Tötungsdelikt Grenchen
Schenkkreis-Mord von Grenchen ab dem 30. April vor dem Amtsgericht

Knapp drei Jahre nach dem Dreifachmord von Grenchen SO müssen sich ab dem 30. April zwei Schweizer und eine Schweizerin vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern verantworten. Der Prozess dauert viereinhalb Tage. Das Gericht veröffentlichte am Donnerstag die 33-seitige Anklageschrift.

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Die Angeklagten des Schenkkreis-Mordes von Grenchen sind ab dem 30. April vor Gericht. (Symbolbild)

Die Angeklagten des Schenkkreis-Mordes von Grenchen sind ab dem 30. April vor Gericht. (Symbolbild)

Keystone

Angeklagt wegen mehrfachen Mordes sind ein heute knapp 35- jähriger ehemaliger Spitzensportler, ein 27-Jähriger sowie eine 51- Jährige. Die beiden Männer haben die Morde gestanden. Die Frau bestreitet, die Tötung in Auftrag gegeben zu haben. Sie gilt als Drahtzieherin.

Beim sogenannten Schenkkreis-Mord wurde am 5. Juni 2009 eine dreiköpfige Familie ausgelöscht. Der 60-jährige Ehemann wurde erschossen. Seine 55-jährige Frau sowie die gemeinsame 35-jährige Tochter wurden erstickt.

Geplant die Familie auszurauben

Die beiden Männer hatten der angeklagten Frau 20'000 Franken geschuldet. Die Frau forderte im Frühling 2009 ihr Geld zurück und entwarf gemäss Anklageschrift den Plan, die in Schenkkreise verwickelte Familie aus Grenchen SO auszurauben.

Schenkkreise funktionieren nach dem Schneeball- oder Pyramidensystem. Dabei «schenken» neue Teilnehmer Geld an Mitglieder, die länger dabei sind. Sie hoffen, später von neuen Mitgliedern selbst «beschenkt» zu werden. Alle drei Angeklagten waren in Schenkkreise verwickelt.

Das Trio ging davon aus, dass die Familie wegen der Schenkkreise über viel Bargeld verfügte. Am 14. Mai 2009 wagten die beiden angeklagten Schweizer einen ersten Anlauf.

Sie waren zuversichtlich wegen Aussagen einer Wahrsagerin, die ihnen grosse Beute prophezeit hatte. Mit von der Partie war ein damals 36-jähriger Deutscher. Der Raubversuch misslang, weil sich die Männer keinen Zugang zur Wohnung verschaffen konnten.

Dies gelang den beiden Schweizern erst im zweiten Anlauf am 5. Juni 2009. Sie wurden von der 55-jährigen Organisatorin von Schenkkreisen im Büro im Erdgeschoss empfangen.

«Lästige Tatzeugen eliminiert»

Nach einem kurzen Gespräch stülpte der ehemalige Spitzensportler der Frau einen Plastiksack über den Kopf. Trotz heftiger Gegenwehr erstickte sie. Darauf drangen die beiden Männer in die Wohnung der Familie ein.

Der Angeklagte brach dem Ehemann mehrere Rippen und drückte ihm ein Kissen ins Gesicht, um ihn zur Herausgabe von Geld zu zwingen. Als der Bedrohte dies nicht tat, schoss er ihm mit einer Pistole in den Hinterkopf.

Die Tochter wurde vom Komplizen, dem heute 27-jährigen Schweizer, erstickt. Die Familie sei exekutiert worden, um «im Zusammenhang mit dem Raub als lästig empfundene Tatzeugen zu eliminieren», steht in der Anklageschrift.

Wahrsagerin angerufen

Das grosse Geld suchten die beiden Männer vergebens. Auch ein Anruf an die Wahrsagerin, die auspendeln sollte, wo in der Wohnung Geld zu finden sei, half nichts. Die beiden Männer fanden 5000 Franken, 600 Euro, vier Uhren und Modeschmuck.

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Beschuldigten mehrfachen Mord, qualifizierten Raub sowie strafbare Vorbereitungshandlungen zu Mord und Raub vor. Zudem sind sie aufgrund der Schenkkreise wegen Verstosses gegen das Lotteriegesetz angeklagt.

Der 35-jährige Schweizer und die 51-jährige Schweizerin müssen sich weiter wegen Verstössen gegen das Waffengesetz verantworten. Der zuständige Staatsanwalt Jan Gutzwiller wird die Strafanträge erst im Prozess bekanntgeben.

Urteil am 11. Mai

Die beiden Männer befinden sich im vorzeitigen Strafvollzug. Die Frau wurde im Dezember nach zweieinhalb Jahren Untersuchungshaft auf freien Fuss gesetzt. Das dreiköpfige Amtsgericht eröffnet die Urteile voraussichtlich am 11. Mai.

Nachdem der ehemalige Spitzensportler in Untersuchungshaft genommen wurde, kümmerte sich seine Mutter um den Hund. Der Rottweiler biss 2009 in Schaffhausen einen vierjährigen Knaben und verletzte in schwer. Die Mutter wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt.

Der Deutsche, der beim ersten Anlauf dabei war, wurde 2010 zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Beim Dreifachmord war er nicht dabei. Die Wahrsagerin kassierte für den Hokus Pokus eine bedingte Geldstrafe.

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