Bettlach
Sie lebt und arbeitet, um zu bewegen

Sportkoordinatorin Rebekka Oberholzer, studierte Sport- und Bewegungswissenschafterin, vesucht, die Menschen auch in Grenchen zu bewegen - und ihnen ihre Freude am Sport weitergeben.

Julian Perrenoud
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Rebekka Oberholzer, Sportkoordinatorin in Bettlach und Grenchen. jpw

Rebekka Oberholzer, Sportkoordinatorin in Bettlach und Grenchen. jpw

Solothurner Zeitung

In der heutigen Zeit bewegen sich die Menschen zu wenig, denn Sport ist nicht jedermanns Sache. Dagegen hat Bettlach etwas unternommen: Seit dem Frühjahr 2009 arbeitet Rebekka Oberholzer mit einem 25-Prozent-Mandat als Sportkoordinatorin, um herauszufinden, was die lokale Bevölkerung will. Neu kommt in Grenchen eine 20-Prozent-Stelle als Sportkoordinatorin hinzu, hier in der Uhrenstadt ist sie im Stadthaus auf dem Standortmarketing, Kultur und Sport, einquartiert.

«Ich lebe, was ich erzähle», sagt Oberholzer, die 30-Jährige hat ihren Master in Sport- und Bewegungswissenschaften in Basel abgeschlossen und liess sich beim Bundesamt für Sport in Magglingen zur Sportkoordinatorin weiterbilden. 16 Jahre übte sie sich im Ballett, heute im Wellenreiten und Snowboarden. Es klingt nicht nach einer Floskel, wenn sie sagt, sie wolle ihre Freude am Sport weitergeben. Damit sich die Leute mehr bewegen, hat Bettlach vor eineinhalb Jahren ein lokales Bewegungs- und Sportnetz (LBS) eingeführt.

5000 neue Bewegungsstunden

Doch was genau kann eine Sportkoordinatorin in einer Gemeinde bewirken? Oberholzer hat 2009 die Website www.bettlach-bewegt.ch aufgezogen, die alle sportlichen Gemeindeaktivitäten zusammenführt, Vereine, Kurse, Projekte. Oberholzer konzentriert sich zusammen mit der Jugend-, Kultur- und Sportkommission auf drei sportbezogene Schwerpunkte: Die vorhandene Infrastruktur soll optimal genutzt, Vereinsangebote harmonisiert, Lehrer unterstützt, ergänzende Angebote geschaffen werden.

Daneben sollen Sportanlässe wie schweiz.bewegt entstehen. Gerade bei der Infrastruktur verbesserte sich einiges: Die Öffnungszeiten des Hallenbades waren schlecht gewählt, mittwochnachmittags wegen Putzarbeiten geschlossen – genau dann, wenn die Schulkinder eigentlich freihaben. Nun ist das Bad offen für Schwimmkurse und auch samstagmorgens, genauso wie die Turnhalle.

Letztes Jahr generierte das LBS über 5000 zusätzliche Bewegungsstunden. So entstanden etwa Erwachsenenkurse in Pilates wie auch der freiwillige Schulsport. In Letzterem bietet Oberholzer polysportive Lektionen an, um das motorische Repertoire der Fünf- bis Zehnjährigen zu verbessern.

Vereinsaktivitäten vernetzen

Ein Ziel ist, die Vereinsaktivitäten zu vernetzen. Das war anfangs gar nicht so leicht: «Es dauerte, bis mich die Verantwortlichen kannten – ich musste mich erst an den Vorstandssitzungen eines jeden Vereins vorstellen.» Durch die «schweiz.bewegt»-Woche in Bettlach konnte Oberholzer ihren Draht zu Vereinen und zur Bevölkerung endgültig finden. Höhepunkt war ein Hydranten-Orientierungslauf, an dem ganze Familien mit Kleinkind und Grosseltern teilnahmen. Das Dorf lernte sich selber neu kennen. Und die Solothurnerin knüpfte so auch Kontakt mit Grenchen, denn dort suchten sie ebenfalls eine Sportkoordinatorin.

In Grenchen ist Oberholzer stärker in das lokale Geschehen involviert. Dick eingetragen im Kalender der Sportkoordinatorin ist ab dem 5. Mai schweiz.bewegt; Grenchen und Bettlach spannen nach dem Duell vom letzten Jahr erstmals zusammen. Der Gegner: Langenthal. Oberholzer freut sich darauf, «es geht mir aber nicht um den Wettkampf, sondern darum, dass jeder mitmachen kann».

Einen Gemeindeposten mit einer Sportkoordinatorin zu besetzen, war letztes und dieses Jahr möglich, weil zu je einem Drittel von Bund und Kanton mitfinanziert. Diese Pilotphase läuft Ende 2011 aus, «wie es mit den Subventionen weitergeht, wissen wir noch nicht», sagt Oberholzer. Sie ist aber zuversichtlich, gemeinsam mit Grenchen und Bettlach eine Lösung zu finden. Es muss sich bloss noch ein bisschen was bewegen.