Grenchen
Schiff- und Busverbindungen passen einfach nicht zusammen

Der aktuelle Fahrplan ergibt für Grenchen eine unglückliche Konstellation. Denn an der Haltestelle Brücke verpassen sich Busse und Aareschiffe systematisch.

Daniela Deck
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Der «Bürenbus» bei der Haltestelle Brücke. Schiffspassagiere erwischen ihn in der Regel nicht und müssen in die Stadt laufen.

Der «Bürenbus» bei der Haltestelle Brücke. Schiffspassagiere erwischen ihn in der Regel nicht und müssen in die Stadt laufen.

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Was ist länger, vier Minuten oder fünf? An der Grenchner Schiffländte ticken die Uhren anders als irgendwo sonst. Vom Schiff aus den Bus nehmen, ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Vom Bus aus das Schiff zu erreichen, das gelingt sportlichen Zeitgenossen gelegentlich.

Dabei ist die Umsteigezeit gemäss Fahrplan in dieser Richtung eine Minute kürzer als umgekehrt. Auf der Spur eines Rätsels, das in diesen Tagen, wo das Schiff aus Solothurn in Grenchen wendet, zusätzlich Passagiere verärgern dürfte.

Verspätete Schiffe?

Für BGU-Geschäftsleiter Hans-Rudolf Zumstein ist der Fall klar: «Das Schiff kann den Fahrplan nie einhalten. Da können Sie mit der Uhr daneben stehen und sich selbst ein Bild machen.» Der Grenchner Bus-Chef ist überzeugt: «Die Verspätung der Schiffe ist der Grund, warum einem der Bus vor der Nase wegfährt. Umgekehrt profitieren Passagiere, die pünktlich von der Busstation kommen, von der Verspätung der Schiffe. Sie erreichen den Anschluss am Wasser.» (In der Gegenrichtung vermutet angesichts der halbstündigen Wartezeit niemand einen getakteten Anschluss)

Der Schiffdirektor, BSG-Geschäftsführer Thomas Erne, weiss um die prekären Anschlüsse an der Grenchner Schiffländte: «Ich steige da gelegentlich ins Schiff nach Solothurn. Vom Bus aus ist das wirklich knapp.» Von einer Verspätung der Schiffe will er hingegen nichts wissen: «Von unserem Nautikleiter weiss ich, dass die Schiffe auf der Aare fast nie Verspätung haben.» Dass Schiffspassagiere nach dem Aussteigen den Bus in der Ferne entschwinden sehen, ist für Thomas Erne keine Überraschung: «Schiff- und Busverbindungen passen in Grenchen nicht zusammen.»

Prinzip «Hoffnung» im SBB-Fahrplan

Der Weg von rund 300 Metern zwischen den Haltestellen ist zu lang für die paar Minuten. Schiff- und Busfahrplan sind in Grenchen tatsächlich nicht aufeinander abgestimmt. Dass die Abfahrtszeiten beim Schiff von und nach Solothurn dennoch diesen Eindruck erwecken, ist Zufall: Das Schiff aus Solothurn erreicht den Steg jeweils .10, die Buslinie 33 passiert die Haltestelle «Brücke» von Büren herkommend um .15. In der anderen Richtung hält der Bürenbus um .46 an der «Brücke», und das Schiff Richtung Solothurn legt um .50 ab.

Inzwischen ist das Phänomen mit den «unerklärlich langen vier Minuten» im digitalen SBB-Fahrplan angekommen. Dieser kennt die Bus-Schiffverbindung von Grenchen nach Solothurn – mit der hochleistungssportlichen Annahme von «2 Min Fussweg», hingegen nicht die Schiff-Busverbindung von Solothurn nach Grenchen.

Zu viele Anforderungen

Im Zeitalter des Taktfahrplans wirken diese losen Enden im öV-System reichlich kurios. BGU-Geschäftsleiter Zumstein erklärt sie mit dem Auftrag der Busse, den Bahnanschluss auf den Interregio am Südbahnhof zu gewährleisten. «Da können wir keine Rücksicht nehmen auf das Schiff.» Warum dieses den Fahrplan nicht ändern kann, versteht er nicht. Vor drei oder vier Jahren habe er bei der BSG dieses Anliegen deponiert, doch bewegt habe sich nie etwas.
Thomas Ernes Antwort darauf: «An den Endstationen müssen die Aareschiffe so viele Anschlüsse erreichen, von der Bahn und in Biel zusätzlich von den Seeschiffen, dass wir da keinen Spielraum für Anpassungen haben.»

Für Grenchen ergebe sich daraus eine unglückliche Konstellation, dabei sei diese Haltestelle für die Aareschifffahrt «wirklich wichtig». Er verspricht, das Anliegen in der Fahrplan-Kommission zur Sprache zu bringen. Ein Ärgernis, das sich offenbar in Grenzen hält: Weder beim Busbetrieb noch bei der Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft, noch bei Grenchen Tourismus sei es in diesem Zusammenhang in den letzten paar Jahren zu Reklamationen gekommen.

Die verlorene zur geschenkten Stunde machen

Da der Bus nur einmal pro Stunde fährt und das Schiff, wenn überhaupt, dreimal pro Tag, tun die Passagiere gut daran, sich individuell zu organisieren, mit Velo, Auto oder auf Schusters Rappen. «Schulklassen empfehle ich im Zusammenhang mit Schiffsreisen jeweils, einen Bus für eine Extrafahrt zu buchen», sagt Zumstein.

Für kleinere Gruppen hat der Präsident von Grenchen Tourismus, Christoph Siegrist, einen entspannenden Vorschlag parat: «Die Stunde bis zum nächsten Bus im Fischerhaus überbrücken, mit einem Kaffee oder einem Bier. Denn das Fischerhaus hat im Sommer, wenn die Schiffe fahren, geöffnet.»