Wintersport

Skifahren muss für Grenchner irgendwie sein

Seit letztem Jahr (Foto) kann man auf dem Grenchenberg Nachtskifahren. Vorerst hat es aber nicht genug Schnee.

Seit letztem Jahr (Foto) kann man auf dem Grenchenberg Nachtskifahren. Vorerst hat es aber nicht genug Schnee.

In der Region schwindet der Schnee. Nach Alternativen suchen Grenchner und Grenchnerinnen aber nicht. Sie zieht es zum Schnee.

Noch ist der Winter an vielen Orten grün, auch in der Uhrenstadt sieht man vom vielen Schnee, der vor einer Woche auch das Flachland einkleidete, nur noch kleine Überreste. Fast genauso grün ist es auf dem Grenchenberg, wo zwischen null und fünfzehn Zentimeter Schnee liegt. Wie eine Umfrage dieser Zeitung in der Stadt zeigte, wird trotzdem nicht unbedingt nach Alternativen, sondern nach Schnee gesucht.

Die rund zwanzig befragten Grenchnerinnen und Grenchner treiben verschiedene Wintersportarten. Am meisten war Skifahren vertreten, dicht gefolgt vom Schlitteln, dann Snowboard, Schneeschuhwandern und Schlittschuhlaufen. Nur zwei der Befragten gaben an, den Sommer vorzuziehen und Wintersport ganz aufgegeben zu haben.

Unter den Grenchnern finden sich auch eingefleischte Wintersportler, so Werner Andres und Heinz Peter, die beide Saisonkarten für Skigebiete haben. Die befreundeten Rentner haben das Skifahren bereits als Kinder gelernt. «Ich fahre seit über sechzig Jahren», beschreibt Peter. «Ich gehe immer nach Grindelwald, weil mein Vater von dort stammt.» Die beiden Freunde erinnern sich zurück: Früher sei man alles gelaufen, da es keine Skilifte gab. «Und die Ski hatten keine Kanten!», lacht Peter.

Andres ist in der Lenk in Skimontur anzutreffen. «Ich bin auch oft als Wanderer auf dem Grenchenberg, egal, ob Sommer oder Winter.» Die beiden lassen sich genauso wenig durch den grünen Winter beeindrucken. «Ich suche keine Alternative», meint Peter. «Auch wenns nirgends Schnee hat, dann warte ich eben.»

Berner Oberland ist beliebt

Fürs Skifahren und Snowboarden ist vor allem das Berner Oberland ein beliebter Aufenthaltsort für die Uhrenstädter. Aber auch das Nachtskifahren auf dem Grenchenberg ist begehrt. Der Hausberg hat es ebenfalls Stadtschreiberin Luzia Meister angetan, die zusammen mit Arbeitskollegin Susanne Leber gerade aus dem Mittag kommt. Ihre Leidenschaft: Schneeschuhwandern. «Die Schneeschuhwanderung bei Nacht, organisiert von Grenchen Tourismus, ist wunderschön», meint sie und gerät ins Schwärmen: «Vor allem wenn man den Mond sieht. Um achtzehn Uhr wird gestartet, nach der Wanderung gibt es ein Fondue.»

Es wird mehr gemietet

Die Tendenz: Wintersportler mieten die Ausrüstung mehr, als dass sie sie kaufen. So ist es auch bei Wirth Sport Grenchen. Gerade die Ausrüstung von Kindern werde gemietet, da Kinder relativ schnell aus einer Grösse herauswüchsen. «Auch viele Erwachsene sind zum Mieten übergegangen», erklärt Philipp Röhrich, der im Winterservice und als Kundenberater bei Wirth Sport angestellt ist. Die Statistik zeige ausserdem, dass die Kundschaft viel häufiger Ski als Snowboard fahre. Röhrich: «Viele Snowboarder haben wieder auf Ski gewechselt, als das Carven aufkam.»

Suchen die Wintersportler in Grenchen wegen des grünen Winters in höheren Lagen nach Schnee, bringt ein solcher den Läden in der Regel Einbussen. «Wenn es im Jura geschneit hat, sehen das die Leute und so kommen mehr bei uns einkaufen», führt Röhrich aus. Liege im Flachland Schnee, gäbe es sogar noch grösseren Andrang im Geschäft. Dies habe man auch an den Wintertagen um Neujahr gemerkt. Dennoch sei die Bilanz zur bisherigen Saison nicht so positiv ausgefallen, wie man gerne hätte. «Bisher war es viel zu warm. Bei diesen Temperaturen werden auch viel weniger Handschuhe und Mützen verkauft.»

Ein Kostenpunkt

Der Wintersport geht bekanntlich ins Geld, was vielfach bei den Befragten Erwähnung fand. So bei der alleinerziehenden Mutter Selina Baykan «Ich habe das Skifahren in den Skilagern der Schule gelernt und es gern gemocht», beschreibt sie. «Aber ich kann mir und meinen Kindern das Skifahren nicht leisten. Dafür gehen wir auf den Grenchenberg schlitteln.»

Wegen der Finanzen und aus gesundheitlichen Gründen ist auch Olivia Schwab, die seit Jahren als Buchhändlerin in Grenchen arbeitet, lange nicht mehr Ski gefahren. Zwischen Weihnachten und Neujahr ging sie zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder auf die Piste, nämlich in Veysonnaz. «Es war wunderbar. Es ist wie Fahrradfahren; man verlernt es nicht», meint sie lachend.

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