Erster Schultag

Schulbeginn in Coronazeiten - ein Augenschein in zwei Grenchner Schulhäusern

Schulanfang in Grenchen

Schulanfang in Grenchen

Fast hätten in Grenchen die Eltern ihre Erstklässler nicht ins Schulzimmer begleiten dürfen. Doch man fand einen Kompromiss: nur ein Elternteil war zugelassen und musste Maske tragen.

«Es war schon ein seltsamer Anblick, als sich die Eltern, alle mit Masken, im Klassenzimmer zusammen mit ihren Kindern versammelten. Es löste bei mir etwas mulmige Gefühle aus», berichtet Monika Mengisen, Primarlehrerin im Schulhaus Kastels in Grenchen. In ihrer 37-jährigen Tätigkeit als Lehrerin ist ihr so etwas noch nie untergekommen.

Den «Schock» noch knapp abgewendet

Doch es hätte noch schlimmer kommen können. Denn zuerst war vorgesehen, dass die Eltern der Erstklässler beim Schulanfang nicht dabei sein können. Das wäre ein Bruch mit einer langen Tradition gewesen, «ein Schock sogar», wie Mengisen sagt. «Der erste Schultag ist für die Kinder ein derartig wichtiges Datum, mit prägenden Erlebnissen, da bin ich froh, dass wir mit der Schulleitung einen Kompromiss haben finden können», zeigt sich die erfahrene Lehrerin erleichtert.

Während 15 Minuten war jeweils ein Elternteil im Klassenzimmer zugelassen und konnte seine ABC-Schützen so in den neuen Lebensabschnitt hineinbegleiten. Die Erwachsenen mussten Masken tragen. Die Kinder strahlten aber wie immer bei dieser Gelegenheit und liessen sich die Laune nicht verderben. Auch sonst hat sich das Corona-Regime auf dem Pausenplatz etwas gelockert. Alle Kinder dürfen wieder gleichzeitig Pause machen, sollten aber klassenweise versammelt bleiben. Die soziale Kontrolle scheint zu funktionieren. «Du darfst hier nicht sein!», ruft jedenfalls ein Kind seinem Gspänli zu, das sich offenbar zu weit aus dem Rayon wegbewegt hat.

Lehrerin Monika Mengisen ist bereit für ihre Erstklässler

Lehrerin Monika Mengisen ist bereit für ihre Erstklässler

Lehrerpalaver wie bei Ringelreihen

Bei den Lehrerinnen und Lehrern hat sich das Social Distancing längst eingespielt. Eine Gruppe Frauen diskutiert in der Pause auf dem Schulhausplatz, aufgestellt an diesem schönen Hochsommertag wie eine Ringelreihen-Gruppe. Zurück im Schulzimmer heisst es für Schüler und Lehrkräfte Hände waschen oder desinfizieren (wahlweise).

Szenenwechsel: Im Oberstufenschulhaus im Stadtzentrum sieht man das Corona-Regime noch deutlicher. Vor dem Haupteingang, der kein Ausgang mehr ist, erklärt ein Lehrer einer neuen Schulklasse den Einbahnbetrieb durch das Schulhaus IV. Klebestreifen-Pfeile, Trassierband und Informationsblätter allenthalben.

«Je nach Alter der Schüler gelten nuancierte Schutzmassnahmen», erläutert Gesamtschulleiter Hubert Bläsi. Masken sind nur in besonderen Situationen angezeigt. Auch in der Sek dürfen alle wieder gleichzeitig Pause machen, müssen sich aber klassenweise in einem bestimmten Sektor aufhalten. «Und weil diese Sektoren halt nicht alle gleich attraktiv sind, wird da turnusmässig abgewechselt», erklärt Bläsi schmunzelnd. In der Sek gibt es eine Abstandszone rund um das Lehrerpult, welches mit Plexiglas abgeschirmt ist. Schülerinnen und Schüler sind angehalten, Körperkontakt zu vermeiden.
Bläsi, sein Schulleitungsteam und die Lehrpersonen mussten sich in den vergangenen Tagen um zahlreiche Details kümmern, deren Umsetzung vom Volksschulamt kontrolliert wird. Eine Teamarbeit, bei der Jede und jeder seinen Teil beitrage, wie Bläsi betont.

Anspruchsvolle Elternbriefe

Anspruchsvoll wie immer ist die Information der Eltern. Sie wurden in einem für die Grenchner Verhältnisse adaptierten Schreiben über die aktuellen Regelungen informiert. Diese sind weitgehend von den kantonalen Behörden vorgegeben.

Über die Quarantänesituation der Ferienrückkehrer hat die Schule am ersten Schultag noch keinen genauen Überblick. Es wurde ein Formular verschickt, auf dem die Eltern deklarieren sollen, wenn sie sich mit der Familie in einem mit Quarantäne belegten Land aufgehalten haben. Je nach Einreisedatum in die Schweiz ist darauf auch gleich angegeben, ab wann bei betroffenen Kindern ein Schulbesuch möglich ist. Wer beispielsweise am Sonntag noch aus einem betroffenen Staat eingereist ist, darf erst am 20. August in die Schule. Bläsi betont, dass die Informationen vertraulich behandelt werden. Das «Risikoland» selber muss nicht angegeben werden.

Jetzt hofft man auf einem möglichst gute Compliance beim Rücklauf der Formulare und auf ehrliche Angaben. Streng genommen können nämlich Schlaumeier damit auch die Ferien verlängern. Quarantänetage gelten als entschuldigte Absenzen. «Das ist uns bewusst», meint Bläsi. Doch deswegen einen mit hohem Aufwand verbundenen Kontrollapparat aufzuziehen, das wäre dann doch unverhältnismässig.

Das ganze Spektrum von Einschätzungen

Auch wenn das manche vielleicht wünschen würden. Bläsi registriert in seinen Elternkontakten das ganze Spektrum im Umgang mit dem Coronavirus: Von sehr ängstlichen Personen, die ihr Kind am liebsten gar nicht zur Schule schicken würden bis hin zu solchen, die das «angebliche» Virus verharmlosen.

In Monika Mengisens erster Schulklasse sind jedenfalls am Montag alle 17 Kinder zum Unterricht erschienen. Sie sei dabei von den Eltern eines Kindes über den Aufenthalt in einem betroffenen Land bereits informiert worden. Wobei in diesem Fall die Quarantänefrist seit der Rückkehr bereits abgelaufen sei, wie es hiess.

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