Das Grenchner Publikum kam am Freitag in den Genuss einer traditionellen Inszenierung, die sich streng an die ursprüngliche Choreografie von Lew Iwanow und Marius Pepita hielt. Zur klassischen Inszenierung gehörte auch das einfache Bühnenbild mit Seitenvorhängen und einem gemalten Hintergrund, die etwas gewöhnungsbedürftigen Kostüme im ersten und dritten Akt und die Verbeugung und das Einholen des Applauses nach jeder Tanznummer, wie dies früher üblich war.

Sehr reizvoll war die Beteiligung der Ballettschule Bernard aus Grenchen, deren Elevinnen dem russischen Nationalballett nicht bloss als Bühnendekoration dienten, sondern – wenn auch meist nur im Hintergrund – zeigen konnten, dass sie in Grazie und Können den Tänzerinnen aus Russland kaum nachstehen.

Die verzauberte Prinzessin

Zur Geschichte: Prinz Siegfried, getanzt von Aleksandr Volkov, soll verheiratet werden.An einem rauschenden Fest werden ihm die möglichen Kandidatinnen präsentiert. Doch der Prinz begibt sich lieber auf die Jagd und begegnet dort der Schwanenprinzessin Odette (Yaroslava Volkova). Diese ist vom Zauberer Rotbart, getanzt von Andrey Subbotin, mit einem Bann belegt worden, der nur aufgehoben werden kann, wenn ihr jemand ewige Liebe und Treue schwört. Siegfried tut dies, wird jedoch von Rotbart getäuscht, der ihm am nächsten Tag beim Ball Odile, das «böse» Gegenstück von Odette vorstellt. Siegfried schwört dieser seine Treue und erkennt die Täuschung zu spät.

Zurück am See bittet er Odette um Verzeihung und gewinnt einen Kampf gegen den bösen Zauberer. In manchen Inszenierungen stirbt jetzt entweder Odette, Siegfried oder sogar beide. In Grenchen entschied man sich für ein Happy End: Mit dem Tod von Rotbart ist der Bann gebrochen und Odette befreit, der Liebe steht nichts mehr im Weg.

Überzeugende Primaballerina

Besonders zu überzeugen vermochte Yaroslava Volkova, welche die Doppelrolle der Odette und der Odile mit viel Grazie und Leichtigkeit auf die Bühne brachte. Ihre 32 Fouettés im 3. Akt – eines der technisch anspruchsvollsten Merkmale des Schwanensees – wurden vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus verdankt. Die Primaballerina beeindruckte mit von hoher Schule zeugender Tanzkunst. Auch Dmitry Abramov in der Rolle des Hofnarren vermochte mit seinen hohen Sprüngen und perfekten Pirouetten das Publikum zu begeistern. Etwas weniger überzeugend war Aleksandr Volkov, der technisch zwar einwandfreie Sprünge zeigte, schauspielerisch nahm man ihm die Zerrissenheit und Empörung über den Betrug aber nicht ab.

Das Corps de Ballett zeigte in den grossen Nummern viel Leichtigkeit und äusserste Präzision. Versiert tanzte das Ensemble die berühmten Tanzszenen der kleinen und grossen Schwäne, die Nationaltänze bei der Brautschau waren technisch perfekt und die Elevinnen der Ballettschule Bernard wurden geschickt eingebaut.

Technische Probleme

Leider hatten die Profis auf der Bühne mit technischen Problemen zu kämpfen. Die Musik ab CD fiel des Öfteren aus, vom zweiten Akt fielen rund zehn Minuten diesen Pannen zum Opfer und auch im letzten Akt im berühmten Ballet blanc wurden die Tänzerinnen und Tänzer erneut gefordert. Eigentlich schade, dass ein dermassen professionelles Tanzensemble sich nicht entsprechend absichert.

Nichtsdestotrotz waren die Besucherinnen und Besucher im nicht ganz ausverkauften Parktheater – unter ihnen auch Regierungsrat Remo Ankli und Stadtpräsident François Scheidegger – sehr angetan vom Dargebotenen und belohnten die Tänzerinnen und Tänzer mit grossem Applaus.