Grenchen

Schopfbühne überzeugt mit viel Esprit, Humor und Überraschungen

Starke Schauspielende, eine temporeiche Inszenierung einer romantischen Komödie, die mit vielen witzigen und gewitzten Dialogen aufwartet und dennoch auch Tiefgang aufweist: Das Ensemble der Schopfbühne mit Regisseur Dominique Saner wusste an der Premiere von «Du bisch nur zweimal jung» zu begeistern.

Brooksie weiss nach dem Tod seiner langjährigen Frau Grace nicht so recht, wie er das Leben nun meistern soll. Er macht auf jung, baggert so jedes weibliche Wesen an, das seine Wege kreuzt, huldigt gar gerne dem Weingott, auch wenn er auf seiner schweren Maschine ausgedehnte Ausfahrten unternimmt. Mit seinem Jugendwahn beeinflusst er auch seine Freunde, Tom und Julia, die kurz vor der Hochzeit stehen. Ein ambivalentes Verhältnis hat er zudem zu Rose, die scheinbar nichts von seinen eher ungeschliffenen Annäherungsversuchen wissen will. Brooksie wohnt im Haus seiner Tochter Sue und deren Lebensgefährten Richard.

Vor allem Richard hängen die Eskapaden seines Schwiegervaters zum Hals hinaus, was er auch mit drastischen Worten manifestiert, während Sue versucht, einigermassen zwischen den beiden zu vermitteln. Die Zuschauenden kommen so in den Genuss diverser spritziger Auseinandersetzungen mit viel geistreichem Wortwitz. Das Ganze spitzt sich zu, als Brooksie und Tom den Polterabend begehen und der bis anhin so korrekte Tom darauf nichts mehr von der Hochzeit wissen will, da Brooksie ihm die Augen geöffnet habe. Leider kann sich dieser in seiner Katerstimmung an nichts mehr erinnern. Rose und Sue machen ihm heftigste Vorwürfe und drängen ihn, teilweise mit grösstem Körpereinsatz, die Sache zu regeln. Allein, Tom ist von seinem Vorhaben nicht mehr abzubringen und will die Sache mit Julia klären. Inmitten eines köstlichen Tohuwabohus platzt die verschmähte Braut. Die Zeit der Aussprache ist gekommen ...

Das Ensemble und der Regisseur haben den Text von Andy Schneitter ganz schön entstaubt, ihn quasi einer Frischzellenkur unterzogen und dafür gesorgt, dass ordentlich Zug in das Stück kommt. Schön der Regieeinfall, die verstorbene Frau von Brooksie, Grace, miteinzubeziehen. Berührend ihre Dialoge, die Fürsorglichkeit füreinander noch nach dem Ableben des Einen. Dazu lassen diese ruhigen Sequenzen auch die Zuschauenden durchschnaufen, eine Moment Abstand nehmen vom ansonsten turbulenten Geschehen. Benj Obrecht glänzt als ruheloser Altrocker, hinter dessen ungehobelten Fassade eine Menge Unsicherheit auszumachen ist. Famos wiederum Pia Schild als Rose, die sich gar gerne mit dem unmöglichen Brooksie zofft, deren wahre Gefühle aber offensichtlich nicht ganz so eindeutig sind. Robert Koch gibt überzeugend den bis zur Verbohrtheit gradlinigen ehemaligen Luftwaffenangehörigen, der plötzlich die Freiheit entdeckt. Liliane Jeannerat mimt glaubwürdig dessen aparte, doch eher unbedarfte Verlobte Julia. Lisa Schädeli (Tochter Sue) nimmt man ihre Zerrissenheit zwischen Tochterliebe und Widerwille ob Brookies teilweise rücksichtslosem Verhalten jederzeit ab.

Ein amüsanter Theaterabend

Darryl Esposito spielt den Part des Schwiegersohns, der wegen der Eskapaden seines Schwiegervaters schon mal die Contenance verliert, mit viel Authentizität. Jeanette Läderach schliesslich wirkt als Verstorbene, die aus dem Jenseits ihrem «Brooksie» mit Rat beisteht, schlichtweg ergreifend. «Du bisch nur zweimal jung»: ein amüsanter Theaterabend mit einem klaren Plädoyer für das Erhalten der Lebensfreude und der Würde auch in der zweiten Lebenshälfte.

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