Endlich Badewetter. Raus aus der Stube und ab ins Schwimmbad. Diese oder ähnliche Worte hat übers Pfingstwochenende wohl so mancher Grenchner gedacht oder ausgesprochen. Die Sonne scheint, die Temperatur stimmt. Es weht ein sanfter Wind. Im Eingangsbereich der Badi steht Thomas Staufer, den Wasserschlauch in der Hand. «Die Bise trocknet aus», sagt er, während er die Pflanzen bewässert. Seine 17. Saison als Badmeister in Grenchen ist nun endgültig angebrochen.


Rekordverdächtig sind die Besucherzahlen freilich noch nicht. «An einem Spitzentag im Sommer haben wir mehr als 2500 Besucher und Besucherinnen», relativiert Staufer. «In diesem Jahr sind es noch nie über tausend gewesen.» Momentan sei es halt wegen der Bise auch noch kühl, wenn man aus dem Bassin steige, erklärt er. «Aber der Betrieb zieht allmählich an. Und wenn es noch wärmer wird, dann kommen die Besucher scharenweise. Im Frühling wollen sie raus.»


Die Launen eines Ventils

Staufer dreht den Wasserhahn zu. Er begrüsst ein älteres Paar, das soeben die Badi betreten hat, erzählt den Beiden einen Witz und lässt sich von der grauhaarigen Dame ebenfalls einen (etwas schmutzigeren) Witz erzählen. «Stammgäste», kommentiert er schmunzelnd. In Grenchen seien die Stammgäste besonders treu. «Die kommen immer», sagt der 53-jährige Badmeister. «Die haben uns auch sofort unsere Panne beim Saisonstart verziehen.»

Der Auftakt zum Muttertagswochenende war tatsächlich etwas schwierig gewesen für die Grenchner Badi. Wegen Wasserverlusts im Schwimmbecken musste dieses nämlich bis zum drauffolgenden Mittwoch gesperrt werden (wir berichteten). «Vor technischen Schwierigkeiten ist man nie gefeit», sagt Thomas Staufer. «Und so was sieht man eben erst, wenn man die Bassins in Betrieb nimmt.» Zwar habe man die Becken rund anderthalb Wochen vor der Eröffnung, mit Wasser gefüllt. Aber erst als die Gäste kamen, ging das Wasser verloren.

In der Nähe werfen einige Kinder die grossen Schachfiguren der Badi durch die Gegend. Staufer sorgt für Ordnung. Sogar die ganz Kleinen kennt er beim Namen.
Dann fährt er fort: «Nach der Winterpause, wenn alles über ein halbes Jahr stillgestanden ist, braucht es manchmal nur irgendwo ein kleines Steinchen, um einen Defekt auszulösen.» Was genau zum Wasserverlust geführt hatte, weiss man jedoch nicht.

Fest steht: Ein Ventil im Maschinenraum hatte nicht richtig funktioniert, die Klappe ging nicht mehr ganz zu, und dadurch konnte zu viel Wasser abfliessen. Fest steht auch, dass besagtes Ventil nach ebendieser Störung dann plötzlich doch wieder ohne Wenn und Aber tat, wozu es hergestellt wurde.


Entgegenkommendes Wetter


Verluste musste die Badi wegen des launischen Ventils keine hinnehmen. Zumindest keine Erheblichen. «Das Wetter ist uns entgegengekommen», findet Staufer. Denn es war kalt am besagten Wochenende; das geschlossene Schwimmbecken war kaum der Hauptgrund, nicht Schwimmen zu gehen. «Es wären wohl ohnehin nicht mehr Leute gekommen.»
Doch jetzt sind sie ja wieder da. Die Stammgäste, die Familien und die Jugendlichen. Auf der Wasserrutsche wird herumgealbert. Vor dem Sprungturm spritzt mit jeder «Arschbombe» das Wasser meterhoch durch die Luft. Hinten auf der Wiese sonnen sich drei Mädchen, die den Jungs beim Fussballspielen zuschauen. Und im Schwimmbecken wird nun auch fleissig Kilometer um Kilometer geschwommen. Die Saison ist eröffnet. Es herrscht wieder Badewetter. Endlich.