In einem mehrstöckigen Gebäude an der Grenchner Mazzinistrasse ist offenbar die grösste unabhängige Scientology-Organisation in Westeuropa beheimatet, die Ron's Org. Das schreibt zumindest das Scientologen-Infoportal scientolipedia.org. Und es scheint dem Scientology-Abspalter, zumindest von aussen, nicht schlecht zu gehen. Neben einem 2013 gebauten Mehrfamilienhaus wurde kürzlich ein weiteres hochgezogen.

Die rege Bautätigkeit hat nun das Solothurner Verwaltungsgericht vor eine nicht ganz einfache Frage gestellt. Die Richter mussten entscheiden: Was ist ein Verein und was ist eine Firma? Denn die Grenchner wollten einen Verein im Handelsregister eintragen, der es zum Ziel hat, dem Grenchner Scientology-Ableger günstige Gewerberäume zur Verfügung zu stellen. «Wir haben Grundstücke zum Bauen», sagt Max Hauri, der den heutigen Grenchner Ableger in den 1980er-Jahren gegründet hat und 2013 das jetzige Domizil bauen liess. Doch die Eintragung im Handelsregister wurde ihm nicht erlaubt, wie nun aus dem Gerichtsurteil hervorgeht. Gericht und Handelsregisteramt konnten in diesem Fall weniger ideelle Ziele denn wirtschaftliche Interessen erkennen.

Die Scientologen selbst fanden einen Verein durchaus adäquat und sahen ideelle Zwecke erfüllt. Schliesslich würde der Verein mit günstigen Räumen die philosophisch-religiöse Gemeinschaft wohltätig unterstützen.

Ausschlaggebend für das «Njet» des Handelsregisteramtes waren aber offenbar auch die finanziellen Interessen der Beteiligten. Denn die Ron`s Org ist auch ein Kursanbieter, dem es offenbar nicht allzu schlecht geht: In Grenchen sind laut dem Portal scientolipedia.org sieben Personen vollzeit beschäftigt, darunter mehrere Mitglieder der Familie Hauri. «Wir sind zufrieden», sagt Gründer Max Hauri.

Angeboten werden in Grenchen Nachhilfeunterricht für 40 Franken die Stunde, Kommunikationskurse für 300 Franken oder ein Lebensrepaturprogramm für 1500 Franken. Wenn der Unterstützungsverein die Räume günstiger zur Verfügung stellen würde, würden die Kursanbieter – offenbar auch Personen, die im geplanten Unterstützerverein sitzen – wirtschaftlich profitieren, verneinte das Handelsregisteramt den ideellen Zweck des Vereins. «Ein Verein, der die unmittelbare wirtschaftliche Besserstellung seiner Mitglieder bezwecke», sei unzulässig, hielt auch das Verwaltungsgericht fest.

«Ron's Org ist ein Netzwerk von ehemaligen Scientology-Anhängern, welche aber das Weltbild und die Lehren des Gründers L. Ron Hubbard 1:1 übernommen haben», sagte der Zürcher Sektenexperte Georg Otto Schmid einst gegenüber dieser Zeitung. «Sie bieten auch dieselben Therapien an, einfach auf eigene Rechnung und meist günstiger.»

«Ohne Druck» auf die Mitglieder

Laut der Internetseite von Ron's Org hat sich Gründer Max Hauri 1983 von den Scientologen distanziert. «Das Schlechte hat mich meine Mitarbeit und Mitgliedschaft bei der Scientology-Kirche quittieren lassen. Das Gute motivierte mich, Scientology ausserhalb der Kirche weiterzuverbreiten», schreibt er auf der Homepage. Im Gegensatz zu den Scientologen arbeite die Grenchner Gemeinschaft «ohne Druck». Jeder solle für sich selbst herausfinden, «was für ihn wahr ist». Es gebe keine «autoritäre Lehre, die buchstabengetreu geglaubt werden muss». Man wolle weder Macht über die Mitglieder erlangen noch möglichst viel Geld aus ihnen herausholen.

Man suche nun eine andere Lösung betreffend der Bauten, sagt Max Hauri. Ans Bundesgericht will man den Solothurner Gerichtsentscheid nicht weiterziehen. «Wir wollen keinen Streit», so Hauri. Kritik am Urteil äussert er nicht, weist aber doch darauf hin, dass der Weltfussballverband Fifa in der Schweiz als Verein eingetragen sei. Dass dies trotz Milliardenumsatz möglich sei, erstaunt ihn doch ein wenig.