Grenchen
Seit 95 Jahren ist das Orchester prägend für die Stadtkultur

Das Grenchner Stadtorchester darf am 14. Januar den Kulturpreis 2016 entgegen nehmen. Den Preis sieht es als Ansporn und Verpflichtung. Zudem hofft das Orchester auf Nachwuchs.

Nadine Schmid
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Mit dem Grenchner Kulturpreis ausgezeichnet: Das Stadtorchester

Mit dem Grenchner Kulturpreis ausgezeichnet: Das Stadtorchester

zvg

Der Kulturpreis 2016 geht an das Grenchner Stadtorchester: Seit mehr als 95 Jahren prägt und bereichert das Orchester die Kultur der Stadt, wie es unter anderem im Statement der Stadt heisst. Die Preisübergabe findet am 14. Januar im Girardsaal im Bachtelen statt.

Vereinspräsidentin Graziella Wohlhauser-Schnyder, Dirigent Daniel Polentarutti und die gesamte Formation fühlen sich geehrt. Den Preis empfinden sie als Ansporn und Verpflichtung weiterzumachen. «Mich hat es extrem gefreut und überrascht, denn meist bekommen Einzelpersonen diesen Preis», äusserte sich Polentarutti begeistert, der seit Dezember 2009 das Orchester dirigiert und von allen Mitgliedern hochgeschätzt wird. «Es zeigt uns, dass wir geschätzt werden. Dies stimmt positiv für die Zukunft.»

Stadtorchester-Grenchen-Vereinspräsidentin Graziella Wohlhauser-Schnyder und Dirigent Daniel Polentarutti freuen sich auf die Preisübergabe.

Stadtorchester-Grenchen-Vereinspräsidentin Graziella Wohlhauser-Schnyder und Dirigent Daniel Polentarutti freuen sich auf die Preisübergabe.

Nadine Schmid

Das Orchester habe ein sehr hohes Niveau an den Konzerten erreicht. Von den Solisten und dem Publikum gäbe es jeweils positive Rückmeldungen.

Spezielles Angebot machen

Das Stadtorchester ist sehr engagiert. In den zwei grösseren Konzerten im Jahr wird vor allem darauf gesetzt, Solisten aus der Region und der Schweiz anzustellen, die sich zumeist nicht nur national, sondern auch international einen Namen gemacht haben. Damit möchte man dem Publikum ein spezielles Angebot liefern. Dazu zählen unter anderem Alexandre Dubach, Dimitri Ashkenazy und Yves Sandoz.

Als die Wirtschaft Orchester unterstützte

Das Stadtorchester gibt es seit 95 Jahren. Bereits davor existierte eine lockere Gemeinschaft aus Vertretern der Uhrenindustrie, die gemeinsam Musik machten. Unter dem ersten Dirigenten aus Wien, der ganze vierzig Jahre dieses Amt ausführte, wurde vor allem Walzer gespielt, unter Nachfolger Wilhelm Steinbeck erhielt das Orchester seinen heutigen Namen und erlebte seine Blütezeit. In dieser Zeit wurde es vergrössert. Bereits damals wurde es durch Profis verstärkt, als Solisten konnten mehrere Berühmtheiten aufgeboten werden, darunter der Bratschist und Geiger Yehudi Menuhin. Tatkräftige Unterstützung erhielt das Orchester von der Stadt und den Wirtschaftskonzernen, namentlich in Grenchen von den Uhrenbaronen. «Einem Konzert beizuwohnen, gehörte damals zum guten Ton», erklärte Wohlhauser. «Es war ein gesellschaftliches Ereignis.» So verwundert nicht, dass die Uhrenkrise der Siebzigerjahre beim Stadtorchester nicht spurlos vorüberging. Im Folgenden besann man sich zum Amateurorchester zurück. Anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums kehrte Menuhin für ein Konzert zurück, dieses Mal als Dirigent. (nsg)

Tradition hat auch das musikalische Umrahmen eines Adventsgottesdienstes. Zudem wird eine Darbietung auf die Beine gestellt, die über das Klassik-Genre hinausgeht und sich an ein breiteres Publikum richtet. Dabei gibt es oft einen «Eyecatcher»: «Wir haben beispielsweise letzthin Tangos gespielt, während zwei Tänzer dazu getanzt haben», erklärte Wohlhauser. Meist findet eine solche Darbietung im Rahmen der Kulturnacht statt. Wohlhauser: «Diese Anlässe kommen sehr gut an und wir möchten diese nach Möglichkeit beibehalten.»

Das Stadtorchester bemüht sich ebenso um eine engere Zusammenarbeit mit der hiesigen Musikschule. Im Rahmen von deren hundertjährigem Jubiläum im Jahr 2014 wurde mehrmals gemeinsam musiziert, so beim erfolgreichen Generationenkonzert, bei dem mehrere Musikschüler mit dem ganzen Stadtorchester auf die Bühne traten.

Fehlender Nachwuchs

Überall müssen kulturelle Gemeinschaften heutzutage ums Überleben kämpfen. Dieses Phänomen hat beim Stadtorchester nicht Halt gemacht. Der fehlende Nachwuchs bereitet etwas Sorgen. Momentan sind 25 Mitglieder im Verein. «Das sind nicht so viele, aber es gab auch Zeiten, in denen im Grenchner Stadtorchester sogar unter zehn Musizierende dabei waren. Wie sich sehen lässt, ging es dann wieder aufwärts», so Polentarutti.

Er ist überzeugt, dass es in der nahen Umgebung Musizierende gibt, die beim Stadtorchester mitmachen könnten. «Vielleicht ist einfach der Respekt zu gross, einem Orchester beizutreten», vermutet er. Wer Interesse hat, kann ein paar Mal bei den wöchentlichen Proben am Dienstagabend reinschnuppern.

Die Konzerte, in denen Solisten mitwirken und die durch Profis verstärkt werden, sind nicht kostendeckend, man ist auf die öffentliche Hand angewiesen. Beiträge erhält das Orchester durch den Lotteriefonds, Stiftungen, die Stadt und die Gönner. Dennoch sind Wohlhauser und Polentarutti positiv gestimmt. Im Frühling wird als Solistin die Sopranistin Amelia Scicolone, auf der Bühne stehen, im Herbst mit dem berühmten Duo Calva zwei Cellisten.

Verleihung der Grenchner Kultur-, Anerkennungs- und Förderpreise: Donnerstag, 14. Januar, ab 19 Uhr im Bachtelen.