Die traditionelle Altersehrung wurde nach 68 Jahren umgestaltet, denn obwohl sich viele Senioren jeweils auf die Fahrt ins Blaue freuten, nahmen von den eingeladenen Seniorinnen und Senioren nicht einmal mehr ein Drittel daran teil.

Manche, weil sie nicht mehr gut zu Fuss oder sonst gesundheitlich beeinträchtigt sind, andere, weil sie das Reisen in so grossen Gruppen stressig fanden, und viele, weil sie abends nicht mehr gerne ausser Haus gehen. Die Begründungen waren vielseitig.

Nach eingehender Diskussion mit Altersorganisationen und weiteren Beteiligten kam man bei den Behörden zum Schluss, die Altersehrung habe eine Neugestaltung verdient: statt Busfahren ein Mittagessen mit einem bunten Nachmittag mit Kaffee und Kuchen im Parktheater. Dies an drei Nachmittagen: Heuer am 27. August, 10. September und 1. Oktober.

Geglückte Premiere

Bereits die Premiere letzten Dienstag war ein voller Erfolg. Von der Organisatorin Sandra Joye war zu erfahren, dass die Zahl der Anmeldungen die Erwartungen weit übertraf. Genaue Zahlen stehen allerdings noch aus, weil immer noch laufend Anmeldungen eintreffen, hauptsächlich für den 1. Oktober. Jedenfalls, so Sandra Joye, habe sich das Überdenken des Traditionsanlasses gelohnt.

Musikalische Unterhaltung mit den Schwyzerörgelifründe , Rolf Jetzler, Roland Walker und Veronika Gerber.

Musikalische Unterhaltung mit den Schwyzerörgelifründe , Rolf Jetzler, Roland Walker und Veronika Gerber.

Auch der Tenor der ersten Gäste war durchaus positiv. Altstadtschreiber Pierre Colombo sah in der Neugestaltung eine Aufwertung der Altersehrung. Exschweizermeister in Ringen, Paul Sperisen, fand die Ausflüge ins Blaue zwar interessant, doch das lange Busfahren habe so manchen und auch ihm nicht behagt. Emmi Mäder freute sich über einen gut ausgefüllten Tag.

Für Stadtpräsident Boris Banga ist die Altersehrung immer ein gefreuter Fixpunkt. «Wir sind überzeugt, dass dieser Anlass sicherlich in der neuen Form zu einer schönen Tradition wird», sagte der Stadtpräsident zu den vielen, gut gelaunten Gästen.

Aus aktuellem Anlass streifte er kurz die problematische Entwicklung bei der Sozialhilfe. «Weil die Sozialkosten explodieren, mussten wir notgedrungen einen Nachtragskredit von 840 000 Franken genehmigen», so Banga. Die Zahl der betreuten Personen und Familien habe um 15 Prozent zugenommen. Die Arbeitsbelastung in den Sozialdiensten steige.

«Die steigenden Kosten sind aber kein kommunales Problem, sondern ein kantonales.» Einen Sonderfall Grenchen gebe es nicht, sondern einen Sonderfall Jura-Südfuss. «Eine Fortschreibung des Bisherigen ist nicht mehr tolerierbar», sagte der Stadtpräsident, «denn immerhin ist jeder Franken, der in der direkten Sozialhilfe ausgegeben wird, ein Steuerfranken.»

Freiwilligenarbeit sei der Kitt unserer Gesellschaft, fuhr Banga fort. Solidarität werde in Zukunft nicht nur zwischen den Generationen, sondern innerhalb der älteren Generation gefragt sein. «Freiwilligenarbeit von älteren Menschen wird zur Normalität.» Zum Schluss wünschte der Stadtpräsident allen gute Gesundheit und Gelassenheit.

Nach dem Mittagessen gabs viel Unterhaltsames. Daniel Trummer las Geschichten von Franz Josef Probst und Fritz Aeberhard, während Orsani das Vorgehen von Trickdieben illustrierte. Das Stadtarchiv zeigte einen Film über Grenchen und orientierte über die neue Stadtschreibung 1945-2010.