75 Jahre

Segelflug in Grenchen: Von den Gummiseilen zum Ecolight-Flieger

Mehrere hundert Kilometer weit fliegt die Segelfluggruppe Solothurn ab dem Flughafen Grenchen.

Mehrere hundert Kilometer weit fliegt die Segelfluggruppe Solothurn ab dem Flughafen Grenchen.

Die Segelfluggruppe Solothurn feiert dieses Jahr ihr 75-Jahr-Jubiläum gebührend mit Sommerlager und Vorträgen, welche einen Einblick in die Vereinsgeschichte geben. Während früher noch Männer das Segelflugzeug spickten, tut es heute ein Eco-Flugzeug

«Richtig Fliegen – so geräuschlos wie es die Vögel auch tun.» Dies macht für Markus Stuber, Präsident der Segelfluggruppe Solothurn, den Reiz an seinem Hobby aus. Seit 75 Jahren eifert die Segelfluggruppe dem Traum vom Fliegen nach. Mit dem zweiwöchigen Sommerlager, Vorträgen und Filmvorführungen feiert sie momentan ihr Jubiläum.

Gummiseil und grosse Manneskraft

Hoch hinaus ging es beim 1936 gegründeten Verein aber nicht von Anfang an, wie Filmvorführungen zum Jubiläum zeigen. Nur wenige Meter weit schafften es die Piloten mit dem «Gummiseilstart» im Flachland: Hinten halten Männer das Flugzeug, vorne rennen gegen 20 Helfer mit dem Gummiseil in der Hand vom Flugzeug weg und spannen dieses. Dann wird hinten losgelassen und schon spickt das Flugzeug vom Boden weg.

So startete ab 1936 auch die Solothurner Segelfluggruppe. Effektiver war diese Startmethode aus der Höhe – etwa vom Weissenstein aus. Später besass der Verein ein eigenes Automobil mit Seilwinde. 1952 verliess die Solothurner Segelfluggruppe den Flugplatz auf dem Solothurner «Stadtmist». Seither starten sie vom Flugplatz Grenchen aus. Heute sorgt ein umwelt- und lärmfreundliches Ecolight-Schleppflugzeug für den Start.

Rekord bei 1000 Kilometern

Mehrere Stunden und Hunderte Kilometer sind die Piloten in der Luft. Von Grenchen aus reichen die Touren über den Jura, bis in den Schwarzwald und bis über die Schwäbische Alp. Erfahrene Flieger kommen gut und gerne auf 600 bis 700 Kilometer lange Strecken.

Bei rund 1000 Kilometern ohne jegliche Hilfe oder Zwischenlandung liegt der Rekord in der Solothurner Segelfluggruppe. «Zehn bis zwölf Stunden ist man dann alleine oder maximal zu zweit unterwegs», sagt Markus Stuber. «Es ist kein Teamsport im eigentlichen Sinn. Deshalb ist das Vereinsleben besonders wichtig.» Rund 100 Mitglieder hat der Verein, etwa die Hälfte ist aktiv am Fliegen.

Um 9 Uhr morgens findet an Flugtagen das Briefing auf dem Flughafen statt. Irgendwann, wenn die Thermik da ist, wird das Segelflugzeug vom Schleppflugzeug angezogen. «Man muss die Rahmenbedingungen als Mensch einhalten», sagt Thomas Fessler, der sich um die Jubiläumsanlässe und Vereinsgeschichte kümmert. Die Route suchen, das Wetter einberechnen, die Thermik kennen: Piloten müssen sich genau vorbereiten. Entschädigt werden sie durch das Panorama aus der Luft.

Ab 15 Jahren darf man fliegen

An der Decke hängen zwei Oldtimer-Segelflugzeuge, unten steht das moderne Schleppflugzeug. In einem der ältesten Hangare des Flughafens ist das Vereinslokal der Segelfluggruppe Solothurn. Zwei Doppelsitzer-Schulungsflugzeuge, zwei Einsitzer und ein Hochleistungssegelflugzeug besitzt der Verein. Viele Mitglieder haben eigene Segelflugzeuge. Einen Teil des Unterhalts übernimmt der Verein selbst, andere Arbeiten führen Fachleute aus. Jährlich werden die Flugzeuge durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt geprüft.

«Der Zeitaufwand, um das Hobby aktiv und sicher zu betreiben, ist gross», erklärt Stuber. Ab 15 Jahren kann man mit den Kursen beginnen. Fünf ehrenamtliche Fluglehrer hat der Verein. An Nachwuchs fehlt es momentan nicht. Einzig in der Alterssparte zwischen 35 und 45 Jahren gebe es eine Lücke, sagt Stuber. Mit 3000 Franken pro Jahr müssen Interessierte rechnen.«Es ist nicht teurer als andere aktive Sportarten wie etwa das Reiten», sagt Stuber.

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