Grenchen

Schüler erwecken das Schulhaus Eichholz wieder zum Leben

Das Grenchner Schulhaus Eichholz ist fertig saniert, aber noch ziemlich kahl. Über 200 Schülerinnen und Schüler machen jetzt in einer Projektwoche Kunst, um dem Schulhaus neue Lebendigkeit einzuhauchen.

Kinder gehören nicht auf Baustellen. Selbst dann nicht, wenn es sich um ihr eigenes Schulhaus handelt. Eineinhalb Jahre lang war der Spiel- und Bewegungsraum der Schülerinnen und Schüler auf dem Eichholz-Areal eingeschränkt gewesen. Schulwege wurden umgeleitet und der grosse Pausenplatz im Innenhof mit Gittern versperrt, um für Lastwagen, Bagger und Handwerker-Fahrzeuge unentwegt zugänglich zu sein. Seit Schulbeginn sind die Wege wieder offen, die frisch sanierten und isolierten Schulzimmer eingerichtet und sämtliche Plätze wieder freigegeben.

Doch nur zögerlich nähern sich die Kinder ihrem Schulhaus wieder an. «Es ist für mich wie ein Labyrinth, ich habe mich schon ein paar Mal verirrt», sagt der Fünftklässler Alessio. «Aber cool ist das alles schon», findet seine Klassenkollegin Anja. «So ein frisch saniertes Schulhaus ist eine feine Sache», betont auch Schulleiter Mark Widmer. «Aber man muss es erst einmal wieder zum Leben erwecken, ihm Farbe und neue Lebendigkeit einhauchen. Und das braucht einfach seine Zeit.»

Noch immer sind die Umgebungsarbeiten im vollen Gang. Handwerker und schwere Baumaschinen gehören nach wie vor zum Alltagsbild. «Die Gerüste blieben länger stehen als geplant, da diverse Mängel noch ausgebessert werden mussten», begründet Jürg Vifian von der Baudirektion. Deswegen sei man mit den Umgebungsarbeiten in Verzug geraten.

Aus Erfahrung weiss er aber: «Solche Scherereien gibt es bei jedem Bauprojekt, und die Handwerker bügeln ihre Fehler auf eigene Kosten aus.» Grundsätzlich sei er mit den Sanierungsarbeiten jedoch zufrieden und gehe davon aus, dass die Endabrechnung die budgetierten 8,5 Millionen Franken nicht übersteigen werde. «Nach der Winterperiode werden wir dann auch sehen können, wie sich die Isolierung auf die Heizkosten auswirkt.»

Kunst für Kinder und Tiere

Am kommenden Montag beginnt nun offiziell die «Rückeroberung des Schulhauses Eichholz durch die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte», wie der Schulleiter es ausdrückt. Unter dem Motto «Kunst am Bau» werden die über 200 Kinde in einer fünftägigen Projektwoche Werke erschaffen, die der Umgebung rund ums Schulhaus die gewünschte Farbe und Lebendigkeit einhauchen werden. Entstehen sollen riesige bunte Fahnen, ein Klanggarten, Sitzgelegenheiten für die Kinder aus Holz, Steinmandalas und Skulpturen und ein neuer Regenbogenweg auf dem Asphalt.

Auf Letzterem dürfen jeweils die neuen Erstklässler am ersten Schultag ins Eichholz-Schulhaus spazieren. «Ziel ist es, mit den Kindern Werke zu schaffen, die nicht nur schön anzusehen, sondern vor allem funktional sind und für die Kinder einen Mehrwert darstellen», erklärt Lehrerin Celina Weber von der Arbeitsgruppe Projektwoche Kunst am Bau. Gleichzeitig werden auch die Lebewesen rund ums Eichholz nicht zu kurz kommen.

Bereits hatten die Stadtgärtner unter der Führung von Patrick Kilchenmann dafür gesorgt, dass mit Magerwiesen und Steinflächen naturnahe Räume auf der Schulanlage entstehen. Nun werden die Kinder mit dem Bau von Insektenhotels und Eidechsenburgen zusätzlichen Wohnraum für Kleinstlebewesen schaffen.

Künstler, Gärtner und Eltern

Um die zehn Kunstateliers die ganze Woche über in mindestens zweifacher Besetzung führen zu können, stocken die meisten Teilzeit-Lehrkräfte ihr Pensum während dieser Zeit auf 100 Prozent auf. Der Elternrat Eichholz hat Mamis und Papis ausfindig gemacht, die den Lehrerinnen und Lehrern helfend unter die Arme greifen. Naturkünstler Joël Equagoo aus Solothurn bringt sein Können und Talent ein und arbeitet während der ganzen Woche vor Ort mit.

Ebenfalls im Einsatz stehen Patrick Kilchenmann mit einigen Leuten aus der Stadtgärtnerei und Revierförster Patrik Mosimann, um Unterstützung in ihren Fachgebieten einzubringen. Mit einem grosszügigen Betrag aus dem Baukredit hilft die Stadt, die künstlerische Projektwoche mitzufinanzieren. «Die allseitige Unterstützung ist ein grosses Geschenk an uns und zeugt von der Anerkennung gegenüber dem Eichholz», betont Schulleiter Mark Widmer. Er freue sich auf diese aussergewöhnliche Woche und sei gespannt auf deren Entwicklung.

Kinder zeigen ihr Schulhaus

Seinen Höhepunkt finden wird die Kunstwoche am Freitagabend um 17.30 Uhr mit der offiziellen Einweihung des frisch sanierten Schulhauses Eichholz. «Wir haben viele Einladungen für unser Fest verschickt und hoffen, dass viele geladene Gäste anwesend sein werden. Natürlich sind aber alle herzlich eingeladen, die sich für unser Schulhaus interessieren», sagt Mark Widmer. Neben der offiziellen Ansprache durch den Stadtpräsidenten François Scheidegger werden auch Kinder eine Festrede halten.

Gleichzeitig zeigen sich alle 214 Kindergärteler und Schülerinnen und Schüler erstmals in ihren farbenfrohen T-Shirts mit dem eigenen Eichholz-Logo und präsentieren die eingeübten Lieder und den Eichholz-Tanz. Auf von Kindern geführten Rundgängen können die neuen Schulräume und die geschaffenen Kunstwerke besichtigt werden. Der Spielbus, der die ganze Woche über von den Kindern genutzt werden darf, wird auch an diesem Abend zur Verfügung stehen. Zudem ist mit einem grossen Angebot an diversen Speisen und Getränken für das leibliche Wohl gesorgt.

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