Die Rahmenerzählung des Stückes gestaltete sich einfach und unkompliziert: Der Schrebergartenverein «Chlini Wält» hielt die 31. Generalversammlung ab und wollte dabei die 13 Traktanden und 67 Anträge durchgehen. Doch den Zuschauern wurde bald offenbart, dass sowohl der Vorstand dieses Vereins als auch diese Generalversammlung besonderer Natur waren.

Nicht nur das Bühnenbild in der Aula IV stand dafür, das mit Zäunen umrahmte Sitzplätze und Gartenzwerge zeigte, sondern auch die Figuren des Stücks: Die Vereinsmitglieder waren nämlich ein gewitztes Völkchen: Unter anderem bei Danksagungen setzten sie ihre roten Mützen auf und gaben das im Volksmund bekannte «zige zage, zige zage, hoi, hoi, hoi» in leicht abgeänderter Form wieder.

Je nach Belieben fügten sie ausserdem Traktanden hinzu, wählten ihre unengagierte, abwesende Präsidentin ab und diskutierten über die Wichtigkeit von einigen Millimetern bei ihren Grundstücken. Sie nahmen dadurch die Schrebergärten und die Generalversammlung als solche augenzwinkernd auf die Schippe und taten das immer wieder, indem sie beispielsweise auch in einer «Geheimen Abstimmung» untereinander ihre Wahlzettel vorzeigten.

Auf der anderen Seite verstanden sie es aber auch, über tiefgründige Themen nachzusinnen. So wurden die Zuschauer Teil von Gesprächen, aber ebenso von Gedanken Einzelner zu Themen wie Verdingkindern, Weihnachten und Familie. Durch diese Geschichten, die zum Teil erschreckten und zum Teil erheiterten, gaben die Schauspieler den Anwesenden reale Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit preis, mit denen sich der eine oder andere im Publikum identifizieren konnte.

Schauspiel mit kreativen Effekten

Die neun Darstellerinnen und Darsteller verstanden es, die neunzigminütige Darbietung lebhaft und geistreich zu gestalten: Wutausbrüche, Witzeleien, nachdenkliche und traurige Momente wurden mit viel Feingefühl treffend wiedergegeben.

Künstlerische Elemente trugen noch zusätzlich zur Stimmung bei: Durch Wechsel von gelbem zu blauem Licht kündigte sich beispielsweise zumeist die Verschiebung von der Gemeinschaft in die Gedanken eines Schauspielers an. Während jener dann seine Erinnerungen dem Publikum mitteilte, verharrten die anderen auf der Bühne in einer eingefrorenen Starre.

Auch mit dem Fokus der Zuschauer wurde in einigen Szenen gespielt, sodass sich der Blickpunkt von diesen gänzlich unerwartet veränderte: So wurde plötzlich ein sich unterhaltendes Grüppchen immer leiser, bis es nur noch die Lippen bewegend die Unterhaltung andeutete, während ein anderes Grüppchen in ein hörbares Gespräch vertieft die Bühne betrat.

Gemeinsame Stückgestaltung

Iris Minder, die Regisseurin und Autorin von «Chlini Wält», gestaltete zusammen mit der seit dreizehn Jahren bestehenden Seniorengruppe das Drehbuch, wobei die Protagonisten ihre eigenen Erinnerungen auswählten und darin integrierten. Dabei kommen die Mitglieder aus ganz verschiedenen Ortschaften der Region, eine davon aus Grenchen.

Bis zur Uraufführung am Freitag, die sehr gut besucht war, hatte die Gruppe fast ein Jahr lang geprobt. Dies hatte sich allem Anschein nach gelohnt, die Vorstellung fand offensichtlich Gefallen beim Publikum.