht nur die Förderung des Schneesportes. «Wir wollen auch mithelfen, die Attraktivität des Naherholungsgebietes der Grenchenberge zu steigern.» Zudem erfahre man viel Unterstützung durch Frondienste, umliegende Gemeinden, Sponsoren und vor allem durch die Stadt Grenchen mit einer Defizitgarantie. Freudiger: «Das gibt uns Mut zum Weiterarbeiten.»