Stadtbummel Grenchen

Schmutzig-gesalzener Ausverkauf

Sale heisst es derzeit fast überall. (Symbolbild)

Sale heisst es derzeit fast überall. (Symbolbild)

Wo man hinschaut, im Moment ist Ausverkauf. Das heisst: früher nannte man das so, heute heisst es «sale», was aus dem Englischen übersetzt sich schlicht und einfach «Verkauf» nennt. «Sale» in französischer Sprache allerdings heisst «schmutzig», und fügt man dem Ausdruck noch ein kleines Häkchen nach rechts an, so hiesse es dann, ebenfalls französisch, «gesalzen».

Man könnte nun von einem schmutzig-gesalzenen Verkauf sprechen, der den meist geneigten kauffreudigen Konsumenten und Schnäppchenjäger fast unweigerlich in seinen Bann zieht. Kosteten der Pullover, die Schuhe, das Parfum im Dezember noch den vollen Listenpreis, so kauft man im Januar drei Pullover für zwei zum herabgesetzten Preis und geht anstatt mit einem Paar Schuhe, das man nicht unbedingt benötigt, mit drei Paar Schuhen zum Schleuderpreis nach Hause.

Natürlich liegen da auch noch die im letzten Ausverkauf erstandenen, so gut wie nicht benutzten Schuhe herum, die Pullover stapeln sich im Schrank, doch wenigstens die Parfums erfüllen ihren Zweck und hüllen einen ein in den süssen Duft der Kauflaune. Auf dauerhafte Kauflaune ist unser Gewerbe dringend angewiesen, muss sich durchsetzen gegen die zunehmenden Internetkäufe, die einen scheinbar schreien lassen vor Glück. So wünsche ich denn allen Schnäppchenjägern im neuen Jahr viel Glück beim «Salen», und was an Pullovern, Schuhen sowie auch an Möbeln nicht mehr benötigt wird, landet hoffentlich nicht im «Ghüder», am Strassenrand, sondern in den dafür vorgesehenen Plastikbeuteln der diversen Hilfswerke oder in der Brocki.

Apropos «Ghüder». Der Souverän, welcher, wie gewohnt, nicht sehr zahlreich, aber «themenzentriert» an der Budget-Gemeindeversammlung erschienen war, um seinem Ärger über die an seinen Bedürfnissen vorbeigeplante Abschaffung der Separat-Abfuhren für Altglas Luft zu verschaffen, harrt nun der diesbezüglichen Reaktionen des Gemeinderats, welche diesen in seinen Augen unvernünftigen Volksentscheid wieder untergraben. Die indes bereits geplanten Deponien werden sicherlich nicht zu einer Entspannung der finanziell angespannten Lage beitragen, aber wer weiss, vielleicht zu einer Wiederbelebung des Marktplatzes.

Wer im Januar aber überhaupt keine Lust hat, sich irgendetwas zu erstehen, weil er von allen Dingen mehr als genug besitzt und noch an den Weihnachtsguetsli, die auch schon einmal frischer waren, herumkaut, nun, der kann die Zeit für einen erholsamen Winterspaziergang nutzen. Und sich vorstellen, dass es vielleicht auch Sinn machen würde, wenn man die «Sale-Schilder» beispielsweise auf dem Dach des Velodromes anbringen würde mit dem Vermerk: «Heute drei für zwei Löcher» günstig abzugeben. Oder man würde, um den Gedankengang gut grenchnerisch abzurunden, einfach schreiben: «Sale – drei für zwei engagierte Politiker-Meinungen» zum Schleuderpreis, extra für Sie, für mich und für uns alle!»

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