Das sagt Winzenried, der seit 27 Jahren im Werkhof arbeitet, 24 Jahre davon als Strassenmeister und Chef von 33 Männern, die zu Fuss oder mit den Fahrzeugen dem Schnee zu Leibe rücken. Seine grosse Erfahrung sei hilfreich; er wisse, wann zum Beispiel das Salzlager gefüllt werden müsse. Rund 280 Tonnen Streusalz liegen bereit, «das sollte für den Winter reichen, sofern es einen einigermassen milden Winter gibt», meint Winzenried. Und wenn er sehe, dass das Salz langsam zu Neige gehe, könne er nachbestellen.

Keine Angst, aber Respekt

«Ich habe keine Angst vor dem Winter, aber Respekt. Wenn Schnee angesagt ist, schlafe ich in der Regel schlecht, stehe immer wieder auf und schaue, ob's schneit.» Der Strassenmeister verfolgt die Wetterentwicklung auf Wetterkarten im Internet und ist regelmässiger Konsument von Wetternachrichten. «Eine sehr grosse Hilfe für mich ist unser Grenchner «Wetterfrosch» Bernhard Eicher. Er ruft mich an oder schreibt mir eine SMS, wenn etwas im Anzug ist.» Aus einer professionellen Beziehung ist eine Freundschaft entstanden, die Zusammenarbeit sei sehr hilfreich.

Jedes Jahr müssen etliche Vorbereitungen getroffen werden: «Wir rechnen von Anfang November bis Ende März mit winterlichen Verhältnissen, also müssen wir ab 1. November bereit sein», erklärt Winzenried. Zu diesen Vorbereitungen gehört das Nachführen der Personal- und Telefonverzeichnisse, die Überprüfung der Pfadtouren mit den entsprechenden Instruktionen der Chauffeure und der Einsatzplan. Jedes Fahrzeug wird mit einem aktuellen Routenplan ausgerüstet und winterdiensttauglich gemacht.

Testläufe vor dem Schnee

«Wir installieren die dafür nötige Ausrüstung wie Befestigungsplatten für die Schneepflüge, montieren die Pflüge und testen alles, damit es schnell geht, wenn der Schnee kommt.» Acht grosse Einsatzfahrzeuge räumen die Strassen, drei davon gehören der Stadt, fünf sind zugemietet, dazu kommen 5 Traktoren und Kleinfahrzeuge für die Räumung von Trottoirs und Wegen, sowie ein Pneulader, der Bushaltestellen, Parkplätze und den Busbahnhof vom Schnee befreit. Zwei 4×4-Fahrzeuge sind alleine für die Glättebekämpfung zuständig, auch sie fahren auf vorbestimmten Routen.

«Wir verwenden in Grenchen Salz und Split. An exponierten Stellen wie Treppen, vor Verwaltungsgebäuden und bei Schulen, streuen wir ein spezielles Mittel, das so genannte «Snow-N-Ice», sagt er. Das bleibe länger liegen und taue das Eis bis minus 21 Grad. «Vor allem, wenn ein paar Tage nicht mit Neuschnee zu rechnen ist, verwenden wir das teurere Mittel, meist gemischt mit Salz, sehr sparsam, nur schon aus Umweltschutzgedanken», erklärt Winzenried. Dort und bei Fussgängerstreifen muss der Schnee manuell geräumt werden, die Leute sind hier in fünf Zonen über die Stadt verteilt im Einsatz.

Nur Strassen, auf denen Busse unterwegs sind, werden grundsätzlich schwarz geräumt. Dazu müssen die Pflüge oft mehrmals an denselben Strassen räumen, bevor gestreut werden kann. «Private haben oftmals keine Freude, wenn sie ihre Garagen und Einfahrten freigeschaufelt haben und der Schneepflug halt wieder einen Walm davor pflügt. Es ist ratsam, mit dem Freischaufeln zuzuwarten, weil der Pflug oft noch einmal kommt.»

Es wird sparsam gesalzen

Oft werde schon bei zwei bis drei Zentimeter Schnee geräumt, aber nicht gesalzen. «Die Salzmenge muss immer den klimatischen Verhältnissen angepasst sein», erklärt der Strassenmeister. So viel, wie nötig, so wenig wie möglich, sei, das Motto. An exponierten Stellen, steilen Kreuzungen und Strassen sind Split-Kisten aufgestellt. «So können meine Mitarbeiter schon mal eine Schaufel Split hinschmeissen, bevor der Pflug oder das Salzfahrzeug durchkommt.»

Wenn es schneit, schneit es in der Region Grenchen in der Regel mehr als anderswo. «Die Statistik zeigt es: Von allen Städten und Gemeinden unter 500 Meter über Meer hat Grenchen oft am meisten Schnee», sagt Winzenried. Das liege am sogenannten Jurastau, einer klimatischen Eigenheit der Region. Nun warten er und seine Leute gespannt und gut vorbereitet auf den ersten Schnee bis ins Flachland.