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Schweizermeister im Plattenlegen geht an die WM in Leipzig

Schweizer Meister Thomas Siegenthaler will im Juli der beste Plattenleger der Welt werden. Um gegen die Konkurrenz zu bestehen, braucht es Übung. Deshalb trainiert er an der Lysspo. Christian Pfander

Schweizer Meister Thomas Siegenthaler will im Juli der beste Plattenleger der Welt werden. Um gegen die Konkurrenz zu bestehen, braucht es Übung. Deshalb trainiert er an der Lysspo. Christian Pfander

Wer dieses Wochenende einem Schweizer Meister beim Arbeiten zuschauen will, kann das an der diesjährigen Lysspo tun. Der Schweizer Meister im Plattenlegen Thomas Siegenthaler trainiert hier für die Weltmeisterschaft in Leipzig.

Fischknusperli, Weisswein und Festbänke: Im Verpflegungsbereich der Lysspo ist die Stimmung gemütlich. An diesem Abend hat in der ganzen Halle nur einer noch nicht Feierabend: Der Plattenleger Thomas Siegenthaler kniet an einer Mauer und steht unter Zeitdruck. Reihe für Reihe setzt er Fliesen zu einem Bild zusammen. In 22 Stunden muss er mit seiner Arbeit fertig sein. Allmählich entsteht vor ihm das Brandenburger Tor. Der 22-Jährige beherrscht jeden Handgriff, Routine hat der Handwerker genug. Seit Januar übt er genau dieses Sujet – nicht, weil er besonders architekturbegeistert ist, sondern weil er Weltmeister werden will.

Trainer vom Verband

Siegenthaler ist Schweizer Meister der Plattenleger und darf diesen Juli an der Weltmeisterschaft der Berufe in Leipzig teilnehmen. Um auf die sogenannten Worldskills optimal vorbereitet zu sein, überlassen der Plattenlegerverband und die Stiftung Swissskills nichts dem Zufall. Eine Woche pro Monat geht der junge Handwerker ins Training. «Ich habe zwei Coaches und eine Mentaltrainerin», sagt er. Sein Chef ist in dieser Zeit alleine im Betrieb. «Wenn Thomas weg ist, fehlt die Hälfte meiner Firma», sagt Eric Senn, Thomas Siegenthalers Arbeitgeber.

Zwei Wochen nachdem der junge Handwerker in Senns Betrieb angefangen hat, wurde er Schweizer Meister. Seitdem ist in der Senn Keramik GmbH aus Sutz einiges anders. «Es gibt Kunden, die explizit nach dem Schweizer Meister verlangen», sagt Eric Senn. Der 29-Jährige unterstützt seinen Angestellten bei der WM-Vorbereitung und wirbt im Gegenzug mit dem Schweizer Meister für seinen Betrieb. «Es ist ein Geben und Nehmen», sagt Senn.

Chinesen sind ehrgeizig

Thema der diesjährigen Lysspo ist das duale Bildungssystem der Schweiz. Ein Erfolgsmodell, wie Alt-Nationalrat Albert Rychen in seiner Eröffnungsrede der Lysspo am Donnerstag betonte. Auch der junge Plattenleger Thomas Siegenthaler ist stolz auf seinen Beruf und freut sich darauf, die Schweiz an der WM vertreten zu dürfen: «Schweizer Handwerker haben weltweit einen guten Ruf», ist er überzeugt.

Die Konkurrenz schläft aber nicht, gerade Berufsleute aus Fernost seien sehr ehrgeizig. Der diesjährige WM-Vertreter aus China sei aus 12000 Bewerbern ausgewählt worden. Ein Jahr lang habe sein Konkurrent nur am Wettbewerbsobjekt geübt. «Wenn der Chinese gewinnt, wird er von der Regierung wohl befördert und muss vermutlich auch nicht mehr als Handwerker arbeiten gehen», sagt Siegenthaler und lacht. Eine Vorstellung, die auch Siegenthalers Chef Eric Senn grinsen lässt.

Kaum Zeit für anderes

Das Brandenburger Tor nimmt langsam Gestalt an, interessiert beobachten Messebesucher den Plattenleger bei seiner Arbeit. Ab und zu lässt sich Siegenthaler zu einem kurzen Schwatz verleiten. «Momentan brauche ich noch viel zu lange», sagt er. An der Lysspo, mit ihren 5760 Quadratmetern Fläche, begegnen ihm einfach zu viele bekannte Gesichter.

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