Büren a.A.
Signal AG markiert ein Rekordjahr

Die Firma Signal AG in Büren kann auf das erfolgreichste Geschäftsjahr ihrer Geschichte zurückblicken. Trotz neuer Herausforderungen durch den starken Franken ist Geschäftsführer Ernst Moser für die Zukunft positiv gestimmt.

Andreas Toggweiler
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CEO Ernst Moser mit einer Autobahntafel
16 Bilder
Signal AG aus Büren - Schilder soweit das Auge reicht
Fertigstellen eines 6,5 Meter breiten Autobahnschildes
Siebdruck
Neue Rohrbiegemaschine
Metalle werden mit Laser gesschnitten
Schleifen in Handarbeit
... und in der Produktion von LED-Signalen
Aluplatten werden mit Folie beklebt
Der lange Gang zwischen den verschiedenen Abteilungen
So werden Verkehrsschilder gemacht
Links die neue, rechts die alte Schrift
Aktion "Midnightspeed" auf dem Flughafen Kloten
Markierung Flughafen Zürich Piste 14-32
Signalisierung der Autobahneinfahrt Grenchen
Zone 30 Büren an der Aare

CEO Ernst Moser mit einer Autobahntafel

Oliver Menge/zvg

Der Umsatz der Schweizer Marktführerin im Bereich öffentlicher Signalisationen und Verkehrsleitsysteme ist 2014 um 5,5 Prozent auf 52,9 Mio. Fr. gewachsen. «Wir konnten im letzten Jahr einige interessante Aufträge realisieren», erklärt Moser, der die Firma mit rund 220 Angestellten in der Bürener Industriezone seit 1998 als Geschäftsführer leitet. Darunter erwähnt er den Abschluss des Grossprojekts Stadttangente Bern, die Lieferung von interaktiven Informationsstelen an die Verkehrsbetriebe Luzern und insbesondere die Signalisation der Fluchtwege im neuen Gotthard-Basistunnel der SBB.

Nicht weniger als 540 innen ausgeleuchtete Signale in massiven druckdichten Gehäusen konnten für die 57 km lange, in zwei separaten Tunneln geführte Eisenbahnstrecke geliefert werden. «Die Anzeigen müssen speziell konstruiert sein, um die Druckwelle der mit 200 km/h herannahenden Züge bzw. den Vakuum-Sog der sich entfernenden Züge auszuhalten», erklärt Moser bei einem Rundgang durch die Produktionsräume der Signal AG.

Daneben produziert das Unternehmen aber auch ganz normale (Verkehrs-)Schilder jeglicher Art – vom gelben Wanderwegweiser über Geschwindigkeitssignalisationen bis zur 6,5 Meter breiten Tafel für die Wegweisung auf Autobahnen. Im Jahr 2014 wurden 24 000 Aufträge abgewickelt und dabei ca. 450 Tonnen Stahl, ca. 150 Tonnen Aluminium und 70 000 Quadratmeter Folie verarbeitet. Daraus sind über 92 000 Schilder entstanden sowie 290 Grossflächentafeln.

Für die Produktion der Schilder kommen laut Moser verschiedene Techniken zur Anwendung. Geläufig sind reflektierende Kunststofffolien und Schilder in Siebdruck-Technik, die beide in der Produktion der Signal AG zum Einsatz kommen. Zu einem fertigen Schild gehören aber auch ein Stahlrohrrahmen und Befestigungen, die ebenfalls in den Bürener Werkhallen gefertigt werden. Baustellensignalisationen, Parkleitsysteme, Poller oder präventive Radarmesssysteme, z. B. auf Schulwegen, runden das Angebot ab bzw. werden heute immer wichtiger.

Bald zu viele Schilder?

Fast für alles gibt es heute ein Schild. Moser anerkennt, dass es auch ein «zu viel des Guten» geben kann. Anderseits gebe es aber oft auch aus juristischen Gründen keine andere Lösung. Zukunftsträchtig sei deshalb eine intelligente Signalisation, welche sich der Verkehrssituation anpasse bzw. mit der das steigende Verkehrsaufkommen unter bestmöglicher Ausnützung des Strassenraums bewältigt werden kann. Die heute in der Schweiz erst vereinzelt anzutreffenden Informationssysteme mit LED-Anzeigen über den Autobahn-Fahrspuren würden künftig noch vermehrt eingesetzt. Auch hier gehört die Firma zu den Anbietern und kann im laufenden Jahr einen Auftrag des Astra für 2,5 Mio. Fr. realisieren. Einen Umsatz von 6 Mio. Fr. wird zudem die Signalisation der A5-Umfahrung Biel einfahren. Die Auftragslage sei heute sogar höher als in den vergangenen Jahren. Zu den weiteren Grossprojekten gehören die Osttangente Basel und die Umfahrung Interlaken.

Wieder ganz schweizerisch

Seit diesem Jahr ist die Signal AG wieder zu 100 Prozent in Schweizer Besitz. Im Dezember gab der französische Konzern Plastic Omnium bekannt, dass er sich von der 50-Prozent-Beteiligung an der Signal AG trennt, die er in den letzten 20 Jahren gehalten hatte. Neu ist die Firma wieder zu 100 Prozent in Besitz der Integra Holding AG, Wallisellen, die verschiedene Industriebeteiligungen hält. Laut Ernst Moser, CEO der Signal AG, sind die Auswirkungen auf die Firma klein. Vor allem das monatliche Reporting für den börsenkotierten Autozulieferer entfalle jetzt. Zudem würden die Kompetenzen für strategische Entscheide vereinfacht.

Die Signal AG wurde 1946 in Biel gegründet und zog 1957 nach Brügg um. Vor allem in den 1970er-Jahren wurden verschiedene Niederlassungen schweizweit eröffnet. Das neue Werk in Büren a. A. wurde 1990 bezogen. Die Marktanteile in der Schweiz betragen heute im Bereich Signalisation 45 Prozent, bei der Markierung 15 Prozent und im Bereich Projekte und Systeme 40 Prozent. Die grössten Kunden sind Städte und Gemeinden mit 40 Prozent, gefolgt vom Bund mit 30 Prozent. Weitere 30 Prozent werden an Industrie, Private und öV-Betriebe geliefert. (at.)

Schliesslich ist auch die Bodenmarkierung von Strassenraum eine Domäne der Signal AG, die vor allem im Sommer für zusätzlichen Umsatz sorgt. Hier kommen saisonal zusätzliche Temporärkräfte zum Einsatz. Letztes Jahr wurden in den Gemeinden Worben und Büren a. A. Tempo-30-Zonen signalisiert. Um nahe beim Auftraggeber zu sein, schwergewichtig sind dies Kantone und Gemeinden sowie der Bund für die Autobahnen, unterhält die Firma neben dem Hauptsitz in Büren nicht weniger als 12 Niederlassungen in der Schweiz und eine Tochterfirma im Tessin.

Flughafen-Piste markiert

Ab und zu gibt es für die Markierungsteams auch aussergewöhnliche Aufträge: So wurde im vergangenen Sommer in gut 50 Nächten die Piste 14/32 des Flughafens Zürich neu markiert. Nach der Belagserneuerung in der Nacht stand jeweils ein Zeitfenster von nur 40 Minuten für die Markierung zur Verfügung, bevor die Piste um 6 Uhr morgens wieder dem Flughafen übergeben wurde.

Da die Signal AG nur wenig im Ausland aktiv ist (z. B. bei Fluchtwegsignalisationen in Tunnels in Holland), könnte der Eindruck entstehen, dass die Firma von der Wechselkursproblematik nur am Rande betroffen ist. «Dieser Eindruck täuscht», meint der CEO. «Alle grösseren Projekte in der Schweiz werden international ausgeschrieben. Ausländische Anbieter sind auf einen Schlag über 10 Prozent günstiger geworden.»

Produktivität verbessern

Dank Investitionen in moderne Laseranlagen und Schweissroboter sowie in eine moderne Rohrbiegemaschine sei die Produktivität verbessert worden. Doch es seien weitere Schritte nötig, meint Moser. «Anstelle von Lohnkürzungen oder Arbeitszeitverlängerung wollen wir zusammen mit dem Personal die Prozesse und die Produktivität weiter optimieren sowie auf Innovationen setzen», erklärt er. Die dazu nötigen Workshops seien letzte Woche angelaufen. Insbesondere erhofft man sich noch Wachstumsimpulse im Bereich des öffentlichen Verkehrs, bei Informationssystemen und Signalisationen für Bahn, Bus und Tram.