Grenchen
Schlechtes Gewerbe: Es ist wenige Minuten vor zwölf

Die Stadt Grenchen muss als Einkaufsstandort noch attraktiver werden. Und: Negativ-Schlagzeilen würden in den Köpfen haften bleiben. Das Image müsse verbessert werden.

Oliver Menge
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Brigitte Gürber (rechts) führte souverän durch die Generalversammlung des Grenchners Gewerbeverein. om

Brigitte Gürber (rechts) führte souverän durch die Generalversammlung des Grenchners Gewerbeverein. om

Solothurner Zeitung

Das Grenchner Gewerbe hatte im letzten Jahr kein leichtes Spiel. Wirtschaftskrise und mangelnde Attraktivität der Stadt als Einkaufsstandort, fehlender Branchenmix und ein negatives Image, das sich die Grenchner häufig selber geben, setzten den Gewerbetreibenden arg zu. Kein Wunder, unterschieden sich die Ziele, die man sich dieses Jahr an der Generalversammlung des Grenchner Gewerbevereins setzte, nur unwesentlich von denen letztes Jahr. Brigitte Gürber, die neue Präsidentin, zog an der Generalversammlung des Grenchner Gewerbevereins GVG eine gute Bilanz ihres ersten Amtsjahres. Es sei nicht einfach gewesen, in die Fussstapfen ihres Vorgängers Ruedi Spillmann zu treten. Der Aufbau von Kontakten zu den Stadtbehörden, Presse und verschiedenen Verbänden habe viel Zeit in Anspruch genommen.

Sie hob die diversen Tätigkeiten des GVG im letzten Jahr hervor und betonte, dass die Resonanz auf die meisten dieser Aktivitäten durchaus positiv sei und man «die Uhr wieder auf einige Minuten vor zwölf» habe stellen können. Allerdings gehe das nur, wenn seitens der Gewerbler und Politiker positive Meldungen über das Gewerbe und die Stadt ausgesendet würden. «Negativ-Schlagzeilen, politische Schlammschlachten und Anfeindungen verbreiten sich doppelt so schnell als ‹good news› und bleiben in den Köpfen haften.» Das schade nicht nur dem Image der Stadt, sondern auch unmittelbar dem Gewerbe. Gürber appellierte in diesem Sinne an Gewerbler, Dienstleister und Politiker, sich entsprechend zu verhalten.

Neuer Finanzchef gewählt

Der Jahresbericht und die Jahresrechnung, welche mit einem Gewinn von 8380 Franken abschliesst, wurden von der Versammlung einstimmig genehmigt. Für das Jahr 2011 wurde ein ausgeglichenes Budget präsentiert. Neu wird das Sekretariat und die Finanzen bei der Rovedyma Treuhand AG angesiedelt. Daniel Siegenthaler hat seinen Rücktritt aus dem Vorstand eingereicht. Neues Vorstandsmitglied und Finanzfachmann wird der Betriebsökonom und Inhaber der Rovedyma, Roger Rossier. Der bekannte Grenchner wurde einstimmig gewählt.

2011 wird es diverse Neuerungen geben. So wird der Cüpli-Samstag zur festen Grösse im Jahresprogramm. Er soll am 3. September über die Bühne gehen. Neu wird im Anschluss an die Kürbisnacht am 28. Oktober ein zweitägiges Oktoberfest mit gleichzeitigem Sonntagsverkauf durchgeführt. Die anderen Sonntags- und Abendverkäufe müssen noch diskutiert werden. Auf jeden Fall durchgeführt wird der Weihnachtsmarkt vom 9. bis 11. Dezember.

Gürber wies auf die grossen Herausforderungen des laufenden Jahres hin: Der Kontakt mit den Mitgliedern müsse weiterhin gepflegt werden. Der runde Tisch mit Vertretern der Stadt müsse intensiviert werden und zu Ergebnissen führen. Grenchen müsse als Einkaufsstandort gestärkt werden. Weitere Stichworte waren die GVG-Gutscheine – verglichen mit der Stadt Solothurn könne man hier noch zulegen. Die Verträge des GVG mit der ETA seien von grosser Bedeutung und man müsse über die Öffnungszeiten über Mittag diskutieren. Die Mitglieder des GVG haben mit diesen Verträgen die Möglichkeit, den Mitarbeitern der ETA gute Angebote zu machen und im Gegenzug an den Anschlagbrettern in der ETA eine Werbefläche zu erhalten. Auch die Eröffnung des Chicorées im Herbst werde hoffentlich Signalwirkung zeigen, sagte Gürber. Sie werde, analog zum Stadtpräsidenten, eine Sprechstunde einrichten, um sich der Anliegen der Mitglieder anzunehmen.

Historische Aufarbeitung

5000 Franken des Budgets 2011 sind für eine historische Aufarbeitung der Geschichte des GVG reserviert. Angela Kummer, Museumsleiterin des Kultur-Historischen Museums, erläuterte, was beabsichtigt ist: Ein Buch soll auf verschiedenen Ebenen die Geschichte des GVG bis zum 111-Jahre-Jubiläum zeigen. Das Buch wird bereits diesen Spätherbst erscheinen.

Stadtpräsident Boris Banga dankte dem GVG für dessen Engagement und zeigte einige zukünftige Meilensteine der Stadt auf – Velodrom, Swatch-Ausbau, Gewerbezentrum der Real Estate –, die ihren positiven Einfluss auf das Gewerbe haben werden. Er plädierte dafür, sich auch beim Flughafen für einen Pistenausbau einzusetzen.

Rolf Kissling, Präsident des Kantonalen Gewerbeverbands, erklärte in seinem Referat, wie wichtig es sei, dass der Gewerbeverband möglichst viele Mitglieder zähle und so ein politisches Gewicht erhalte. Nur so sei es möglich, in kantonalen und nationalen Parlamenten Einfluss zu nehmen und sich für die Anliegen der KMUs und des Gewerbes einzusetzen.