Lehre

Seriösere Auswahl der Lernenden ist wichtig

Ruedi Spielmann und Reto Kohli wollen Win-win-Situation. (tru)

Seriösere Auswahl der Lernenden ist wichtig

Ruedi Spielmann und Reto Kohli wollen Win-win-Situation. (tru)

Damit ausbildende Firmen keine faulen Eier einstellen, müssen sie bei der Rekrutierung der Lehrlinge sorgfältig sein. Jetzt gibt es Hilfestellung.

Bei den Firmen läuft der Auswahlprozess für die Lehrstellen 2011. Gemeinsam haben der Gewerbeverband der Stadt Grenchen (GVG) und der Industrie- und Handelsverband Grenchen und Umgebung (IHVG) Empfehlungen zur Rekrutierung von Lernenden herausgegeben.

Der ehemalige Präsident des GVG, Ruedi Spielmann, und Reto Kohli, Präsident der Stiftung des IHVG, sind von deren Nutzen überzeugt. «Wir möchten, dass sensibler rekrutiert wird», betont Kohli. Seiner Meinung nach sind Grundwerte und Freizeitverhalten in steter Veränderung.

Für die Besetzung einer Lehrstelle müsse man sich unbedingt Zeit nehmen. Spielmann ergänzt, das innere Feuer bei Lernenden sei rarer geworden. Solche, die sich mit Leistung und Interesse einsetzten, sind aber gefragt.

Zusammenarbeit mit Klassenlehrer

In sieben Punkten haben die Verfasser ihre Empfehlungen zusammengefasst. Ein vollständiges Bewerbungsdossier mit Zeugnissen und Lebenslauf wird vorausgesetzt, und das persönliche Kennenlernen und ein Arbeitspraktikum sind unabdingbar. Die Zusammenarbeit mit dem Klassenlehrer wird empfohlen, er kann wichtige Referenzen erteilen. «Die Tipps stossen auf positives Echo», sagt Reto Kohli.

Die Stiftung des IHVG, der Kohli vorsteht, bezweckt die Förderung der Grund- und Weiterausbildung von Lernenden in Industriebetrieben. Ruedi Spielmann weist auf die einstige Mittelländische Berufsmesse Mibe hin. Hier wurde die Idee geboren, die Lehrbetriebe zur Thematik wieder aufzudatieren.

In Zusammenarbeit mit Roger Kurt, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung der Grenchner Schulen, und Max Kunz, Industrievertreter im IHVG, sind die Anregungen entstanden. «Ein Abschluss eines Lehrvertrags muss im gegenseitigen Vertrauen geschehen», weiss Spielmann aus eigener Erfahrung. Der Lehrbetrieb engagiert sich, das Mitziehen des Lernenden wird vorausgesetzt.

Die Gefahr, nachzulassen

Ein Abschluss eines Lehrvertrags soll nicht vor Oktober stattfinden. Ein zu früher Abschluss eines Lehrverhältnisses kann dazu führen, dass der Schüler in den letzten Monaten seiner Schulzeit abhängt. Aus diesem Grunde wird den Lehrbetrieben empfohlen, die Zeugnisse im Februar einzusehen und dem Abschlusszeugnis Beachtung zu schenken.

Der Sekundarlehrer Ulrich Zumstein kennt die Problematik. Schüler, die sich allzu sehr in Sicherheit wiegen, riskieren, in ihren Leistungen nachzulassen.

Er sieht das Risiko, so den Anschluss an die Berufsschule zu verpassen. Ähnlich äussert sich Rolf Glaus, Schulleiter der Bezirksschule. «Banken und Versicherungen rekrutieren bereits im August.» Dies könne bei einzelnen Schülern zu Motivationsproblemen führen. Andererseits gebe es auch viele Schüler, die mit viel Fleiss und Energie, dank dem Lehrvertrag in der Tasche, das Schuljahr beenden. Die Empfehlungen sollen die Auswahl verbessern und zu einer Win-win-Situation führen.

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