Bettlach
Sein Garten soll möglichst naturnah gedeihen

Bettlachs Gemeindepräsident Hans Kübli hat einen grünen Daumen. In seinem Garten wachsen nebst Polenbäumen, Tannen, Himbeeren, Obst- und Nussbäume, Gemüse und Berglinien.

Daniel Trummer
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Hans Küblis Garten
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Weit weg in der Natur wähnt man sich am selbst ausgehobenen Weiher.

Hans Küblis Garten

Daniel Trummer

Der Garten von Hans und Zofia Kübli aus Bettlach bietet mit 16 Aren viele Kontraste. Zwei Bäume, eine stämmige Linde und ein schlank gewachsener Nussbaum gehören dazu. Im unteren Teil, wo ehemals Kaninchen grasten und Hühner gackerten, ist ein verwachsener Teich mit wild wachsenden Blumen.

«Schade, die Wiese ist gemäht», bemerkt Hans Kübli, seines Zeichens Gemeindepräsident von Bettlach. Mitte Juli hat er sich mit der Sense an die Arbeit gemacht. Margeriten, Wegerich, Wiesensalbei und all die andern Blütenpflanzen werden sich vermehren und auch im kommenden Jahr wieder für eine Augenweide sorgen. Beim Hauseingang steht ein Polenbaum.

Er ist nicht der einzige auf dem Grundstück. Kübli nennt die Eberesche mit ihren scharlachroten und gelben Früchten nicht ohne Grund so. «Jarzebina» heisst auf Polnisch Eberesche, und «Jarzebina» nennt sich auch die originelle volkstümliche Gruppe, die mit ihrem Song an der Fussballeuropameisterschaft in Polen für Furore sorgte. Die Eberesche am Eingang hat Zofia, die aus Polen stammt, gepflanzt.

Nicht einfach nur Pflanzen

Für Hans Kübli sind viele Pflanzen im Garten mit Geschichten und Erinnerungen verbunden. Neben dem blühenden Oleander wachsen drei mannshohe Palmen in Töpfen. 1981 hat er sie im Tessin in einem Waldstück ausgegraben und nach Bettlach verpflanzt. Er spreizt Daumen und Mittelfinger um die Grösse der Setzlinge anzuzeigen. «Im Tessin wären sie wohl grösser», vermutet er und erwähnt das unterschiedliche Klima. «Bis vor Tagen war hier emsiges Treiben», so der 69-Jährige. Er zeigt auf die Holzbalken der gedeckten Terrasse, wo zwei Rotschwanz-Paare heuer bereits dreimal Jungvögel aufgezogen haben. Gegen die räuberischen Elstern hat er die Nester mit Karton und Plastik geschützt. Die hungrigen Schnäbel hat er fotografiert.

Fotografieren gehört zu einem seiner Hobbys. Auf dem Bauch liegend hat er vor kurzem den Blumenschmuck vor dem Gemeindehaus abgelichtet. Ärgerlich musste er zur Kenntnis nehmen, dass jemand die Blüten in der Nacht ausgebrochen und im naheliegenden Brunnen entsorgt hat. Kübli war bis zu seiner Pensionierung Lehrer in Bettlach. «Ich war begeisterter Schulmeister bis zum Schluss», denkt er zurück.

Am 23. November 1987 wurde seine jüngste Tochter geboren. Kübli kehrte damals müde vom Spital zurück. «Es läutete», erzählt er. Zwei Schüler seiner Klasse standen vor der Tür. Kübli hatte vergessen, dass sie sich freiwillig zum Tannenpflanzen eingefunden hatten. Die 50 Tännchen, die das Grundstück gegen Norden abgrenzten und den kalten Bergluft abzuhalten hatten, waren in Windeseile gesetzt. Die Nadelbäume sind gross geworden, haben sterweise Brennholz produziert und mussten gelichtet werden. Buchsbaum, den Kübli selber zieht und Lorbeer bilden jetzt eine neue Hecke.

Bettlacher durch und durch

«Der Garten soll möglichst naturnah gedeihen», erklärt Hans Kübli seine Philosophie und vergleicht ihn mit dem Leben und seinen Kontrasten. Himbeeren wuchern, neue Obstbäume sind gepflanzt, ein Gemüsegarten bringt einen kleinen Ertrag und in einem Versuchsbeet erprobt Kübli allerhand. Dort hatte er auch Nüsse vergraben. Sie gediehen prächtig, die kleinen Nussbäume dienten als Mitbringsel bei Besuchen bei Freunden.

«Sogar Berglilien wachsen», zeigt er sich erstaunt und betrachtet die Flora beim selbst ausgehobenen Weiher. 1985 wurde Kübli in den Gemeinderat gewählt und seit 1995 ist er Ammann von Bettlach. Auch bei der Analyse von politischen Prozessen und derer Hintergründe braucht er ein Bild aus der Natur. Sichtbar sind die Köpfe aber die Verflechtungen, und Beziehungen lernt man erst später kennen. Er vergleicht es mit dem Pilz. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden als Pilze nur die sichtbaren Fruchtkörper bezeichnet. Der eigentliche Pilz ist jedoch das feine, meist unsichtbare Geflecht aus Hyphen im Boden.

Kübli, der seit 1958 in Bettlach wohnt, ist Bettlacher durch und durch. Von seinem Haus und Garten geniesst er die Aussicht in den Bucheggberg und in die Alpen. In der letzten Ausgabe des Solothurner Staatskalenders machte er für seine Gemeinde Werbung und als Illustration hat er eine eindrückliche Fotografie mit Alpensicht veröffentlicht.