Grenchen
«Sind zwischen Stuhl und Bank geraten» – Catering-Chef befürchtet lange Durststrecke

Ohne Veranstaltungen macht die Fotra GmbH schwierige Zeiten durch. Die Grenchner Cateringfirma kann aber von erarbeiteten Reserven zehren.

André Weyermann
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Ein Bild aus besseren Tagen: Fotra-Grosseinsatz an der Swatch GV im Mai 2017. Peter Traub und sein Team am Grenchnerfest 2018.

Ein Bild aus besseren Tagen: Fotra-Grosseinsatz an der Swatch GV im Mai 2017. Peter Traub und sein Team am Grenchnerfest 2018.

Oliver Menge Bild: om

Von der Coronakrise sind viele Unternehmungen betroffen. Bei kaum einer ist aber die Auftragslage so eingebrochen und die Zukunft so ungewiss wie bei der Fotra GmbH. Dem Dienstleister und Zulieferer von Anlässen jeglicher Art und Grösse machen das gänzliche Fehlen von Veranstaltungen und die faktische Schliessung aller Gastrobetriebe zu schaffen. «Dabei hatten wir einen guten Start ins Jahr und die Aussichten waren hervorragend, die Bücher gefüllt mit Aufträgen. Als dann aber Ende Februar/Anfang März alle Publikums-Veranstaltungen untersagt wurden, brachen uns bei­nahe sämtliche Aufträge weg», erklärt Geschäftsleiter Peter Traub die Lage.

Die Aussichten sind nach wie vor schlecht

Und leider sieht auch die nahe Zukunft nicht gerade rosig aus. «Wir werden wohl noch lange zu leiden haben», befürchtet Peter Traub. Während andere Branchen auf Lobbying und Verbände zählen können, ist dies bei Fotra und anderen ähnlichen Dienstleistern kaum der Fall: «Wir sind zwischen Stuhl und Bank geraten.»

Die 15 Mitarbeitenden befinden sich in Kurzarbeit. Der Geschäftsleiter und seine Frau Romy (Verantwortliche Buchhaltung und Personal) halten jeweils am Morgen im Geschäft die Stellung. «Das Mittel der Kurzarbeit ist für uns ein Lichtblick. Ohne dies würde sich die Lage noch um einiges schwieriger darstellen», gibt Peter Traub zu Protokoll. Existenziell bedroht ist das Grenchner Traditionsunternehmen im Moment nicht. Dank ständiger Diversifikation, dem Ausbauen der Dienstleistungen und dem erarbeiteten guten Ruf, hat man sich in den letzten Jahrzehnten Reserven erarbeiten können.

Peter Traub und sein Team am Grenchnerfest 2018.

Peter Traub und sein Team am Grenchnerfest 2018.

Oliver Menge

Von Festartikeln hin zu professionellem Catering

Fotra wurde im Jahr 1972 durch Linda und Peter Traub senior gegründet. In seinen Anfängen konzentrierte sich das Unternehmen auf den Verkauf und die Herstellung von Festartikeln. In den vergangenen Jahrzehnten baute man unter der Leitung des Gründersohnes die Geschäftstätigkeit stetig aus. Inzwischen ist die Firma zum bedeutenden Partner für Catering, Infrastrukturanbieter für Cateringunternehmen und Betreiber von Festwirtschaften sowie Gastro- und Getränkehandel geworden. «Ja, wir haben Substanz. Es ist einfach etwas frustrierend, wenn Unternehmen, die drauf achten, ihre Lieferanten pünktlich zu bezahlen, die Wertschöpfungskette bereichern und generell erfolgreich geschäften, dann unverhofft und unverschuldet in eine schwierige Lage geraten. Das braucht ziemlich Energie, Energie, die man natürlich lieber in Projekte und für die Kunden einsetzen möchte», sagt der Geschäftsleiter dazu.

Trotz der schwierigen Lage denkt Peter Traub nicht daran, Leute zu entlassen. «Unser Erfolg basiert ja auch auf der Arbeit eines eingespielten Teams. Wir hatten in den letzten Jahren kaum Fluktuationen, einige Mitarbeitende sind seit über 20 Jahren bei uns», meint Peter Traub dezidiert. Es sei also viel Erfahrung in diesem Team, eine Erfahrung, die unbezahlbar sei, denn in diesem Business gebe es kaum Möglichkeiten, sich die diversen gefragten Fähigkeiten in einer Standard-Lehre anzueignen.

Grenchner Fest als Startschuss für bessere Zeiten

Auch wenn das Ende der Durststrecke im Moment nicht abzusehen ist, gibt sich Peter Traub vorsichtig positiv: «Wie sich alles entwickelt, ist schwierig einzuschätzen. Wir hoffen insbesondere, dass das Grenchner Fest Anfang September über die Bühne gehen kann und dann so etwas wie ein Startschuss für bessere Zeiten sein kann. Wenn schon früher wieder Veranstaltungen möglich sind und wir Aufträge generieren können, nehmen wir das natürlich gerne. Es ist uns aber auch bewusst, dass die Gesundheit das höchste Gut ist.»

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