Spezielle Förderung
Schluss mit «Usestüdele»: Grenchen wird Kleinklassen definitiv auflösen müssen

Auch Grenchen wird als eine der letzten Gemeinden im Kanton Kleinklassen auflösen müssen. Die Umstellung muss auf das Schuljahr 2019/2020 hin erfolgen.

Andreas Toggweiler
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Spezielle Förderung (Archivbild): Auch nach jahrelangen Versuchen politisch umstritten.

Spezielle Förderung (Archivbild): Auch nach jahrelangen Versuchen politisch umstritten.

Bruno Kissling

Der endgültige Entscheid des Kantonsrates zur Speziellen Förderung in den Regelklassen wird zwar immer wieder hinausgeschoben, soll aber Stand heute im kommenden März erfolgen. Um sich auf die unvermeidliche Umstellung rechtzeitig vorzubereiten, hat der Gemeinderat im vergangenen November einem Dispositiv von Gesamtschulleiter Hubert Bläsi durchgewunken. Grenchen erhält vom Volksschulamt noch eine Gnadenfrist für die Umsetzung. Sie muss auf das Schuljahr 2019/2020 hin erfolgen, also in gut eineinhalb Jahren.

Ex-Schulleiterin soll mithelfen

Um die Schulleiter bei der anstehenden Systemumstellung zu unterstützen hat die GRK einstimmig 17'000 Franken genehmigt, um sich die Dienste der ehemaligen Schulleiterin Jacqueline Bill zu sichern, der Ehefrau von Vize-Stadtpräsident und GRK-Mitglied Remo Bill. Dieser sei beim GRK-Entscheid selbstverständlich in den Ausstand getreten, erklärt Stadtpräsident François Scheidegger, der die der Redaktion zugetragene Information aus der GRK ansonsten bestätigt. Die Politikerquelle kritisierte gleichzeitig, dass das sechsköpfige Schulleitungsgremium nicht in der Lage sei, die Umstellung selber aufzugleisen, gerade in Zeiten klammer Finanzen.

«Ich stehe voll und ganz hinter diesem GRK-Entscheid», meint Stadtpräsident François Scheidegger. Das Schulleitergremium in Grenchen sei ohnehin im Vergleich zu anderen Schulen knapp dotiert und die Systemumstellung sei hinsichtlich des Aufwandes nicht zu unterschätzen. Jacqueline Bill sei fachlich die absolut richtige Person dazu, betont der Stadtpräsident.

Ob 17'000 Franken für ein Mandatsverhälnis, das 14 Monate dauert, wirklich zu viel Geld sein sollen, darüber liesse sich überdies diskutieren. Gesamtschulleiter Hubert Bläsi betont jedenfalls, dass mit der Systemumstellung «eine Riesenaufgabe» auf die städtische Schule zukomme. Selbst der Aufschub, der Grenchen gewährt wurde, ändere daran nichts.

Erfahrungen aus Olten

Zusammen mit Jacqueline Bill sei man schon seit vergangenem November an der Arbeit. Es gilt, Verträge mit Lehrkräften aufzulösen, neues heilpädagogisches Personal zu suchen und anzustellen und die Ressourcen gemäss den Vorgaben des Kantons auf die Schulen und Klassen zu verteilen. «Wer meint, dass die Grenchner Schulleiter das noch nebenbei machen können, täuscht sich gewaltig», meint Bläsi. Erst kürzlich sei der Schulleiter von Olten bei ihm im Büro gewesen, einer ähnlich grossen Schule wie Grenchen also. «In Olten sind sie nun seit neuneinhalb Jahren am Umstellen, habe ich da vernommen.»

Und die Kosten?

Mit der Umstellung auf die Spezielle Förderung werden die vier Einführungsklassen, drei Kleinklassen und zwei Sek K Klassen auf Beginn des Schuljahres 2019/2020 aufgehoben. In einer Antwort auf eine Interpellation von Gemeinderätin Nicole Hirt (welche den Systemwechsel bekämpft) ging die Stadt von gleichbleibenden Kosten im Vergleich zur Separativen Förderung aus. Die Kosten würden aber dennoch ansteigen, weil die Grenchner Schulen infolge des Bevölkerungswachstums grösser werden.

Nach dem voraussehbaren Kantonsratsentscheid vom 21 März soll das Geschäft am 3. April nochmals in den Gemeinderat kommen, quasi zum «autonomen Nachvollzug», wie sich das der Rat im letzten November ausbedungen hatte. Dann dürfte der Rat nolens volens auch noch den offiziellen Startschuss zur Umstellungsübung geben.

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