Schon sechsmal hat ein OK unter Franz Stotzer den Dampftag mit Zugfahrten zwischen Solothurn und Büren, kleinen Dampfschiffen auf der Aare und Dampfwalzen erfolgreich durchgeführt. Auch für den kommenden 8. August war wieder ein Dampftag in der Agenda der Eisenbahn- und Dampffreunde eingetragen.

Doch unvermittelt wird von einem Schreibtisch in Bern das Aus dekretiert. Die SBB und das BAV haben einen Weg gefunden, sich der Verantwortung für den Unterhalt der Bahnstrecke zwischen Arch und Büren zu entledigen. Weil eine Überprüfung gezeigt habe, dass die Unterführung der Kantonsstrasse am Dorfeingang von Büren in schlechtem baulichen Zustand sei und weitere Unterhaltsarbeiten fällig sind, fallen Kosten von mehreren 100 000 Fr. an. Diese wollen die SBB nicht bezahlen.

«Rechtswidriger» Vertrag?

Formaljuristisch wird das so dargestellt, dass das Bundesamt für Verkehr BAV bei den SBB als Streckenbetreiberin ein Audit durchgeführt hat. Dabei kam das BAV zum Schluss, dass der seit Jahren bestehende Vertrag zur Nutzung des Abschnittes Arch-Büren durch die Dampfbahn Bern in «Gebrauchsleihe» rechtswidrig sei. SBB Infrastruktur müsse die volle Verantwortung für den baulichen Unterhalt der Strecke übernehmen. Sie trägt diesen bisher lediglich für das Gleis zwischen Solothurn und Arch, weil dort die Firma Thommen+Furler in Rüti per Industriegleis Güterwagen an SBB Cargo übergibt und übernimmt.

Mit hoher Priorität müsse auch der Bahnübergang Industriestrasse Rüti saniert werden sowie zwei Feldweg-Übergänge, die Durchlässe Wüschbach und Siechenbach sowie verschiedene Schotterarbeiten getätigt werden. Diese ernüchternde Ausgangslage teilte die Dampfbahn Bern kürzlich dem Verein Pro Dampfgleis Büren mit. «Durch die SBB wurde sehr klar und deutlich festgehalten, dass sie absolut keine Mittel in den Unterhalt der Anlagen zwischen Arch und Büren stecken werden», schreibt die Dampfbahn Bern. In Anbetracht der notwendigen Mittel von mehreren 100 000 Fr. sehe man sich nicht in der Lage, «mit den paar Fahrten jährlich diese wieder hereinzufahren.» Seitens der SBB konnte gestern niemand zu dieser Darstellung Stellung nehmen.

Ohne Dampflok nicht vorstellbar

«Für uns vom Dampftag bedeutet dies das Aus», erklärt OK-Präsident Franz Stotzer. «Denn ein Dampftag ohne Dampfloki ist für uns nicht vorstellbar.» Stotzer bezweifelt übrigens, dass die erwähnte Brücke in einem derart schlechten Zustand sei, dass sie nicht mehr befahren werden könne. Immerhin hätten die Dampffreunde für den wichtigsten Unterhalt der Strecke zwischen Arch und Büren gesorgt. «Das Problem liegt tiefer, nämlich dass heute niemand mehr irgendeine Verantwortung für nichts übernehmen will. Das ist ein gesellschaftliches Phänomen.»

Eigentlich hätte man bis Ende Jahr noch die Möglichkeit gehabt, die Strecke zu befahren. Erst dann werde der Vertrag zwischen den SBB und Dampfbahn Bern hinfällig. Doch Stotzer will nicht mehr. «Irgendwie ist so die Motivation weg», erklärt er. Denn mit einem Anlass ohne Zukunft gestalte sich auch die Sponsorensuche schwierig. «Zwar hat unser Hauptsponsor seine Teilnahme wieder zugesichert, trotzdem fehlt aber noch ein beträchtlicher Teil der finanziellen Mittel.» Dieses Risiko wolle man nicht eingehen.