Grenchen

Sie legten die Argumente für und gegen die Windenergie auf den Tisch

(v.l.): Jürg Allemann, Präsident Pro Grenchen, Per Just, Direktor SWG, und Markus Geissmann vom Bundesamt für Energie.

(v.l.): Jürg Allemann, Präsident Pro Grenchen, Per Just, Direktor SWG, und Markus Geissmann vom Bundesamt für Energie.

Experten diskutierten am Wirtschaftstag an der Grega über den Windpark auf dem Grenchenberg. Rund 60 Vertreter nahmen an der Veranstaltung im Velodrome teil.

Angekündigt war eine Podiumsdiskussion zum Windpark auf dem Grenchenberg. Die drei Teilnehmer – Per Just, Direktor der SWG, welche das Projekt plant und bauen will, Jürg Allemann, Präsident von Pro Grenchen und erklärter Gegner, sowie Markus Geissmann, Bereichsleiter Windenergie beim Bundesamt für Energie – präsentierten aber lediglich in kurzen Referaten Fakten und Zahlen und legten ihre Sicht der Dinge dar.

Eingeladen zum Wirtschaftstag an der Grega hatte der Industrie- und Handelsverband Grenchen und Umgebung (IHGV) und der Grenchner Gewerbeverband (GVG). Rund 60 Vertreter aus Wirtschaft und Politik nahmen an der Veranstaltung im Velodrome teil, unter ihnen auch Stadtpräsident François Scheidegger.

Dies spricht dafür

Per Just umriss den geplanten Windpark auf dem Grenchenberg und hob die Pro-Argumente hervor: Wind sei als Energiequelle unerschöpflich, ohne Schadstoffemissionen, man gewinne ein grosses Mass an Unabhängigkeit, wenn man die selber benötigte Energie vor Ort produziere und nicht auf fossile Brennstoffe wie Kohle und Gas angewiesen sei. Windkraft sei kostengünstig, insbesondere, weil die Windanlagen inzwischen als Gross-Serienprodukte hergestellt würden.

Die Anlagen seien platzsparend, der Boden um die Anlagen könne nach dem Bau wieder genutzt werden. Der Windpark auf dem Berg bringe auch einen regionalen Gewinn, denn Planung, Bau und Unterhalt würden regional abgewickelt. Verantwortlich seien die Kantone mit Richtplänen und die Gemeinden mit Nutzungsplänen. Dies führt laut Just zu einer sorgfältigen Planung, aber auch zu Verzögerungen: Der Baubeginn der Anlage auf dem Grenchenberg finde wohl nicht mehr in diesem Jahr statt.

Der Kanton habe klare Vorstellungen und wolle an wenigen Standorten grosse Anlagen bündeln, mit Erschliessungen, die mit verhältnismässigem Aufwand realisiert werden können. Das Ziel sei es, künftig etwa 10 Prozent des Strombedarfs aller Haushalte mit Windenergie abzudecken. Für Grenchen habe das eine grosse Bedeutung. Windenergie werde 20 Prozent des gesamten Energiemixes der SWG ausmachen.

Skurrile und falsche Anreize

Jürg Allemann begann mit einem Zitat von Goethe: «Was nicht umstritten ist, ist auch nicht sonderlich interessant.» Allemann war der Meinung, ein Streitgespräch wäre durchaus interessant gewesen, etwa über den Sinn oder Unsinn einer Industrieanlage auf dem Berg, die in etwa gleich gross sei, wie die Stadt Grenchen. Nicht flächenmässig, aber sie nehme mit Lärm so viel Raum ein. Die Politik sei in die Wirtschaft eingebunden und lasse den Volkswillen hinten anstehen. Das Projekt werde vom Volk finanziert und dieses trage auch das Risiko. Deshalb müsste es auch Raum geben für kritische Fragen, beispielsweise weshalb ein Projekt dieser Grösse nicht vors Volk komme.

Der Präsident von Pro Grenchen kritisierte die Messmethoden der SWG. Die verwendete ISO-Norm bilde nicht die tatsächliche Lärmbelastung ab, man müsse mit bedeutend mehr Lärm rechnen. Die Belastung der Bergstrasse beim Bau sei enorm, 60 000 Tonnen Material müssten auf den Berg geschafft werden, das bedeute eine 280 000-fache Belastung der Strasse mit grosser Kostenfolge für Sanierung und Stabilisierung.

Dazu komme, dass man die Anlagen auf dem Berg tief im Boden verankern müsse, eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung. Allemanns Fazit: Die SWG kommuniziere Kosten von 35 Millionen Franken, Experten kämen auf rund das Doppelte. Das Hauptargument sei aber, dass diese Anlagen nur aufgrund der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV rentierten, die in der Schweiz noch hoch und deshalb interessant für Investoren seien. Im Ausland seien Windanlagenbetreiber bereits in Konkurs gegangen. Zusammengefasst gehe es hier um hohe Risiken, verbunden mit einschneidenden Eingriffen in die Natur. Das sei unverhältnismässig, falsche und skurrile Anreize seien verantwortlich.

Bund mit klaren Zielen

Markus Geissmann vom Bundesamt für Energie skizzierte die wichtigsten Punkte der Energiestrategie des Bundes: keine neuen Kernkraftwerke, Verstärken der Energieeffizienz, Ausbau der erneuerbaren Energie und der Stromnetze, vertiefte Energieforschung und internationale Zusammenarbeit. Mit dem Ziel des Bundes, kontinuierlich die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren, wachse die Verlagerung von fossilen Brennstoffen hin zum Strom aus erneuerbaren Ressourcen. Es brauche neue Anlagen, einen Ausbau der bestehenden Wasserkraftwerke und von Photovoltaik-Anlagen. Eine Herausforderung bei den aktuell tiefen Strompreisen, weshalb man über eine Wasserkraft-KEV nachdenken müsse. Bis 2050 will man rund 4,3 Terawatt (TW) Strom aus Windkraft gewinnen, aktuell sind es 0,1 TW. Der Nachteil der Anlagen: Wenn man sie baue, seien sie auch sichtbar. Ihr grosser Vorteil: Sie könnten schnell und komplett wieder zurückgebaut werden.

Stadtpräsident François Scheidegger, auch VR-Präsident der SWG, meinte, dass die Strompreise aufgrund der Subventionspolitik im Keller seien, die man kritisch hinterfragen müsse. Dinge wie eine Wasserkraft-KEV kämen für ihn nicht infrage. Der Windpark auf dem Grenchenberg sei zwar ein massiver Eingriff in die Natur, bedeutend massiver als die geplante Pistenanpassung. Insofern verstehe er beide Seiten. Man müsse aber abwägen und für ihn stimme die Bilanz, weshalb er klar für das Projekt sei. Scheidegger sagte weiter, er habe eine unabhängige Risikoanalyse in Auftrag gegeben, die bisher nicht vorgesehen war.

Meistgesehen

Artboard 1