Kinderfreundliche Gemeinde
Schulkinder erzählen, was sie sich für Grenchen wünschen

Grenchen soll als zweite Solothurner Gemeinde das Label «Kinderfreundliche Gemeinde» der UNO-Organisation Unicef erhalten. Um zu erfahren, was Kinder überhaupt wollen, wurden in letzten Wochen sechs Schulklassen nach ihren Bedürfnissen befragt.

Andreas Toggweiler
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Cornelia Steuri, links, und Hanna Sägesser befragen die Kinder
11 Bilder
Grenchen soll zur kinderfreundlichen Gemeinde werden.
Lehrer Rolf Burri, links und Zeno Steuri vom KinderKraftwerk
Basteln, was man gerne in Grenchen hätte
Basteln macht Spass
Ein Lift für behinderte Schüler wäre toll
oder eine Kartbahn
oder ein Alien
Rolf Burri freut sich an den Bstelarbeiten
Sabrina zeigt ihren Schulweg
Ein grosses Luftbild von Grenchen

Cornelia Steuri, links, und Hanna Sägesser befragen die Kinder

AT

«Welche Farbe kommt Euch in den Sinn, wenn Ihr an Grenchen denkt?», fragt Cornelia Steuri die Gruppe von Kindern, die im Vorraum eines Schulzimmers im Haldenschulhaus auf dem Boden sitzen. Vor sich auf dem Boden finden sie einige Fotos aus der Stadt und einen Stapel farbiger karten, nach denen die Kinder jetzt greifen. Zwei grüne Karten schnellen in die Höhe, zwei graue und eine gelbe.

«Ich bin mit der Heli West einmal über die Stadt geflogen und habe aus der Luft gesehen, dass hier eigentlich ganz vieles grün ist», begründet Xenia ihren Entscheid. Cyril pflichtet ihr bei: «Auch vom Grenchenberg aus sieht vieles grün aus.»

Madeleine und Jan strecken hingegen eine graue Karte in die Höhe. «Wir finden, dass hier vieles aus Stein oder Beton ist.» Wenn man ans Haldenschulhaus denkt, haben sicher auch sie recht. Es kommt immer etwas auf die Perspektive an. Ilhan hat als einziger eine gelbe Karte aufgestreckt. «Mir ist eingefallen, dass Grenchen früher ein Bauerdorf war. Da hat man Mais und Korn angepflanzt, das gelb ist.»

Auf dem Weg zum Unicef-Label

Die letzten zwei Wochen haben Fachleute vom Kompetenzzentrum Kind, Jugend und Familie KJF/»Kinderkraftwerk» verschiedene Schulhäuser in Grenchen besucht und sechs Schulkassen mit 160 Kindern und Jugendlichen altersgerecht nach ihren Bedürfnissen befragt. Die von der Stiftung Jugendsozialwerk des Blauen Kreuzes getragene Organisation hat viel Erfahrung mit partizipativer Kinderarbeit.

Label: Die Politik hat das letzte Wort

Unter anderem um auf dem Weg zum Unicef-Label einen Schritt voranzukommen, hat die Gemeinderatskommission entschieden, eine Bedürfnisumfrage bei Kindern und Jugendlichen durchzuführen, um zu erfahren, wie wohl sie sich in Grenchen fühlen, welche Wünsche sie haben und welche Änderungs- und Verbesserungsmöglichkeiten sie sehen. Dafür wurde 2012 ein Kredit von 30 000 Fr. gesprochen. 10 000 Fr. davon konnten aus der Bettagskollekte des Kantons gedeckt werden.

Vom 28. April bis am 9. Mai wurden nun in insgesamt sechs Klassen halbtägige Workshops zu den drei Themenbereichen Schulweg, Freizeit und Stadtentwicklung in Klassenzimmern und im Lindenhaus durchgeführt. Ebenfalls sind Kinder verschiedener Primarschulklassen in Gruppen gemeinsam mit Fachleuten durch ihr Wohnquartier gegangen und konnten so vor Ort ihre Erfahrungen und Wünsche einbringen. «Nach Vorliegen der Auswertung der Bedarfserhebung wird die Stadtkanzlei zusammen mit der Unicef einen Massnahmenplan Handen der Behörde ausarbeiten, der sowohl über die Bedürfnisse wie auch die Realisierung von konkreten Massnahmen Auskunft geben wird», sagt Anne-Cathrine Schneeberger, stellvertretende Stadtschreiberin.

Welche Massnahmen umgesetzt werden, sei aber eine politische Entscheidung und werde wohl von den Kosten abhängen. Allein die Erlangung des Labels wird weitere 15 000 Fr. beanspruchen. Eine Bestandesaufnahme mit Unicef hat gezeigt, dass Grenchen in einigen Bereichen bereits Kriterien für das Unicef-Label erfüllt. Defizite bestehen noch bei der Partizipation der Jugend (z. B. Jugendparlament.) (at.)

Am Ende geht es darum, dass Grenchen als zweite Gemeinde des Kantons Solothurn das Label «Kinderfreundliche Gemeinde» der UNO-Organisation Unicef erwerben kann. Dafür müssen allerdings einige Bedingungen erfüllt sein. Und insbesondere muss die Sicht der Kinder berücksichtigt werden (vgl. Kasten). Laupersdorf hatte als erste Solothurner Gemeinde das Label erhalten und als zweite in der Schweiz nach Wauwil LU im 2009.

Die Bedingungen haben durchaus ihre Vorstellungen, wie der Augenschein in der 4. Klasse bei Klassenlehrer Rolf Burri zeigt. Während ein Teil der Klasse eine Wunschliste ausfüllt oder eben zeigt, welche Farben sie mit der Stadt verbinden, können andere Projekte am Basteltisch entwerfen: eine Go-Kart-Bahn - natürlich mit Schallschutzwand aus Glas, einen Reitplatz oder einen Fussballplatz basteln sich die Kinder beispielsweise.

Beim Vorstellen der Projekte zeigt sich anhand des Applauses bald, ob sie bei den anderen Kindern auch ankommen. Auch an die Schulwegsicherung haben die Kinder gedacht. Mehr Fussgängerstreifen, eine Fussgängerbrücke über eine gefährliche Strasse oder ein Lift für Behinderte Mitschüler im «Halden» stossen auf wohlwollende Zustimmung.

Tücken des Schulwegs

Auf einem grossen Stadtplan ist eiungezeichnet, wo die Kinder der Klasse wohnen und wo ihr Schulweg durchführt. Die Schülerinnen und Schüler haben selber festgestellt, dass es gefährlich sein kann, wenn sie mit ihrem Trotti die Dählenstrasse hinabsausen.

Für die Kinder aus dem Lingeriz, und das sind einige in dieser Klasse, ist die Abkürzung durch den Friedhof oder das Bachtelen-Areal tabu. Doch wenn man (legale) Schleichwege kennt, ist man trotzdem innert nützlicher Frist am Ziel. Denn mit den genannten Ausnahmen werden den Kindern keine Vorschriften bezüglich des einzuschlagenden Schulwegs gemacht.

«Es ist erfreulich, dass die meisten Kinder zu Fuss oder mit dem Bus zur Schule kommen», hält Zeno Steuri vom «Kinderkraftwerk» fest. Der Fachmann kann ihnen auch gute Tipps geben.

«Die Erfahrung zeigt, dass wenn Kinder zu zweit oder zu dritt unterwegs sind, die Autofahrer viel häufiger am Fussgängestreifen halten. Und zusammen ist es ja sowieso viel interessanter auf dem Schulweg.» Die Kinder nicken. Bald können sie auch schon mit dem Velo kommen. «Wir bereiten uns zurzeit auf die Prüfung vor», erklärt Lehrer Rolf Burri.

Flieger stören nicht

Zurück im Vorraum bei Cornelia Steuri. «Und welche Töne und Geräusche verbindet Ihr mit Grenchen?» Die Antworten sind vielfältig: Vogelgezwischer, Auto- und Baustellenlärm, redende Menschen, Wasserplätschern. - Und die Flieger vom Flugplatz? - «Die stören uns überhaupt nicht, meinen alle einhellig. «Ich möchte noch näher beim Flugplatz wohnen», meint Ilhan.

Am Ende der Veranstaltung macht Zeno Steuri den Kindern ein Kompliment. «Ihr habt super mitgemacht.» Neun der 16 Kinder aus Rolf Burris Klasse machen am Nachmittag auch noch beim fakultativen 2. Teil mit. Zusammen mit den Leuten vom «KinderKraftwerk» laufen sie durchs Quartier und zeigen, wo sie oft sind und was ihnen gefällt und was nicht.

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