Grenchen
Skilager bleibt beliebt – doch immer weniger Kinder fahren Ski

Weil immer weniger Ski fahren können, gibt es neuerdings auch Lager für Nichtskifahrer. Eines hat sich aber nicht geändert: Die Lager sind immer noch beliebt. 300 Kinder nahmen sich in diesem Jahr eine Auszeit auf der Piste.

Andreas Toggweiler
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Grenchner Sekundarschüler im Skilager in Engelberg im Jahr 2015.

Grenchner Sekundarschüler im Skilager in Engelberg im Jahr 2015.

Das Skilager der Oberstufe gehört an den Grenchner Schulen seit Jahrzehnten zum Jahresprogramm. Auch dieses Jahr werden ab nächster Woche wieder rund 300 Jugendliche eine Woche in den Bergen verbringen. Doch viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer können gar nicht mehr Ski fahren.

«Die Lager sind bei den meisten Schülerinnen und Schülern zwar beliebt, doch der Anteil Jugendlicher, die Ski fahren können, nimmt kontinuierlich ab», bestätigt Michael Zurschmiede, Koordinator und langjähriger Skilagerleiter an den Grenchner Schulen, den Trend. Landläufig wird dafür der gesellschaftliche Wandel als Grund genannt, insbesondere, dass in ausländischen Familien das Skifahren keine Tradition hat. Zudem ist es nicht ganz billig.

Lauter Anfänger

«Letztes Jahr hatten wir ein Lager mit 18 Anfängern. Fast niemand konnte Ski fahren. Da kommt man im Leitungsteam an Grenzen», erklärt Zurschmiede, der auch nächste Woche wieder ein Skilager in Vercorin im Val d’Anniviers organisieren wird. So ganz ohne Kenntnisse seien manche Schüler nicht motiviert und fühlten sich eher geplagt. Auch für die Leitenden sei in solchen Fällen Improvisationstalent gefragt. «Denn für seriösen Anfängerunterricht waren wir eigentlich zu wenige.» Kommt noch dazu, dass die Nichtskifahrer in der Regel eine Ausrüstung mieten müssen.

«In dieser Situation haben wir uns schon die Frage gestellt, ob die Teilnahme an den Skilagern weiterhin obligatorisch sein soll», meint der 58-Jährige, der seit rund 35 Jahren (mit Unterbrüchen) Skilager an den Grenchner Schulen leitet.

Lager für Nichtskifahrer

Die Stadt beginnt schon mal auf die Entwicklung zu reagieren: Erstmals werde dieses Jahr im Ferienheim Prägelz auch ein Lager für Nichtskifahrer durchgeführt, wie Monika Heiri seitens der Schulverwaltung bekannt gibt.

Bürchen, Engelberg, Alt St. Johann, Flumserberge, Davos, Adelboden, Andermatt und Vercorin, so lauten die Destinationen der Grenchner Skilager dieses Jahr. Sie seien immer etwa ähnlich, da die Schulen jeweils ganze Lagerhäuser mieten und auch für kommende Jahr wieder reservieren. Zeitlich finden dieses Jahr die Lager gestaffelt statt, was aber sonst nicht Usus sei. Die Elternkosten für Unterkunft und Verpflegung sind einheitlich bei 175 Franken (für 5 Übernachtungen) plus die Kosten für die Skilifte im Umfang von 80 bis 120 Franken je nach Destination, rechnet Heiri vor. Dazu kommen die Kosten für die Skiausrüstung.

Skiunterricht in der Gruppe: Ein Helm gehört heute zwingend dazu.

Skiunterricht in der Gruppe: Ein Helm gehört heute zwingend dazu.

Sparen: Nicht mehr jedes Jahr

Reformierte Kirche hat kein Skilager mehr

Während der Sportferien hat jeweils auch die reformierte Kirche Grenchen-Bettlach ein Skilager für Jugendliche durchgeführt. Noch vor 2 Jahren vergnügten sich
28 Jugendliche aus der Region während einer Woche in einem Lagerhaus in Litzirüti bei Arosa. Es war das letzte Mal. Wie Kirchenverwalter Ruedi Köhli auf Anfrage erklärt, hat dies mehrere Gründe. So habe der Hausbesitzer das Gebäude schon letztes Jahr als Asylunterkunft zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig habe man Mühe bekundet, das Personal mit der entsprechenden J+S-Ausbildung für die Lagerleitung zu finden. Dass die Kirche zudem sparen muss, komme noch dazu. «Wir hatten bis jetzt keine Reklamationen, dass das Lager nicht mehr stattfindet», so Köhli weiter. Das entsprechende Angebot
der Schulen sei ja umfassend. Die übrigen Jugendlager der Kirche werden weiterhin durchgeführt. (at.)

Im Skilager, das dank Jugend-und- Sport-Leitungspersonen auch vom Bund subventioniert wird, geht es wie seit je ums Skifahren und Skiunterricht in der geführten Gruppe – oder wieder, kann man sagen. «Der Snowboard-Boom scheint ziemlich vorbei», meint der langjährige Lagerleiter, der schon manchen Ausrüstungstrend kommen und gehen sah. Snowboard-Unterricht für Anfänger gebe man nicht mehr. Dafür fährt heute alles mit Helm, was Zurschmiede begrüsst und von den Lagerteilnehmern auch fordert. «Helm tragen ist bei uns obligatorisch.»

Küchenteam gesucht

Für «sein» anstehendes Skilager mit 65 Kindern aus drei Schulklassen sind acht Leiter plus das Küchenpersonal dabei. Gekocht wird in den Lagern selbst. Die Schüler müssen in der Küche nicht mithelfen, können sich aufs Skifahren konzentrieren.

Nicht immer sei es einfach, genügend Helfer zu finden. «Das wird manchmal etwas eine Zitterpartie, doch bis jetzt hat es noch immer geklappt.» Nachdem bei ihm Vreni Schneider vom Gasthof Untergrenchenberg in der Küche dabei sei, würden die jungen Schneesportler nicht darben müssen, freut sich Zurschmiede.