Grenchen

Sicherheit für Fussgänger oder Velo? – ein zweiter Blick lohnt sich

Das neu erstellte «Inseli» wurde auf Kosten des Einspurstreifens erstellt.

Das neu erstellte «Inseli» wurde auf Kosten des Einspurstreifens erstellt.

Die Neugestaltung eines Fussgängerübergangs an der Bielstrasse in Grenchen sorgt bei Sicherheitsexperten für Kopfschütteln, macht aber auf den zweiten Blick durchaus Sinn und ist sogar berechtigt.

Kurz vor der Kantonsgrenze in Richtung Lengnau wurde in den vergangenen Tagen bei der letzten Kreuzung an der Bielstrasse ein neues «Inseli» erstellt. Oder genauer: Das bestehende, schmale Inselchen, welches bereits vorhanden war, wurde um rund 1,5 Meter verbreitert, die ganze Konstruktion um rund 10 Meter verlängert. Um das zu realisieren, wurde der Einspurstreifen nach links aufgehoben. Wie auf dem Bild rechts gut zu sehen ist, fräste man die frühere Strassenmarkierung weg.

Eine eher aussergewöhnliche Massnahme, sollte man meinen. Denn ausgerechnet dort befindet sich die Abzweigung der einzigen Querverbindung ins Ruffini, dem Quartier, das zwischen Bahngeleise und Bielstrasse liegt. Nicht nur, dass dort viele Familien mit Kindern in den Blöcken wohnen, die mit dem Fahrrad zur Schule fahren, auch sonst gibt es regen Verkehr in die Ruffinistrasse, die parallel zur Bahnlinie verläuft.

«Kinder, die mit dem Velo ins Ruffini abbiegen müssen, konnten bisher den Einspurstreifen benutzen und waren auf der sicheren Seite. Wenn sie jetzt abbiegen wollen, müssen sie das auf der einen engen Spur tun, halten den ganzen Verkehr auf und sind bedeutend gefährdeter als vorher», sagt Richard Aschberger, SVP-Gemeinderat und Präsident der SVP Grenchen.

Auch sein Parteikollege, der Verkehrssicherheitsexperte Marc Willemin, ist nicht sonderlich erfreut über die baulichen Massnahmen. Er fragte anlässlich der letzten Gemeinderatssitzung informell bei Stadtpräsident François Scheidegger nach, wer dafür verantwortlich sei und was man da unternehmen könne.

Neugestaltung dient Sicherheit

Die Bielstrasse ist Kantonsstrasse. Die baulichen Massnahmen wurden vom Kanton veranlasst und durchgeführt, dies im Rahmen der Überprüfung der Fussgängerstreifen auf Kantonsgebiet, erklärt Peter Heiniger, Vorsteher des Amtes für Verkehr und Tiefbau im Justizdepartement von Regierungsrat Roland Fürst. Denn jeder Fussgängerstreifen wird punkto Sicherheit genau angeschaut und wo nötig, werden Verbesserungen in die Wege geleitet.

Die Überprüfung passiert auf Geheiss des Kantonsrates, der dies letztes Jahr beschlossen und in Auftrag gegeben hatte. Zentral dabei ist der Aspekt der Sicherheit, wie Peter Portmann, Projektleiter bei der Abteilung Strassenbau und Verantwortlicher Abteilung Langsamverkehr, erklärt. Beim betreffenden Fussgängerstreifen sei die Sachlage eindeutig und einfach zu erklären: «Es ist nicht zulässig, einen Fussgängerstreifen über zwei gleichgerichtete Fahrspuren zu führen.» Also zwei Spuren, auf denen in dieselbe Richtung gefahren wird.

Denn da bestehe die Gefahr, dass zum Beispiel ein Auto auf dem Einspurstreifen stehen bleibe und die Sicht verdecke, daneben aber die Autos weiter durchfahren und so eine Gefahr für Fussgänger darstellen, die sich wegen des stehenden Fahrzeugs in Sicherheit wähnen. «Aus diesem Grund haben wir den Einspurstreifen dort aufgehoben und ein Provisorium errichtet. Auf der Gegenfahrbahn haben wir ihn belassen, weil es dort auch keinen Fussgängerstreifen gibt.»

Neue Radstreifen

Auf die Kritik, Velofahrer seien nun benachteiligt, sagt Portmann: «Im Gegenteil, wir haben die Sicherheit mit dieser Massnahme wesentlich erhöht. Im Bereich dieser Kreuzung gab es früher keine Velostreifen, weil man keinen Platz dafür hatte. Nun haben wir auf beiden Seiten einen durchgezogenen, im Bereich der Kreuzung sogar rot markierten Velostreifen.» Dazu komme, dass wegen des breiteren Inselchens der Raum für die Querung grösser geworden sei, sowohl für die Radfahrer, die dort warten müssen, wie auch für die Fussgänger, die die eine Hälfte der Strasse überquert haben und in der Mitte warten.

Man werde in Grenchen noch andere Fussgängerstreifen und Übergänge auf Kantonsstrassen prüfen und gegebenenfalls Massnahmen treffen, so Portmann. Beispielsweise soll auch der Reiterübergang an der Archstrasse genauer angeschaut und saniert werden.

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