Grenchen
Seit Monaten leer: Berner Investor kauft Michel-Areal

Ein Berner Investor plant im ehemaligen Industriebetrieb von Michel in Grenchen einen Gewerbepark.

Andreas Toggweiler
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Das Firmengebäude von Süden
15 Bilder
Rundgang durch die alte Fabrik Michel AG in Grenchen
Die Installationen sind teilweise modern, hier die Druckluftpumpen
Ehemalige Garderobe der Arbeiter
Hier stand einst eine Drehbank
Strom für Industriemaschinen
Mit der fabrik sind Schicksale verbunden
Lagerräume
Plan des Erdgeschosses
Leere Büros
Leerer Reinraum
Beschriftungen von einst
Was hier hergestellt wurde
Blick in die leere Fabrikhalle
Spedition

Das Firmengebäude von Süden

Andreas Toggweiler

Das grosse Firmengebäude der konkursiten einstigen Michel AG an der Maienstrasse steht seit einigen Monaten leer. Doch jetzt soll neues Leben in die Gemäuer der Fabrik einziehen.

Die Liegenschaft wurde vom Berner Immobilieninvestor Badertscher Liegenschaften AG von der Credit Suisse für einen nicht genannten Betrag gekauft. «Unser Ziel ist es, das Gebäude nach den Wünschen unserer künftigen Mieter herzurichten. Am Ende soll ein Gewerbepark mit einem guten Branchenmix entstehen», sagt Firmenchef Gerhard Badertscher, der schon einige Erfahrung mit der Entwicklung von Gewerbeparks in Bern und Lyss hat. Jetzt soll Grenchen dazukommen.

Erster Gewerbepark 1976

Sein Vater Ernst Badertscher hatte in Bern während der Hochkonjunktur eine erfolgreiche Firma im Bereich Heizung/Lüftung, Sanitär und Elektroinstallation aufgebaut. Bereits 1976 tat die Firma erstmals einen Schritt, den sie seither mehrfach erfolgreich wiederholte. Aus der Konkursmasse der ehemaligen Eisengiesserei Zent AG in Ostermundigen wurden die Firmengebäude gekauft und dort ein Gewerbe- und Industriezentrum mit inzwischen über 100 Firmen realisiert, das heute Badertschers Bruder gehört.

Von Tschudin zu ETA zu Michel

Gross war der Schock, als im November 2015 Knall auf Fall der Konkurs der Firma Michel Präzisionstechnik verkündet wurde. 82 Personen verloren ihre Stelle. Die einst stolze Firma gehörte in den Blütezeiten zu den Grossen der Grenchner Uhrenindustrie und ging wie vieles am Ende als ETA Werk 17 in der Swatch Group auf.

Das Industrie-Gebäude an der Maienstrasse wurde 1965/66 von der Firma Tschudin gebaut, die in den 90er-Jahren in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und in Konkurs ging. Ein Neustart gleich nebenan entwickelte sich erfolgreich und inzwischen wälzt man bereits wieder Neubaupläne.

Michel bzw. die Swatch Group zog vom repräsentativen Jugendstil-Fabrikbau beim Nordbahnhof in das ehemalige Tschudin-Gebäude ein. 2008 trennte sich jedoch die Swatch Group von der Firma, welche sich inzwischen als Zulieferer für die Automobilindustrie positioniert hatte. Zuletzt gehörte sie deutschen Investoren und war Teil der in Delsberg ansässigen Ferton Gruppe. Die Verwertung der Konkursaktiven ist demnächst abgeschlossen. Die gesamte Fabrikeinrichtung und das Mobiliar wurden versteigert und landete mehrheitlich im Ausland. Immerhin können die ausstehenden Lohnzahlungen dank dieser Verwertung dem Vernehmen nach gedeckt werden. (at.)

Die Haustechnik-Firma ging an den ältesten Sohn Gerhard Badertscher. Nach dem Vorbild des Vaters weitete auch er sein Portfolio aus. Er setzte vor allem auf die Geschäftsidee, nicht mehr genutzte Industrieliegenschaften auszubauen und als Gewerbeparks zu nutzen. Prominentes Beispiel ist die ehemalige Zyliss-Fabrik in Lyss. In Lyss gehören ihm auch das Gewerbezentrum Lysspark und das Selectron-Gebäude. In Biel hat man kürzlich ein Gebäude mit gemischter Nutzung selber gebaut. Dazu kommen weitere Gebäude in der Region Bern.

Bedürfnis vorhanden

Auf Grenchen sei er aufmerksam geworden, weil er vernommen habe, dass in der Stadt das Bedürfnis nach einem Gewerbepark bestehe, erklärt Baderscher. Die Stadt hat in der Tat schon einige Standorte für einen entsprechenden Neubau geprüft. Badertscher besitzt und vermietet auch schon Wohnungen in Grenchen, so an der Rebgasse.

«Das Michel-Gebäude bietet Flächen für verschiedene Nutzungen vom Lagerraum über Büros, Verkaufslokale, Handwerksbetriebe und Montage bis hin zu industrieller Produktion z. B. für einen Decolletage-Betrieb.»

Von den insgesamt rund 6900 Quadratmeter Fläche eignet sich gut ein Drittel für die industrielle Nutzung. Dafür sind entsprechende Installationen wie Starkstrom, Druckluft, Lüftungen, Kälteanlagen und Ölkreislauf vorhanden. Auch zwei Reinräume gehören dazu. «Ein Produktionsbetrieb findet hier beste Voraussetzungen», meint Badertscher.

Auch Aufstockung denkbar

In den Büro- und Lagerräumen sei eine Neuaufteilung kein Problem, auch verschiedene Zugänge, Treppenhäuser und Rampen sind vorhanden. Mit Eingriffen ins Gebäude will Badertscher zuwarten, bis kundenseitig klar sei, was gewünscht werde. «Hier ist sehr viel möglich, sogar auch weitere Aufstockungen.» Die Zone (Arbeitszone 1) erlaubt Bauten bis zu einer Gebäudehöhe von 20 Metern. Der heutige Kubus mit dem – vom Licht her idealen, aber energetisch eher problematischen – Sheddach könnte problemlos verdoppelt werden. Auch die Anzahl der Parkplätze lasse sich ohne grossen Aufwand erhöhen. Es bestehen zudem Baulandreserven von gut 2600 m2.

«Bald einen Ankermieter finden», bezeichnet Badertscher als wichtigstes Ziel. Es bestehe aber kein übermässiger Zeitdruck, da regelmässige Erträge andernorts fliessen. Er beabsichtige auch nicht, das Gebäude wieder zu verkaufen. «Wir sind an einer nachhaltigen Entwicklung interessiert, nicht am schnellen Geld», erklärt Immobilienentwickler Marc Laug, welcher seit längerem mit Badertscher zusammenarbeitet, ebenso wie «Hausarchitekt» Adrian Minder, welcher allfällige Umbauten begleiten wird.