Grenchner sind treue Kunden», sagt Rolf Probst, Geschäftsführer und Inhaber des Reisebüros Vasellari an der Marktstrasse. Tatsächlich sei er auch in Zeiten, wo andere, grosse Unternehmen in der Reise- und Ferienbranche sich gegenseitig nicht nur das Leben schwer machten, sondern sich auch zu schlucken versuchten und zum Teil damit Erfolg hatten, immer gut über die Runden gekommen. «Man muss halt darauf achten, wie man seine Kunden bedient und sein Netzwerk pflegt», sagt der Reisespezialist, der am 27. November seinen 65. Geburtstag feiert.

Natürlich habe es Zeiten gegeben, in denen bis zu vier Angestellte für ihn gearbeitet hätten. «Den Marktverhältnissen entsprechend muss man sich anpassen und mit weniger Angestellten auskommen.»

Braucht es noch Reisebüros?

In Zeiten, wo viele Leute sich ihre Ferien gleich selber am Computer zusammenstellen, Flüge und Hotels übers Internet buchen können, muss man sich schon fragen, wo die Daseinsberechtigung für ein Reisebüro noch besteht, und wie man da noch Geld verdienen kann. Die Antwort ist für Probst klar: Jahrelange Erfahrung und umfassendes Wissen ermöglichen es ihm und seiner Mitarbeiterin Christina Habegger, den Kunden massgeschneiderte Produkte anzubieten. 

Von Vorteil sei hier, dass Vasellari als unabhängiges Reisebüro Wiederverkäufer von all den grossen Gesellschaften wie Tui, Hotelplan, Vögele Reisen und anderen in der Schweiz tätigen Anbietern sei. Aber auch deutsche Anbieter sind im Sortiment vorhanden und man könne deren Produkte zu denselben Preisen anbieten, die der Kunde auch vor Ort in Deutschland bezahle. Wo also liegt der Gewinn? «Wenn wir für Tui beispielsweise ein Produkt verkaufen, eine Reise, die er im Angebot hat, bezahlt der Kunde gleichviel, wie er direkt bei Tui bezahlen würde. Wir erhalten von Tui aber eine Kommission für den Verkauf. Das ist unsere Marge, unser Gewinn.»

Eine wichtige Einschränkung bei den Anbietern, die Vasellari weiterverkauft, gibt es hingegen: Die Anbieter müssen beim Garantiefonds Mitglied sein. Eine Schweizerische Gesellschaft, die sicherstellt, dass Kundengelder abgesichert sind. «Bucht und bezahlt beispielsweise jemand bei einem Veranstalter für eine Ferienreise und der Veranstalter geht Konkurs, sind die Kundengelder abgesichert, wenn er im Garantiefonds Mitglied ist. Andernfalls verlieren die Kunden ihr Geld, das sie bereits bezahlt haben und können höchsten auf gerichtlichem Weg versuchen, zu ihrem Recht zu kommen.» Etwas, das leider ab und zu vergessen werde, wenn übers Internet gebucht wird. Die Mitgliedschaft im Garantiefonds sei auch ein Qualitätsmerkmal, so Probst.

Ist Fliegen zu billig?

Auf die Frage, ob fliegen nicht einfach viel zu billig sei, wenn ein Ticket nach Palma de Mallorca bei EasyJet nur gerade 18 Franken kostet, sagt Probst: «Das ist nur so billig, wenn man früh bucht. Auch die Billigflieger rechnen über einen längeren Zeitraum, damit es rentiert.» Es sei überdies nicht so, dass nur die sogenannten Billiglinien günstige Flüge anböten. «Wenn man rechtzeitig bucht, kann man beispielsweise auch mit der Swiss nach New York und zurück fliegen, für knapp 700 Franken.» Das Angebot werde auch immer grösser. Probst rechnet mit einer Verdoppelung des Flugverkehrs bis 2040, wenn die Nachfrage weiter so steige und die Angebote zunehmen.

Das Reisebüro an der Marktstrasse hat sich allerdings auch spezialisiert: Kreuzfahrten und Flussfahrten diverser Anbieter, aber auch Golfreisen, Städtereisen aller Art, Sprachreisen und weltweite Bahnreisen führt Probst im Angebot. Dazu kommt eine enge Zusammenarbeit mit Spezialisten der TTS Gruppe wie Baumeler, Kira, Rolf Meier, Car Rouge, Knecht, Smeraldo, Eurobus, etc. «Neuster Trend im Winter sind Reisen in den Norden mit dem ganzen Drum und dran, mit Hundeschlittenfahrten, Nordlichter-Beobachtungen, Rentier-Erlebnissen und mehr.»

Internet – Fluch und Segen

Das Internet habe vieles einfacher gemacht, sagt Probst. Und schneller. Während er früher bei den Fluggesellschaften habe anrufen müssen, um einen Flug zu buchen, sehe man jetzt auf einen Blick, was machbar und buchbar sei. «Auch die Kunden kommen mit viel konkreteren Vorstellungen von dem zu uns, was sie in ihren Ferien erleben und sehen möchten.» Reisen würden kurzfristiger gebucht als früher. Das Internet sei natürlich auch zum Konkurrenten geworden. Aber einen Vorteil habe die Entwicklung auch gebracht, so Probst: «Weil die Preise gesunken sind und das Angebot stetig wächst, wurde das Reisen für mehr Menschen überhaupt erschwinglich.» Das sei mit ein Grund, weshalb man immer gute Kundenfrequenzen habe aufweisen können.

Es gebe ihn übrigens auch noch, den Grenchner oder die Grenchnerin, der oder die einfach zu ihm ins Geschäft kommt und sagt: «Ich habe drei Wochen Ferien von dann bis dann. Kannst Du mir nicht etwas zusammenstellen, Rolf? Etwas mit Sonne, Meer und Erholung pur?» Denn das sei ja die Stärke des lokalen Reisebüros: «Bei uns bekommt der Kunde ein auf ihn abgestimmtes Komplettpaket. Denn wir kennen ihn und wissen, was ihm gefallen könnte».

Stadtparking statt Coop-Parking

Wie alle Gewerbetreibenden in unserer Serie fragten wir auch Rolf Probst, was man in Grenchen anders oder besser machen müsste, um die Innenstadt und speziell den Marktplatz zu beleben. «Ich habe ja damals, als der Marktplatz umgestaltet wurde und die Parkplätze im oberen Teil verschwanden, selber erlebt, wie die Frequenzen schlagartig zurückgingen und die Laufkundschaft grösstenteils wegblieb. Das muss man wieder korrigieren.»

Für ihn sei klar, im oberen Teil des Marktplatzes müssten wieder Parkplätze geschaffen werden. Das Parking im Coop würde er in «Stadtparking» umbenennen und an allen Einfallsachsen in die Stadt frühzeitig mit einer guten Signalisation die Besucher dorthin führen. «Eine Sperrung der Bettlachstrasse ist für mich als Geschäftsinhaber ein absolutes No Go. Aber weshalb nicht eine Sperrung nach Ladenschluss ins Auge fassen?»

Probst könnte sich auch eine Broschüre vorstellen, in der sich Grenchner Geschäfte präsentieren und die dann aufliegt. «Das Gewerbe muss sich besser verkaufen», ist Probst überzeugt. Auch sollte man versuchen, leere Ladenflächen zu füllen, hier sei die Wirtschaftsförderung gefordert. «Es fehlen Kleidergeschäfte. Aber man könnte auch versuchen, Jungunternehmer anzulocken.»