Grenchen
Schon am ersten Arbeitstag landen 73 Mails in Scheideggers Posteingang

Das Grenchner Tagblatt begleitete den neuen Grenchner Stadtpräsident François Scheidegger an seinem ersten Arbeitstag ein Stück weit. Für ihn gabs unter anderem ein neues Smartphone.

Oliver Menge
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François Scheidegger begrüsst die Anwesenden
9 Bilder
Alle nehmen sich vom Dreikönigskuchen
Auch François Scheidegger
Veronica Varano, Sandra Joye und Silvia Ferrari sind die ersten drei Königinnen
François Scheidegger trifft sich mit den Abteilungsleitern zu einer ersten Auslegeordnung
Informatiker Heiko Schiltsky mit Scheideggers neuem Smartphone
Heiko Schiltsky erklärt Scheidegger das neue Smartphone
François Scheideggers erster Tag als Stadtpräsident

François Scheidegger begrüsst die Anwesenden

Oliver Menge

Im Büro des Stadtpräsidenten riecht es noch ein wenig nach frischer Farbe. Auf dem Tisch steht ein Blumenstrauss, die Wände und Fenster erstrahlen in frischem Weiss. Ein grosses Pult aus dunklem Holz dominiert den Raum, nur wenige Dossiers liegen darauf. Noch ziert kein Bild die Wände. Stadtpräsident François Scheidegger steht bei seiner Sekretärin Silvia Ferrari im Büro und bespricht einige Termine des heutigen Tags.

Denn am ersten, offiziellen Arbeitstag des neuen Stadtpräsidenten warten einige Prozeduren auf ihn, die er wie jeder andere, neue «Mitarbeiter», über sich ergehen lassen muss, und das will koordiniert sein. «Um 9 Uhr kommt Thomas Herren von der IT wegen des Computers, eine halbe Stunde Zeit. Danach die Begrüssung im dritten Stock, anschliessend kommt jemand mit dem neuen Telefon und um 11, wie besprochen, das Treffen mit den Abteilungsleitern.»

Ein befrachteter Vormittag also, aber dennoch findet Scheidegger Zeit fürs Grenchner Tagblatt: Was steht Besonderes an? Welches sind die nächsten grossen Geschäfte, die der Stapi anpacken muss? Scheidegger: «Über die laufenden Geschäfte wurde ich bereits vor dem offiziellen Amtsantritt informiert, bei den Meisten bis ich als Gemeinderat ohnehin involviert.

Einige laufen weiter, andere wurden bereits im vergangenen Jahr schon in die Wege geleitet, wie zum Beispiel die Nachfolgeregelung für Stadtbaumeister Claude Barbey. Nun bleibt eine Pendenzenliste, die wir abarbeiten».

Alles geordnet übergeben

Auf den Kopf stellen wolle er ohnehin nicht alles, das mache keinen Sinn. «Es gibt keinen Punkt, wo's ‹brennt›, mein Vorgänger hat mir alles geordnet übergeben, und so viel hat sich in den letzten vier Jahren, seit ich nicht mehr hier tätig war, auch nicht verändert. Die Abläufe sind noch dieselben und die Organisation der Verwaltung unterscheidet sich nur minimal von der damaligen Zeit.»

Der Stadtpräsident war schon vor den Feiertagen und auch vor dem offiziell ersten Arbeitstag im Büro. Insbesondere Termine und Einladungen mussten koordiniert, die Agenda nachgeführt werden.

Mittlerweile ist IT-Techniker Thomas Herren eingetroffen und instruiert den Stapi an seinem PC, neustes Betriebssystem, höchste Sicherheit. Persönlicher Account und E-Mail werden eingerichtet. Derweil gibt Sachbearbeiterin Silvia Ferrari an ihrem Terminal die Daten von eingetroffenen Einladungen ins System. «Schon jetzt stehen rund 30 Termine auf dem Programm für Januar, und es werden noch einige dazukommen, schätze ich», so Ferrari.

Scheidegger erhält später von der IT auch ein neues Smartphone, um seine elektronische Agenda auch jederzeit und überall griffbereit zu haben. «Aber ein Sklave des neuen Telefons werde ich deswegen nicht», so Scheidegger. Denn die schlauste Agenda nützt nichts, wenn an einem Tag gleich vier Termine zur gleichen Zeit stattfinden, an denen der Stapi anwesend sein sollte. «Und ich kann ja nicht ständig meine Vertretung schicken: Vom Neuen wird Präsenz erwartet.» Also wird versucht, die Termine aneinander vorbei zu bringen.

Nur Königinnen im Stadthaus

Um halb elf treffen die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im dritten Stock ein. Sieben Dreikönigskuchen stehen bereit. François Scheidegger begrüsst diejenigen, die er auf seinem ersten Rundgang gleich nach Ankunft im Hotel de Ville noch nicht gesehen hat. In einer kurzen Ansprache betont er, dass er sich auf die gute Zusammenarbeit freue, und wünscht allen ein gutes neues Jahr.

Die ersten Königsfigürchen sind rasch gefunden, die Glücklichen, welche sich die Papierkrone aufsetzen dürfen, sind alles Frauen. «Aha, im Hotel de Ville regieren anscheinend nur die Frauen», meint jemand scherzhaft und erhält prompt die Antwort, das sei auch gut so.

Wieder in seinem Büro wartet bereits Informatiker Heiko Schiltsky mit dem neuen Phone auf Scheidegger. Die Kontakte vom alten Handy werden auf das neue gespeichert. Für eine Instruktion reicht die Zeit nicht, dafür gibt es die Gebrauchsanleitung für die Sekretärin. Kalender und Mail sind synchronisiert. Schon am ersten Arbeitstag sind 73 Mails in Scheideggers Posteingang gelandet.

François Scheidegger begibt sich ins Sitzungszimmer, wo bereits alle Abteilungsleiterinnen und -leiter eingetroffen sind. Eine erste Auslegeordnung wird vorgenommen, und natürlich dürfen die guten Wünsche fürs Neue Jahr nicht fehlen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen stehen am Nachmittag noch weitere Besprechungen auf dem Programm: Die Traktandenliste für die nächste Gemeinderatssitzung und die GRK werden bereinigt.