Die Wochen, in denen wenig los ist, viele Leute in den Ferien sind, viele Läden und Restaurants geschlossen sind, bezeichnet man als Saure-Gurken-Zeit. Früher, als die Lebensmittel auch bei uns knapp waren, wurden einige davon «sauer» eingelegt, haltbar gemacht, unter anderen eben auch Gurken. Dann hatte man bestenfalls auch im Winter etwas zu beissen. Und so ergab sich irgendwann die Redewendung «Saure-Gurken-Zeit». Heute spürt man von Engpässen nahrungsmässig in unseren Breitengraden Gott sei Dank nichts. Im Gegenteil. Wir dürfen aus den besten Speisen, dem allerfeinsten Angebot alles aussuchen, wonach es uns gerade gelüstet.

Das konnte man auch am World Food Festival wieder erleben. Alles, was einen «gluschtig» machte, war vorhanden, die Teller wurden mit Spezialitäten aus aller Welt gefüllt, die Gläser auch. Saure Gurken habe ich keine entdeckt, dafür aber einen Caramel-Stand. Schon als Kind liebte ich Caramel über alles, durfte diese aber nur sehr selten geniessen, aus Rücksicht auf meine Zähne, die möglichst lange gesund bleiben sollten. Trotz meines minimalen Caramel-Konsums als Kind verhalfen meine Zähne so manchem Zahnarzt zu einem kleinen Wohlstand, während über mir der Pleitegeier schwebte.

Deshalb und heute ohne schlechtes Gewissen liess ich mir also am besagten Caramel-Stand zwei, drei grosse Mocken verschiedener Sorten einpacken, um diese dann zu Hause in kleinen Dosen zu geniessen. Es muss nun gesagt werden, dass die Caramels nicht gehalten haben, was sie versprachen. Sie schmeckten trocken, muffig, als hätten sie sich nach langer Zeit, in einer Kiste mit alten Socken liegend, erst wieder in Grenchen ans Licht getraut. Ich hätte in dem Moment glatt einen Fünfliber für ein Glas saure Gurken bezahlt!

In Grenchen allerdings herrscht anstatt Saure-Gurken-Zeit rege Betriebsamkeit. Eine Veranstaltung löst die andere ab, man hat die Qual der Wahl. Erst war man Gast beim «Coffre ouvert», der allerdings wetterbedingt zwischendurch «un peu fermé» war, schon knallt einem der 1. August um die Ohren. Auf der Freilichtbühne war «Romeo und Julia» für jeden theaterbegeisterten Zuschauer ein Erlebnis. Bereits an diesem Wochenende rockt’s und rollt’s auf dem Märetplatz, dass es niemanden auf den Sitzen hält, und wenn man sich den Grenchner Veranstaltungskalender gründlich anschaut, so findet sich fast jede Woche für jedes Alter und jeden Geschmack etwas Passendes.

Falls sich die nächste Hitzeperiode einstellen sollte und man sich entweder bewegungslos hechelnd in abgedunkelten Räumen aufhält oder sich überlegt, auf der Stelle die Grenchner Badi zwecks Abkühlung aufzusuchen, sollte man vorher unbedingt noch die «Schweizer Familie» durchgeblättert haben. Darin geht es um «schöner baden» und man erfährt, dass ein Architekt namens Beda Hefti im letzten Jahrhundert «zukunftsweisende Werke von zeitloser Ästhetik» schuf, zu denen auch das Gesamtkunstwerk Grenchner Badi gehört. Diese wird gelobt und gepriesen, und das zu Recht. Ich erwarte nach dieser Reklame für Grenchen Busladungen mit Touristen, die der Badi dringend einen Besuch abstatten möchten. Nach einem solch erfrischenden Besuch ist man gerüstet für alles, was uns Grenchen in diesem Sommer und im kommenden Herbst noch zu bieten hat. Erst einmal drücken wir noch den Jassern alle unsere Daumen und überlassen die sauren Gurken den Gläsern in den Supermärkten, vorzugsweise zum Geniessen nach einem klebrigen Caramel!