Flughafen Grenchen
Sie fliegt und fliegt seit über 70 Jahren

Flugzeuge bleiben in aller Regel viel länger in Betrieb als Autos, die oft schon nach zehn Jahren verschrottet werden. Die Piper L-4 mit der Registrierung HB-OUS ist seit 70 Jahren ununterbrochen auf dem Flughafen Grenchen stationiert – und ist immer noch im regulären Flugbetrieb.

Peter Brotschi
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Nach dem Einsatz im Zweiten Weltkrieg seit 70 Jahren ununterbrochen in Grenchen im Flugbetrieb: Piper J3C L-4 HB-OUS.

Nach dem Einsatz im Zweiten Weltkrieg seit 70 Jahren ununterbrochen in Grenchen im Flugbetrieb: Piper J3C L-4 HB-OUS.

Peter Brotschi

Die Bezeichnung des Flugzeugs heisst exakt Piper J3C L-4. Das «L-4» ist ist ein Code des US-Militärs und bedeutet, dass die Piper während des Zweiten Weltkriegs im Einsatz war. Das Grenchner «Piperli», wie das kleine zweiplätzige Flugzeug auch genannt wird, wurde 1943 gebaut und flog dann irgendwo auf dem europäischen Kriegsschauplatz als Verbindungs- und Beobachtungsflugzeug.

Nach dem Krieg wollten die Amerikaner ihre überzähligen Flugzeuge nicht mehr über den Atlantik zurücknehmen. Sie verkaufte sie gleich «meterweise» an die Interessenten. Vor allem in die Schweiz wurden viele der Ex-Kriegsflugzeuge importiert, weil in Deutschland noch jahrelang ein Flugverbot herrschte. Die fast unzähligen Piper L-4 bildeten die Grundlage, um nach dem Krieg in der Eidgenossenschaft den Motorflug relativ kostengünstig wieder aufzubauen.

Auch in Grenchen gab es viele Piper L-4. Als einzige «überlebt» hat bis heute die HB-OUS. Sie gehörte zuerst den Farner Flugzeugwerken, wurde aber im Jahr 1946 beim Flugzeugwerk Emmen in ein ziviles Flugzeug umgebaut. Am 5. September 1946 startete Walter Laederach das Flugzeug erstmals in den neuen Farben. Laederach war ein bekannter Werk- und Militärpilot, der am 22. April 1949 mit einem Morane-Jagdflugzeug im Neuenburgersee tödlich verunglückte.

Flügel nicht mehr original

Erster Eigentümer in Grenchen war der Grenchner Unternehmer und Flieger Erwin Kocher. Da ihm die Uhrenfabrik Eska gehörte, fand sich der Schriftzug der Firma auf dem Rumpf. Später figurierten noch die Motorfluggruppe und die Fliegerschule Grenchen als Besitzer, bevor die HB-OUS im Jahr 1965 in die Hände der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG überging, wo sie auch heute noch ihren Platz hat.

Das Flugzeug musste mehrmals nach Unfällen repariert werden und besitzt heute nicht mehr die originalen Flügel, seit es bei einer Aussenlandung im Jahr 1986 beschädigt wurde. Auch wird der Propeller nicht mehr von originalen Continental-Motor mit 65 PS angetrieben, sondern von einem Rolls-Royce mit 100 PS.

Aber sonst ist es immer noch die gute alte HB-OUS, die seit sieben Jahrzehnten zuverlässig ihren Flugdienst leistet. Schon im Zweiten Weltkrieg dienten die Piper L-4 als gute Plattform für Aufklärung und Fotos, und so sind auch im Verlaufe der letzten Jahrzehnte viele Flufaufnahmen aus der HB-OUS heraus entstanden, die in dieser Zeitung publiziert wurden.