Grenchen

Scheidegger als FDP-Kandidat fürs Grenchner Stadtpräsidium nominiert

Der Vize-Stadtpräsident von Grenchen Hubert Bläsi unterliegt in der parteiinternen Ausmarchung François Scheidegger. Trotz der Unruhen vor der Parteiversammlung will die FDP Grenchen nun als geeinte, starke Partei in den Wahlkampf.

Mit 30 zu 21 Stimmen (bei 51 Stimmzetteln) wurde der ehemalige Stadtschreiber von Grenchen und amtierende Amtsgerichtspräsident Solothurn-Lebern François Scheidegger gestern von der FDP-Basis zum Kandidaten für den Kampf ums Stadtpräsidium von Grenchen nominiert. Zu Beginn der Nominationsversammlung im Parktheater schien zwar noch alles weitgehend offen, im Verlauf der Plenumsdiskussionen aber zeichnete sich langsam ab, was die geheime Wahl dann bestätigte: Vize-Stadtpräsident Hubert Bläsi unterliegt seinem Gegenkandidaten, und dies, obwohl der Vorstand ursprünglich ihn als Einzelvorschlag in die Parteiversammlung schicken wollte.

Scheidegger als FDP-Kandidat fürs Grenchner Stadtpräsidium nominiert

Scheidegger als FDP-Kandidat fürs Grenchner Stadtpräsidium nominiert

Vor allem, dass die anderen bürgerlichen Parteien eher – wenn nicht nur – François Scheidegger unterstützen wollen, wurde als Argument gegen Bläsi ins Feld geführt. Auch, dass er älter als Scheidegger ist und dieser wiederum der einzige von beiden sei, der tatsächlich neuen Wind ins Stadthaus bringen könne, sprach gegen Hubert Bläsi. Einig waren sich die Votanten aber allesamt, dass beide Aspiranten grundsätzlich das nötige Rüstzeug hätten. «Beide sind gut, aber François Scheidegger hat die besseren Chancen», so die exemplarische Aussage aus der Versammlung.

Hubert Bläsi, dem 55-jährigen «Gränchner Bueb», war die Enttäuschung zwar anzusehen. Er zeigte aber Grösse und schluckte den «Chrott». Er stehe nach wie vor für die FDP. François Scheidegger gratuliere er herzlich und er wünsche ihm viel Erfolg für den Wahlkampf. François Scheidegger dankte wiederum der Versammlung für die klare Wahl, aber auch Hubert Bläsi: «Ich weiss, dass das für dich nicht einfach ist.» Nun freue er sich auf den Wahlkampf. «Es braucht aber euch alle, damit wir unser Ziel erreichen können», betonte er.

Partei steigt geeint ins Rennen

Zwei Dinge wurden deutlich: Erstens will die FDP als geeinte, starke Partei auftreten. Entsprechend sachlich verliefen die gestrigen Diskussionen. Zweitens wollen die Freisinnigen nicht nur versuchen, das Stadtpräsidium zu erobern, sie wollen dies auch schaffen. Die Wahlslogans der FDP Stadt Grenchen heissen «Wende: FDP.bewegt – aus Liebe zu Grenchen» und «Wende: FDP – ein Herz für Grenchen.»

Ortsparteipräsident Alexander Kohli stellt weiter fest, dass die «Nagelprobe» erst folge. «Den Kandidaten zu wählen, ist der einfachere Teil – ihn zu begleiten, der weitaus wichtigere.» 100 Jahre SP-Herrschaft seien letztlich mehr als genug.

Für eine andere Führungskultur

Er selber habe im Nominationswahlkampf einen geradlinigen Weg gewählt, erklärt Hubert Bläsi nach der Veranstaltung. Mit einer Niederlage habe er nicht von vornherein gerechnet, aber: «ich wusste, dass es knapp wird.» Scheidegger wünscht er die nötige Kraft und Robustheit, um auf der Politbühne bestehen zu können. Bläsi versicherte, die Partei und auch er selber als Person würden Scheidegger im Wahlkampf nach allen Möglichkeiten unterstützen. Für ihn selber ändere jetzt nicht viel, sagte Bläsi. Schon im Vorfeld habe er betont, dass er – falls er die eine Option, die des Stadtpräsidiums, nicht nützen könne – sicher nicht alle anderen Optionen «spülen» werde. Er glaube und lebe den demokratischen Weg, sei aber auch erleichtert darüber, dass die Ausmarchung des Kandidaten fürs Stadtpräsidium jetzt vorbei ist.

Der Wahlsieger François Scheidegger zeigte seine Freude nur sehr verhalten, wie es eben halt seine Art sei, wie er sagte. Auf die Frage, ob es ihm denn nicht komische Gefühle bereite, gegen seinen ehemaligen Chef im Wahlkampf um das höchste Amt in der Stadt Grenchen anzutreten, meinte Scheidegger: Ein klein wenig schon. Boris Banga und er seien zwar in den sieben Jahren, in denen er als Stadtschreiber tätig war, ein «Dream-Team» gewesen, aber er hoffe nun, dass nicht unsauber gekämpft werde.

Scheidegger will eine andere Führungskultur in die Stadt bringen. Die Kritik, er sei im Gegensatz zum amtierenden Stadtpräsidenten zurückhaltend und zu introvertiert, lässt Scheidegger kalt. «Ich bin so wie ich bin und werde mich nicht verbiegen. Das Stimmvolk soll mich auch so wählen, wie ich bin.»

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