Wenn Brigitte Meier-Kilchmann vor den Sommerferien in den Ruhestand tritt, kann sie auf eine über 40-jährige Tätigkeit als Erzieherin, Sozialpädagogin und Praktikums-Begleiterin im Sonderpädagogischen Zentrum Bachtelen zurückblicken.

Sie führte zusammen mit ihrem Mann Hanspeter eine Wohngruppe, lebte während etwas mehr als sieben Jahren in einer Grossfamilie zusammen mit dem Ehepartner, den eigenen Kindern und Schützlingen, die dem Bachtelen anvertraut worden waren, und leitete in den letzten Jahren eine Tagesgruppe.

Leben mit Kindern teilen

Es sei schon sehr speziell, aber auch spannend gewesen, sowohl mit dem Lebenspartner als auch mit dem Sohn zusammenzuarbeiten. Mit ihrem Mann habe es eine klare «Gewaltentrennung» gegeben: «Er amtete sozusagen als Aussenminister, ich war die Innenministerin.» Zu ihrem Sohn Matthias hingegen sei sie wohl schon sehr streng gewesen. Allzu schlimm kann das denn auch nicht gewesen sein, immerhin arbeiteten die beiden bis zuletzt miteinander.

Was hat sie denn über 40 Jahre in ihrem Beruf gehalten? «Obwohl man sich mit der Zeit einiges an Wissen erarbeitet hat, trifft man immer wieder auf neue, spannende Kinder. Es gilt herauszufinden, was jedes Einzelne braucht. Wichtig ist es, sein Herz zu öffnen, zum Kind Ja zu sagen, mit ihm das Schöne wie das andere zu teilen», erklärt Brigitte Meier-Kilchmann. Dazu komme die Arbeit im Team: «Man ist ja nicht alleine, man wird gestützt und gestärkt durch die Kolleginnen und Kollegen.» Schliesslich habe sie vor allem dank der Unterstützung des ehemaligen Gesamtleiters, Pfarrer Anton Meier, die Möglichkeit erhalten, sich stets weiterzubilden. So sei es ungemein spannend, Studierende durch die Ausbildung begleiten zu dürfen.

Weniger Kinder im Internat

In den vier Jahrzehnten hat sich die Institution natürlich verändert. Schon die Aussenwahrnehmung ist heute eine ganz andere. Das Bachtelen wird nicht mehr belächelt, man droht nicht mehr mit ihm. Im Gegenteil: Die Grenchnerinnen und Grenchner sind stolz auf die äusserst erfolgreiche Arbeit, die da geleistet wird. Das Sonderpädagogische Zentrum hat sich zu einem Vorzeigeprojekt entwickelt. Verändert hat sich aber auch die Arbeit an und für sich. «Das Bachtelen ist gewachsen, ist etwas anonymer geworden. Dazu ist der administrative Aufwand angestiegen. Im Gegenzug sind die Mitarbeitenden fachlich auf einem höheren Niveau. Die Ausbildung hat sich merklich verbessert», führt Brigitte Meier-Kilchmann aus. Verändert hat sich auch die Art des Aufenthaltes. Die Zahl der Kinder, die im Bachtelen wohnen, hat sich praktisch halbiert.

Schwierige Kinder

Dafür sind die Tagesstrukturen immer wichtiger geworden. Die Zeiten der «langjährigen Karrieren» sind zwar nicht ganz vorbei. Diese haben aber erheblich abgenommen. Man setzt vermehrt auf Durchlässigkeit. Brigitte Meier-Kilchmann hat im Übrigen nicht das Gefühl, dass die Kinder schwieriger geworden seien: «Sie sind wohl komplexer in dem, was sie mitbringen, und viele haben schon in jungen Jahren psychische Schwierigkeiten.»

Die Kinder werden ihr bestimmt fehlen, die tolle Aufgabe, für sie verantwortlich zu sein, meint sie zu dem nun folgenden Lebensabschnitt. Bange ist ihr dabei aber nicht wirklich. Sie wird sich vermehrt um ihre drei Grosskinder kümmern können. Dazu amtet sie noch als Präsidentin des Frauenforums Grenchen-Bettlach und singt im Konzertchor Leberberg. «Ich habe schon das Gefühl, dass ich noch gebraucht werde», kann sie deshalb mit Bestimmtheit sagen.