Grenchen

Sicher unterwegs im Internet und auf der Strasse

Während 14 Tagen gab die Stadtpolizei an der Oberstufe Grenchen theoretischen und praktischen Anschauungsunterricht. Nicht nur die Sicherheit im Strassenverkehr, sondern auch jene auf der Datenautobahn, wurden thematisiert.

«Ich habe meinen Facebook-Account schon mal gelöscht, weil ich Freundschaftsanfragen von Fremden bekommen habe», erzählt ein Schüler während der Theoriestunde im oberen Stock des Gebäudes der Grenchner Busbetriebe BGU. Während 14 Tagen war hier jeweils morgens und nachmittags Unterricht für Klassen der Schulen Grenchens.

Rund 700 Oberstufenschülerinnen und -schüler wurden so von Beamten der Polizei Stadt Grenchen in einem theoretischen Teil über Gefahren im Internet und Cyber-Mobbing aufgeklärt. In einem praktischen Teil befassten sich die Jugendlichen mit Gefahren im Strassenverkehr, Bremsweg und totem Winkel.

«Gebt nicht alles preis in eurem Facebook-Account», beschwört Marc Hauser, der Fachverantwortliche des Jugenddienstes der Polizei Stadt Grenchen, die rund 20 Schülerinnen und Schüler. Er hat den Jugendlichen einen Film gezeigt, in dem Rotkäppchen eine Freundschaftsanfrage vom bösen Wolf annimmt, der sich hinter einer Maske versteckt. «Genauso ist es auch in Wirklichkeit: Rund 10 bis 20 Prozent aller Facebook-Accounts weltweit sind sogenannte Fake-Accounts, das heisst, die Personen dahinter sind nicht die, welche sie vorgeben zu sein.»

Auf die Frage, wer schon mal eine Freundschaftsanfrage von einer ihm unbekannten Person angenommen habe, heben fast Dreiviertel der Klasse die Hand. Hauser weist auf die Gefahren hin, die das mit sich bringt. «Nimmt man eine solche Anfrage an, öffnet man einem potenziellen Übeltäter Tür und Tor zu all den Informationen, die man ins Internet gestellt hat.» Er empfehle deshalb, ohnehin sparsam mit den Dingen umzugehen, die man in sein Profil schreibt.

«Vor ein paar Jahren war das noch kein Thema», meint Robert Gerber, der Kommandant der Stadtpolizei. Heutzutage, wo diejenigen Jugendlichen, die noch über kein Smartphone verfügen, in der absoluten Minderheit seien und fast jeder einen Facebook-Account habe, würden die Gefahren, die mit Internet und Social Media einhergehen, immer noch massiv unterschätzt. Auch Cyber-Mobbing, der Umgang mit Pornografie im Internet, sexuelle Übergriffe werden von Hauser angesprochen. Alle Jugendlichen erhalten zudem eine Broschüre, in welcher die wichtigsten Gefahren und Verhaltensregeln beschrieben sind.

Gurte können Leben retten

«Stellt euch vor, ihr fahrt mit dem Auto in die Ferien, Vater vorne, 80 Kilogramm schwer, ist nicht angeschnallt. Ihr habt mit 30 Stundenkilometer einen Unfall. Das Gewicht deines Vaters verzwanzigfacht sich. Er müsste also mit seinen Armen 1,6 Tonnen stemmen können, schlicht unmöglich. Seine Handgelenke, Arme, Schultern brechen, dann knallt er mit Brust und Kopf nach vorne. Dazu kommt euer 20-faches Gewicht von hinten, wenn ihr auch nicht angeschnallt seid. Er würde den Aufprall höchstwahrscheinlich nicht überleben.»

Marco Regolos Rechnung macht der kleinen Gruppe Jugendlicher im hinteren Teil der Montagehalle der BGU sichtlich Eindruck. Dass sich das eigene Gewicht schon bei geringen Geschwindigkeiten vervielfacht, können die Mädchen und Jungen anschliessend selber angegurtet auf einem Crash-Simulator erleben - bei Geschwindigkeiten von nur gerade 3,5 und 7,5 km/h tut manchen das Schlüsselbein schon weh vom Druck des Gurtes beim Aufprall.

Toter Winkel und Bremsweg

Eine andere Gruppe steht derweil bei einem Lastwagen etwas weiter vorne. Ein Polizist zeigt ihnen auf einer Tafel, wo der Lastwagenchauffeur sie sehen kann, wenn sie mit dem Fahrrad hinter, neben oder vor dem Fahrzeug stehen. Der Blick aus der Fahrerkabine verdeutlicht das Ganze und zeigt auf, dass es rund um einen Lastwagen mehrere dieser toten Winkel gibt.

Draussen quietschen Reifen. Michael Herzog, Verkehrsexperte bei der Stadtpolizei, brettert mit einem BMW um die Kurve, vorbei an drei mit Tüchern behängten Gittern. Hinter einem hat sich ein Schüler versteckt, der einen Gummiwürfel vor den Wagen wirft. Ein Raunen geht durch die Gruppe, denn der Wagen kommt erst etliche Meter weiter hinten zum Stillstand. Nicht auszudenken, der Gummiwürfel wäre ein Kind gewesen, das unvermittelt auf die Strasse rennt, es wäre wohl schwer verletzt worden.

Stefan Zybach, der den Posten leitet, hat den Jugendlichen vorher die Anhaltestrecke erklärt, die sich aus der Reaktionszeit und dem Bremsweg zusammensetzt. «Es ist verblüffend: durchs Band weg haben alle Jugendlichen diese Strecke gewaltig unterschätzt: Statt der 18 Meter, die es bei Tempo 30 bis zum Stillstand braucht, schätzen die meisten die Anhaltestrecke auf nur wenige Meter.»

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