Uhrencup
Sascha Ruefer: «Der Abschied fällt schwer, aber es muss sein»

Sascha Ruefer und sein Team sind zurückgetreten, die Zukunft des Grenchner Traditionsturniers ist ungewiss. Nächstes Jahr findet jedenfalls definitiv kein Uhrencup statt.

Oliver Menge (Text und Bilder)
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Sascha Ruefer

Sascha Ruefer

Solothurner Zeitung

Der FC Basel wurde zum 12. Mal in seiner Geschichte verdienter Sieger des Uhrencups. Kein Spiel verloren, nur ein Tor kassiert, in allen Spielen die klar dominierende Mannschaft mit überzeugenden Akteuren. Die Siegermannschaft verabschiedete sich nach der Pokalübergabe rasch aus dem Stadion, verschwand in den Katakomben und fuhr nach Basel zurück. Später gab es im Mittelkreis noch einmal das obligate Debriefing des Organisationskomitees, das letzte in dieser Zusammensetzung überhaupt, denn das gesamte OK und der Turnierdirektor selber treten zurück.

Für Sascha Ruefer war der achte und letzte Uhrencup eine sehr emotionale Angelegenheit. Lange nach dem Debriefing sass er noch eine Zeit auf dem Platz und schwelgte in seinen Erinnerungen an grosse Spiele und Mannschaften. «Es ist wie das Aufziehen eines Kleinkindes. In den acht Jahren hat sich der Uhrencup entwickelt, man konnte zuschauen, wie er wächst und irgendwann muss man ihn loslassen. Das ist am Mittwochabend geschehen», erzählt Ruefer. «Wir sind im Anspielkreis zusammengestanden, um den Pokal herum, und haben noch einmal auf die acht Jahre zurückgeblickt. Wir haben auch darüber philosophiert, wie es weitergehen könnte.» Und als der Song «we are the champions» in einer Uhrencup-Version, den sein Team
ohne sein Wissen aufgenommen hatte, aus den Lautsprechern ertönte, liefen ihm Tränen über die Wangen. «Es hat mich regelrecht «verhudlet».

Danach war aber noch lange nicht Schluss: Bis morgens um halb sieben wurde weitergefestet, mitten in der Nacht um Viertel nach drei pfiff man im Stadion sogar ein Spiel «Uhrencup-OK» gegen «Gäste» an.

Erwartungen übertroffen

Mit knapp 15000 Zuschauern übertraf der 50. Uhrencup die Erwartungen. Trotz Wetterpech am letzten Spieltag seien noch 3500 Zuschauer erschienen, um im strömenden Regen das letzte Spiel zu sehen, eine stolze Zahl, wie Ruefer betont. Er ziehe ein sehr gutes Fazit, stelle fest, dass das Publikum zufrieden war. «Ich stelle auch fest, dass die Sicherheit, die in den letzten Jahren ein Riesenthema war, bei der diesjährigen Ausgabe nur im Vorfeld kurz thematisiert wurde.» Sämtliche Organe, Polizei und Securitas, hätten ausgezeichnet gearbeitet. «Wir hatten am Schluss Fangruppen, Basler wie YB-Fans, die sich an Regeln gehalten haben.» Das sei für ihn entscheidend.

In finanzieller Hinsicht glaube er, dass man das kleine Minus des letzten Jahres wieder eingespielt habe, die Endabrechnung gebe es erst in ein paar Monaten. Vier wirklich gute Mannschaften seien da gewesen, die einen tollen Uhrencup gezeigt hätten, viel besser hätte man das nicht machen können, auch auf die Gefahr hin, etwas blauäugig zu sein, sagt der abtretende Turnierdirektor.

2012 definitiv kein Uhrencup

Nächstes Jahr findet definitiv kein Uhrencup statt. «Nie wieder Uhrencup, das würde ich aber nicht sagen», betont Ruefer. Das gelte auch für die anderen des OKs. «Unser Rücktritt geschieht einerseits aus Selbstschutz, andererseits als erstes Zeichen für die Zukunft. Der Wagen ‹Uhrencup›, den wir vor acht Jahren angestossen haben, ist zu schnell und zu gross geworden. Die Budgets sind in die Höhe geschnellt und die Infrastruktur reicht nicht mehr.» Alleine für die Sicherheit habe man rund sechs Mal mehr ausgegeben als noch vor einem Jahr. «Wenn die Polizei zum Beispiel eine Vollkostenrechnung gemacht hätte, dann würde das alleine eine sechstellige Zahl kosten. Wir sind auch der Öffentlichkeit gegenüber verpflichtet, die das trägt.» Sein Entscheid zum Rücktritt sei definitiv, obschon jeder vom OK am Mittwochabend sofort die Hand hochgehalten hätte, wenn man ihn gefragt hätte, ob er weitermachen wolle. Man brauche jetzt aber erst einmal Zeit und Abstand, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Dafür brauche es einen klaren und freien Kopf. Visionäre Leute in Grenchen seien daran, die Sportstätten-Zone in Grenchen voranzutreiben. Und diese sei die Voraussetzung für eine Fortsetzung des Turniers, ohne dessen Charakter zu zerstören. «Unter den jetzigen Voraussetzungen ist ein 51. Uhrencup nicht denkbar. Grenchen muss kein neues Stadion für den Uhrencup bauen, aber ein neuer Event-Bereich wäre notwendig und hier wollen wir uns einbringen und mithelfen, dass dort etwas Nachhaltiges entsteht. Daneben können wir uns nicht auch noch um ein Turnier kümmern.»

Zünglein an der Waage

Man wolle die Stadt keineswegs unter Druck setzen, sagt Ruefer, aber falls es neue Voraussetzungen gebe – also die neue Sportstättenzone – seien er und seine Partner verpflichtet, darüber nachzudenken, was mit dem Uhrencup geschehen soll. Er habe eigentlich erst jetzt, bei der letzten Austragung, aufgrund von Reaktionen die Bedeutung des Uhrencups für die Stadt Grenchen so richtig erkannt und gespürt, sagt Ruefer. Sei es seitens der Stadtverwaltung, die die Wichtigkeit des Turniers für die Stadt betone und die Unterstützung zusichere, sei es seitens des lokalen Gewerbes, das nicht glauben könne, dass jetzt fertig sein soll. Aber auch Institutionen wie dem Wohnheim Schmelzi, das immer mit von der Partie war, gehe viel verloren. Dazu kämen die unzähligen Helfer, ohne die eine Durchführung nicht möglich wäre und für die man noch ein Riesenfest schmeissen werde.

Aber von entscheidender Bedeutung bleibe die Realisierung dieser Sportstättenzone, das sei das Zünglein an der Waage. Falls nicht, was er nicht hoffe, werde es vielleicht ein Fussballturnier geben, aber sicher keinen Uhrencup. Denn der sei mit seinem Namen und den Namen seiner Partner verbunden. Falls ja, bleibe der Uhrencup sicherlich in Grenchen, einfach nicht nächstes Jahr.

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