Die Anzeichen für einen markanten Abschwung des Wirtschaftswachstums oder gar ein Abgleiten in die Rezession mehren sich. Hinzu kommt der starke Franken, der die Margen der Exportfirmen schmälert. Laut einer Umfrage des Verbandes der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (Swissmem) schreiben wegen der Frankenstärke mehr als ein Drittel der Firmen operativ Verluste.

Keine Lohnsprünge wegen Teuerung

Kein Wunder, gestalten sich die laufenden Lohnverhandlungen für die Arbeitnehmenden alles andere als rosig. «Die Verhandlungen waren und sind in allen Branchen schwierig. Insbesondere der Maschinen-, Drehteile- und Papierindustrie setzt der harte Franken stark zu», bestätigt Markus Baumann, Leiter der Solothurner Sektion der Gewerkschaft Unia. Hinzu bewirke die sehr tiefe Teuerung auch keine grossen Lohnsprünge. Dagegen beobachtet er mehr Spielraum für gute Lohnabschlüsse im Ausbaugewerbe.

Unterschiede sind gross

Ein ähnliches Bild ergab eine Umfrage unter Firmen in unserer Region. Die Unterschiede sind je nach Firma und Branche gross. So können sich die Angestellten in den baunahen Branchen über überdurchschnittliche Anpassungen freuen. Dort sorgt der ungebrochene Bauboom für volle Auftragsbücher und gute Ergebnisse. So erhöht etwa das Gartenbauunternehmen Egger AG in Bellach die Löhne deutlich. «Wir werden 2012 die Löhne unserer Mitarbeitenden je nach Qualifikation zwischen 100 und 300 Franken anheben», erklärt Geschäftsführer Samuel Kreienbühl. Zudem werde man allen Mitarbeitenden in diesem Monat «eine freiwillige Gewinnbeteiligung» auszahlen. Egger beschäftigt 48 Mitarbeitende.

Gute Geschäfte in der Uhrenindustrie

Auch die Uhrenindustrie verzeichnet einen guten Geschäftsgang. «Wir erhöhen die Lohnsumme um 1,5 Prozent», sagt beispielsweise Daniel Schluep, Chef und Inhaber der Grenchner Uhrenherstellerin Titoni. Dabei würden die Löhne generell um 0,2 Prozent erhöht, der Rest entfalle auf individuelle Anpassungen. Bei der Mondaine Watch in Biberist sind noch keine Entscheide gefallen. «Die Besprechungen stehen noch an», sagt Co-CEO Ronnie Bernheim.

Ebenfalls um rund 1,5 Prozent erhöht die Bellacher Präzisionswerkzeugherstellerin Fraisa AG die Löhne. «Im Zuge der Einführung eines neuen Lohnsystems werden die Saläre individuell angepasst. Absicht ist es, eine bestmögliche Lohngerechtigkeit zu erreichen», erläutert Fraisa-Chef Josef Maushart. Beim Bushersteller Carrosserie Hess AG in Bellach kommt das Branchen-Ergebnis der Sozialpartnerverhandlungen zum Zuge, wie Hess-Chef Alex Naef erläutert. Demnach werden die Löhne generell um monatlich 50 Franken erhöht. Vorsichtiger gibt sich Adrian Flury, Chef der Bahntechnik-Spezialistin Arthur Flury AG in Deitingen. «Wir haben einen zufriedenstellenden Geschäftsverlauf und werden die Löhne für 2012 leicht erhöhen.»

Uneinheitliche Bankenbranche

Bei den Banken in der Region ist die Lohnpolitik unterschiedlich. Die Angestellten der Spar- und Leihkasse Bucheggberg werden auf Anfang April 2012 generell rund ein Prozent mehr Lohn erhalten, wie Bankleiter Gerardo Grasso meldet. Darüber hinaus komme es noch zu zusätzlichen Lohnanpassungen aufgrund von Funktionsänderungen, Prüfungserfolgen und Erweiterungen der Verantwortlichkeiten. Keine generelle Lohnanpassung gibt es bei der Regiobank Solothurn AG. «Allerdings gibt es punktuelle Lohnerhöhungen, die aufgrund von Effizienzsteigerungen möglich werden», sagt CEO Markus Boss. Grund für die Zurückhaltung sei die praktische Nullteuerung sowie die allgemeine Situation an den Finanzmärkten. Noch am Laufen sind die Gespräche bei der Baloise Bank SoBa.

«Wir fordern faire Lösungen»

Dass das Umfeld für Lohnerhöhungen schwierig ist, stellt Unia-Sekretär Markus Baumann nicht in Abrede. Trotzdem: «Wir fordern, dass die Arbeitgeber die Zahlen offen legen und nach Treu und Glauben Hand für faire Lösungen bieten.»