Je 20 Zimmer, 10 Luxussuiten, eine grosse Anzahl Schlafkojen und die Möglichkeit, sich selber eine Unterkunft zu bauen - eine Premiere für die Region Grenchen und Solothurn.

Doch das Angebot richtet sich in erster Linie nicht an Dauergäste, sondern an saisonale Aufenthalter, nämlich Mehlschwalben, Mauersegler und Fledermäuse. Diese Tierarten hätten in unserer Gegend immer weniger die Möglichkeit, ihrem Brutgeschäft nachzugehen, weil im heutigen urbanen Lebensraum immer mehr ihrer Nistplätze verloren gehen.

Reto Gardi vom Vogel- und Naturschutz Grenchen VNSG erklärte den Anwesenden anlässlich der Eröffnung die Problematik: Werden Gebäude saniert, steht in erster Linie die Isolation im Vordergrund. Dabei werden sämtliche Ritzen, Spalten und Hohlräume unter Dachvorsprüngen, die für die Tiere als Nistplatz geeignet wären, verschlossen und aufgefüllt.

Bei neuen Gebäuden fehlen die Nistmöglichkeiten oft ganz, zudem sind die Fassaden oft so verkleidet, dass Nester nicht mehr daran haften. Aus diesen Gründen sind Mauersegler, Schwalben und Fledermäuse in der Schweiz potenziell gefährdet. Auch in Grenchen wurde in den letzten Jahren ein rückläufiger Bestand festgestellt. Mit den beiden Hotels will der VNSG einerseits Nistmöglichkeiten schaffen, andererseits aber auch Hausbesitzer und Behörden für die Thematik sensibilisieren.

Insektenfresser im grossen Stil

Ein Mauersegler frisst bis zu 10 000 Mücken pro Tag. Und er legt auf der Nahrungssuche unvorstellbar weite Strecken zurück, erklärte Gardi. Speziell für diese Vögel wurden im Obergeschoss der Hotels Schlupflöcher mit Nisthöhlen montiert. Sie sind nur während der Brutzeit im Hotel anzutreffen, denn ausserhalb dieser Zeit halten sie sich über Monate ohne Unterbruch in der Luft auf.

Im ersten Stock des Baus sind 20 Kunstnester für Mehlschwalben angebracht. Es ist aber auch Platz für Schwalben verfügbar, die selber ein Nest bauen wollen. Baumaterial für die Nester ist feuchter Lehm, den die Schwalben aus Pfützen oder an Ufern von Gewässern holen. Der Standort der Hotels sei von daher sorgfältig ausgewählt worden.

Fledermäuse leiden unter denselben Problemen bei der Suche nach Schlafplätzen. Sie finden in einer Art Vorbau unter dem First Platz.

Die Idee stammt von Stadtschreiberin Luzia Meister, die ähnliche Schwalbenhotels aus ihrer Heimat kennt. Sie war an den VNSG herangetreten, ob das nicht etwas für Grenchen wäre. Dank der Unterstützung der DäderSchild-Stiftung Grenchen mit dem Betrag von 10 000 Franken konnte das Projekt in kurzer Zeit realisiert werden.

Nun hoffen die Initianten darauf, dass die ersten Hotelgäste bald einziehen, und Stadtpräsident Boris Banga wies darauf hin, dass eine Gesellschaft nur so stark sei, wie ihr schwächstes Mitglied und machte seine Freude über das gelungene Projekt deutlich.