Seit vergangenem Freitag liegen die umfangreichen Unterlagen für die Nutzungsplanung rund um das Windpark-Projekt auf der Bauverwaltung zur Einsicht auf. Besonders betroffene Personen oder Organisationen können nun bis zum 10. November Einsprache erheben gegen die sechs geplanten Windräder auf dem Grenchenberg, die dereinst einen beträchtlichen Teil des städtischen Strombedarfs decken sollen.

Im Frühjahr, bereits nach dem Ablauf der Mitwirkungsfrist, trat eine Gruppierung namens «Pro Grenchen» auf den Plan, die den Windpark grundsätzlich verhindern will. Nachdem der Gemeinderat kurz vor der Behandlung des Geschäfts mit Papier eingedeckt wurde und ultimativ Antworten auf Dutzende Fragen verlangt wurden, kritisiert «Pro Grenchen» jetzt, es seien unkorrekte Angaben über die Grösse der Anlage gemacht worden: «Wer aufmerksam die neusten Informationen auf der Website der Städtischen Werke Grenchen liest, wird feststellen, dass die Gesamthöhe der sechs geplanten Windkraftanlagen auf 181 Meter gewachsen ist ...». Und dies bei gleichbleibender Stromproduktion, wie «Pro Grenchen» festhält. Die Zahlen stammen aus einer Unterlage, die anlässlich der nun aufgelegten Nutzungsplanung kürzlich publiziert wurde.

Approximative Angaben

In der Tat sprach man in einem anderen Dokument, das im vergangenen November anlässlich des Mitwirkungsverfahrens veröffentlicht wurde, von einer Nabenhöhe von «ca. 110 Meter» und einer Rotorblattlänge von «ca. 55 Metern».

Der vom Kanton genehmigte Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) würde denn auch von einer Gesamthöhe der Anlage von 165 Metern ausgehen, schreibt «Pro Grenchen». Und auch die Kosten seien bereits von einst kommunizierten 35 Mio. Fr. auf neu über 40 Mio. Fr. angestiegen. Die Windkraftgegner kritisieren im Übrigen einmal mehr, das Projekt leiste keinen nennenswerten Beitrag zum Ausstieg aus der Kernenergie. Immerhin räumen sie ihm neuerdings eine gewisse Rentabilität ein, «wenn auch höchstens für den Kapitalgeber», wie es heisst.

Für wen denn sonst, könnte man da fragen. Per Just, SWG-Geschäftsführer, nimmt aus den Ferien dennoch ausführlich Stellung zu den neusten Vorwürfen. Es sei keineswegs so, dass im Umweltverträglichkeitsbericht von falschen Zahlen ausgegangen werde.

Spielraum ausnützen

«Die maximale Gesamthöhe der Anlage darf 180 m, die Masthöhe 120 m nicht überschreiten. Diese Rahmenbedingung ist im UVB sowie in den Sonderbauvorschriften festgelegt», so der SWG-Chef. Bei der Auswahl der Anlagen werde man darauf achten, dass diese Rahmenbedingungen «sinnvoll ausgenutzt» werden. «Denn je grösser die Rotorfläche, umso mehr Energieertrag.»

Wurde dann anlässlich der Mitwirkung die Dimension zu klein angegeben? Just verneint. Man habe eine approximative Grösse angegeben, anhand der damals geläufigen Anlagen. Man habe damals noch gar keine Offerten gehabt. Der Preis von 40,726 Millionen Franken umfasse die Gesamtkosten inklusive eines Betriebs von 15 Jahren. Werde letztlich eine Anlage ausgewählt, welche die Rahmenbedingungen in Bezug auf die Grösse besser ausnützt, könnten die Investitionskosten etwas höher sein. «Dies natürlich nur insofern der Energieertrag respektive die Rentabilität proportional höher ausfallen.»

Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung sei untersucht worden, welche Auswirkungen das Werk auf die Umwelt hat und welche Massnahmen gegebenenfalls getroffen werden sollen. «Die einzuhaltenden Grenzwerte für z.B. Lärm und Schattenwurf gelten dabei unabhängig vom Anlagentyp und der Anlagenhöhe.» Der Kanton taxierte die Anlage als umweltverträglich.

Windkraft sei sehr wohl eine Alternative, so Just weiter. «Die Energiestrategie des Bundes geht in der gesamten Schweiz von einem Windpotenzial von 4000 GWh/Jahr bis ins Jahr 2050 aus, heute sind es unter 100 GWh/Jahr, die mit Windenergieanlagen produziert werden.»

Solarstrom viel teurer

Im neu erarbeiteten Richtplan Energie der Stadt Grenchen werde zwar das Potenzial der Sonne als Energiequelle als hoch eingestuft. Tatsächlich seien jedoch nur wenige Hausbesitzer bereit, ihre Dächer für Photovoltaik-Anlagen bereitzustellen. «Sollte der Energieertrag des zukünftigen Windparks Grenchen stattdessen mit Photovoltaik produziert werden, wäre dafür ein Flächenbedarf von über 42 Fussballfeldern notwendig.»

Zudem seien die Strom-Gestehungskosten von Photovoltaik-Anlagen trotz sinkender Preise der Solarpanels auch heute noch rund doppelt so hoch als der Strom, der mit Windkraft erzeugt wird.