Grenchen Nord
Schliessung der Bahnlinie Genf-Grenchen Nord-Basel doch mehr als Gerücht?

Seit letztem Herbst kämpft ein Komitee gegen eine allfällige Schliessung der Bahnlinie Genf–Biel–Grenchen Nord–Delémont–Basel. Nun erweisen sich die Befürchtungen als gewichtiger als zuerst angenommen.

Oliver Menge
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Der Bahnhof Nord mit seinem Anschluss an den Jura und Basel ist für Grenchen wichtig.

Der Bahnhof Nord mit seinem Anschluss an den Jura und Basel ist für Grenchen wichtig.

Oliver Menge

Letzten Herbst wurden zum ersten Mal Befürchtungen laut, dass die SBB die Bahnlinie Genf-Basel über Grenchen Nord eventuell schliessen oder doch zumindest zurückstufen könnten. Ein Komitee «Comité Liaison directe» nahm dagegen den Kampf auf. Dem Komitee gehören unter anderem Parlamentarier des Kantons Jura bei der Eidgenossenschaft und die Gemeindepräsidenten der betroffenen Gemeinden an, so auch Grenchens Stadtpräsident Boris Banga. Bis jetzt haben über 11 000 Personen eine Petition unterschrieben, die den Erhalt der Bahnverbindung zwischen Basel und Genf via Delémont fordert.

Die SBB hatten noch letzten September beteuert, dass man keineswegs solche Pläne verfolge, jedenfalls nicht in nächster Zukunft (wir berichteten). Doch das Komitee gab sich mit diesen Aussagen nicht zufrieden und gelangte Anfang November an Verkehrsministerin Doris Leuthard. Die Antworten auf die Fragen des Komitees fielen allerdings unbefriedigend aus, die verlangten Garantien fehlten weitgehend. Zwar wurden seitens des Bundesamtes für Verkehr Bekenntnisse geäussert, dass kurz- und mittelfristig keine Änderungen geplant seien und man für den Bahnverkehrsknoten Delémont die bestmöglichen Verbindungen beibehalten wolle.

Anbindung genauer prüfen

Nun kam ein gewichtiges Signal aus Bern, wie das Komitee «Comité Liaison directe» in einer Mitteilung schreibt: Die SBB und das Bundesamt für Verkehr (BAV) haben mit dem Kanton Jura eine Vereinbarung getroffen und wollen die Anbindung an das Schienennetz der jurassischen Region genauer überprüfen. SBB und BAV geben damit das erste Mal - wenn auch nur indirekt - zu, dass die Befürchtungen einer Schliessung oder Zurückstufung der Bahnverbindung durch den Jura tatsächlich nicht nur aus der Luft gegriffen waren.

«Eine positive Nachricht, auch für uns», meint Grenchens Vertreter im Komitee, Boris Banga. Denn zum ersten Mal würden von Bund und SBB konkrete Aussagen gemacht und Verhandlungen aufgenommen. Der Bahnhof Grenchen Nord könnte unter Umständen stark an Bedeutung verlieren. «Sehr viele Pendler aus dem Jura arbeiten bei uns in der Uhrenindustrie und sind auf diese Bahnlinie angewiesen.» Das Wesentliche für ihn sei aber, dass hier die vielen betroffenen Gemeinden alle wachsam seien und die Sache nicht aus den Augen liessen: «Wir sind in Grenchen natürlich froh darüber, dass vor allem unsere jurassischen Kollegen hier Dampf machen, denn dem Kanton Solothurn - mit Ausnahme der Schwarzbuben - ist diese Linie vermutlich nicht so wichtig wie die Jura-Südfusslinie über Olten.»

Komitee wird weiter mobilisieren

«Es ist das erste Mal seit Jahren, dass die SBB und das Bundesamt für Verkehr eingestehen, dass die Anbindung der jurassischen Region ans schweizerische Schienennetz gefährdet ist», schreiben die Initianten des Komitees «Comité Liaison directe» in ihrem Communiqué. Dieser erste Schritt sei ein Etappensieg für das Komitee in einer Tour, die erst begonnen habe und noch lange dauern werde.
Noch seien viele Schwierigkeiten zu bewältigen und man werde weiterhin wachsam sein. Insbesondere will das Komitee dafür sorgen, dass den Absichten, welche Inhalt dieser ersten Vereinbarung sind, auch konkrete Massnahmen folgen.

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