Ron’s Org

Scientologen-Gruppe will in Grenchen die «wahre Lehre» praktizieren

Das Gebäude von Ron’s Org an der Mazzinistrasse 7.

Das Gebäude von Ron’s Org an der Mazzinistrasse 7.

Abtrünnige Jünger von L. Ron Hubbard sind neu an der Mazzinistrasse aktiv. Die «Ron's Org» versteht sich als Abspaltung der traditionellen Lehre. Sie vertritt jedoch die gleichen Ansichten wie die Scientology-Sekte.

Die nach eigenen Angaben grösste Schweizer Gruppe von dissidenten Hubbard-Jüngern ist seit kurzem in Grenchen aktiv. «Seit über 25 Jahren liefert Ron’s Org Grenchen erfolgreich original Scientology gemäss Standard Tech von L. Ron Hubbard unabhängig von der Scientology-Kirche», heisst es auf der Homepage von «Ron’s Org Grenchen – Freie Scientology Schweiz».

Das stimmt nur zum Teil. Max Hauri und sein «Beratungsunternehmen» ist erst vor ein paar Monaten in das mehrstöckige Haus an die Mazzinistrasse eingezogen, in eine neue Liegenschaft, die er selber gebaut hat.

Von Bern zugezogen

Hauri und seine Entourage sind aber von Bern zugezogen. Sie leben davon, dass sie ihren Kunden die Botschaft von L. Ron Hubbard vermitteln, und zwar in der Originalform (vgl. Kasten), nicht in der verstümmelten Version, wie sie heute in der Scientology-Sekte laut Ansicht von Ron’s Org gelehrt wird. Schon der Name der Bewegung sagt dies aus. Sie sind die wahren Scientologen.

Hauri (54) hat in der Scientology-Kirche allerlei Ausbildungsgrade erreicht, die er in seinem Curriculum aufführt: NED-Auditor, Klasse IV, und HRD, HGC-Auditor und Qual Sec. Alles Begriffe, die nur Eingeweihten wirklich etwas sagen. «Ich habe fast alle Kurse und alle höheren Stufen gemacht», rühmt sich der «Excalibur-Auditor mit CS-Ausbildung».

Dieselben Inhalte

Somit ist er bestimmt bereit, Menschen mit Problemen auf einen rechten Lebensweg zu leiten – gegen Bezahlung notabene. Seit 1990 macht er das hauptamtlich zusammen mit seiner Frau und bezeichnet sich als Chairman. Denn inzwischen sei Rons’s Org Grenchen mit seinen sechs Mitarbeitenden (sie wohnen alle an der Mazzinistrasse 7) gar die «grösste unabhängige Organisation in West-Europa».

«Ron’ s Org ist ein Netzwerk von ehemaligen Scientology-Anhängern, welche aber das Weltbild und die Lehren des Gründers L. Ron Hubbard 1:1 übernommen haben», sagt der Zürcher Sektenexperte Georg Otto Schmid. «Sie bieten auch dieselben Therapien an, einfach auf eigene Rechnung und meist günstiger.»

Der zentralistische Aufbau und das umstrittene Auftreten der Scientology gehe den Anhängern von Ron’s Org hingegen ab. «Es handelt sich um ein eher loses Netzwerk freischaffender ehemaliger Scientologen, die kommen und gehen», so Schmid. Von unzufriedenen Kunden wie bei Scientology hört man bei Ron’s Org seltener. Schmid ist nur ein Fall aus Deutschland bekannt.

Vorsitzender des Netzwerkes

In der Schweiz gibt es zwei Standorte: In Grenchen und in Möriken im Aargau. Die Bewegung ist vor allem in Deutschland aktiv, wo im letzten Jahr der ehemalige Geheimdienstchef der Scientology-Kirche mit Interviews hohe Wellen geworfen hat, mit deutlichen Angriffen auf die Sektenleitung in den USA.

Hauri ist laut eigenen Angaben Vorsitzender des Ron’s Org Committee (ROC), einem Netzwerk von 2000 unabhängigen Scientologen. Auch er hat mit der «Kirche» 1983 gebrochen. «Das Schlechte hat mich meine Mitarbeit und Mitgliedschaft bei der Scientology-Kirche quittieren lassen. Das Gute motivierte mich, Scientology ausserhalb der Kirche weiterzuverbreiten.» Nach und nach habe man «Kommunikationslinien» in alle Welt etabliert und heute zähle man «Menschen in vielen Teilen der Welt, ganz im Speziellen auch in den früheren Ostblockländern zu unseren Freunden.»

Hauri äussert auch Verständnis für bisher orthodoxe Scientologen, die aussteigen wollen und Repressionen befürchten. «Gerne könnt Ihr daher einfach anstatt eures wirklichen Namens einen «Künstlernamen» nennen, ermutigt er solche Kreise, mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Seine Preise sind transparent und – rund. Es beginnt mit einer «Lebensreparatur» für 135 Franken pro Stunde über einen Reinigungs-Rundown (ohne Vitamine und Sauna) für 1000 Franken bis zum Packetpreis (sic) «Clear Hut, Solokurs, Operierender Thetan I bis Operierender Thetan III» für 7000 Franken.

Da gibt es aber auch den «professionellen Kursüberwacher-Kurs» für günstige 3000 Franken und wöchentliches Training für 500 Franken (per Woche). Den SHSBC hingegen gibt es nicht unter 20 000 Franken. Da weiss man, was man hat. Oder, wem auch dieser Begriff nichts sagt, zumindest, was man nachher nicht mehr hat. Die Kursmaterialien sind im Preis nicht inbegriffen.

Übrigens: Wer selber andere ausbildet, bekommt auf die meisten Kurse 50 Prozent Rabatt. Jede Ähnlichkeit mit einem Schneeball-Vertriebssystem wäre wohl unbeabsichtigt, rein zufällig und sicher ungewollt . . .

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