Noch ist unklar, was sich im Kindergarten des Haldenschulhauses genau ereignet hat. Doch die Vermutungen, die bis hin zu Kindsmisshandlung gehen, sind happig: Zwei Sekundarschüler sollen Kindergärtler gezwungen haben, ihre Köpfe gegen die Wand und Bücherregale zu schlagen. Dies meldete das Internetportal grenchen.net gestern mit Berufung auf betroffene Eltern. Bei diesem Tun haben die beiden Sekundarschüler die Kinder mit ihrem Handy gefilmt.

Betroffenheit herrscht bei den Eltern: «Wir wollen unsere Ruhe», sagt eine Mutter gegenüber dieser Zeitung. Um ihr Kind zu schützen, will sie momentan keinesfalls Stellung beziehen. Was mit den Filmaufnahmen der Oberstufenschüler geschah, ist nicht bekannt. Sie seien bisher nicht aufgetaucht, erklärt Roger Kurt, Geschäftsleitungsvorsitzender der Grenchner Schulen.

Der Vorfall ereignete sich bereits am 22. März. Was während der Schulpause angeblich geschah, erfuhr die Schule allerdings erst diesen Montag – nachdem vier Mütter den Vorfall meldeten. Auch der Sekundarlehrer, zu dem die beiden Schüler in die Klasse gehen, hatte bis Dienstag keine Ahnung von den Vorfällen. «Es sind Leute, die nächstes Jahr in die Lehre gehen. Denen gibt man das Vertrauen», sagt der Lehrer. Als so genannte «Pausengötti» hätten die beiden Sekundarschüler während einer Viertelstunde auf die Kinder aufpassen sollen, während die Kindergärtnerin in der Pause war – ein Projekt, das schon lange so läuft.

Vieles ist unklar

«Es wäre reinste Spekulation, jetzt etwas zu sagen», erklärt Roger Kurt. Er will die Vorfälle weder dementieren noch bestätigen.

Gestern hat die Stadtpolizei die Untersuchungen in Angriff genommen, wie Kommandant Robert Gerber bestätigt. Stand 11.30 Uhr gestern seien keine strafrechtlichen relevanten Handlungen festgestellt worden. Gerber betont aber, dass die Ermittlungen noch am Laufen seien.

Schulsozialarbeit erst gestern dort

Die Schulsozialarbeit sei, so Kurt, gestern im Kindergarten gewesen und habe den Vorfall mit den Kindern thematisiert. Dabei habe es unter den Kindern keine einheitliche Aussage gegeben. Ebenfalls noch nicht bekannt ist, wie viele Kinder betroffen sind.

Wenig Aufschluss gibt die offizielle Medienmitteilung der Stadt: «Die Schilderungen darüber, was vorgefallen ist und mit welchen Motiven, gehen massiv auseinander. Die Oberstufenschüler hätten Kindergartenkinder mit dem Handy gefilmt «und eventuell geplagt».

Bereits politische Regungen

In einer Medienmitteilung kritisierte die FDP die Grenchner Schulen scharf: «Das Management von Krisen und Vorfällen scheint den Verantwortlichen total abzugehen.» Die Partei wirft der Schulleitung sogar Vertuschungsversuche vor. Beides bestreitet Kurt: Es sei ein Anliegen, die Vorfälle schnellstmöglich aufzuklären. Bereits am Mittwoch sei eine Taskforce mit dem Stadtpräsidenten, der Stadtkanzlei und der Polizei gebildet worden.

Laut grenchen.net beklagen sich die Eltern, dass sie von der Schule über den Vorfall nicht aktiv informiert worden sind. Gemäss Roger Kurt wurde gestern mit der Information der Eltern begonnen. Ein Krisenhandbuch sei für solche Fälle vorhanden. Nach diesem wird laut Kurt auch momentan gearbeitet.

Weiter wurde Kritik geäussert, weil sich die Eltern nicht trauen würden, eine Anzeigen zu machen. Sie hätten Angst, dass ihren Kindern ein Nachteil erwachsen würde. Angesprochen wird damit die Situation, dass es keinen unabhängigen Schuldirektor gibt. Kurt widerspricht: «Ich sehe diesen Zusammenhangnicht.»