Flugsicherung

«Safety first» ist für den Flughafen Grenchen oberstes Gebot

Weil Skyguide den vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen kann, wird der Flugbetrieb während dreieinhalb Stunden komplett eingestellt.

Weil Skyguide den vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen kann, wird der Flugbetrieb während dreieinhalb Stunden komplett eingestellt.

Der Regionalflughafen Grenchen bleibt morgens, mittags und abends für je eine bis eineinhalb Stunden geschlossen. «Der Flughafen Grenchen ist ein Opfer rechtspolitischer Fehlentscheide bei der Flugsicherung», heisst es bei den Verantwortlichen.

«Die Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG sieht sich gezwungen, ab Montag, 28. August, vorübergehende Einschränkungen der Betriebszeiten vorzunehmen. Der Grund liegt darin, dass Skyguide, die Schweizerische Aktiengesellschaft für zivile und militärische Flugsicherung, ab heute nicht in der Lage ist, die Flugsicherungsdienstleistungen im vertraglich vereinbarten Umfang abzudecken.

Der Flughafen Grenchen wird demnach täglich – und bis auf Freigabe der Regulationsbehörden – von 8 bis 9 Uhr sowie von 12.15 bis 13.45 Uhr und von 17 bis 18 Uhr für jeglichen Flugverkehr geschlossen.»

So das Schreiben, welches am Samstagnachmittag verschickt wurde. 

Ein gordischer Knoten

Doch worum geht es? Die in der ganzen Schweiz für die Flugsicherung verantwortliche Firma Skyguide ist in Grenchen in einen personellen Engpass gelaufen. Ein Pilotprojekt, das gemeinsam mit dem Flughafen Grenchen entwickelt wurde und seit vier Monaten läuft, soll im Grunde den Beginn einer neuen Ära einläuten. Die Möglichkeit nämlich, den Instrumenten-Approach auch ohne Fluglotsen im Tower machen zu können, indem die Piloten in einer Radio Mandatory Zone den anderen Benutzern des Luftraums ihre Absichten mitteilen.

Morgens von 6 Uhr bis 8 Uhr und abends ab 18 Uhr gilt der Pilotversuch. Und weil Skyguide momentan in Grenchen zu wenig Personal hat, wollte man die Zeiten dieses Pilots ausweiten. Das hingegen muss das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) erst bewilligen. Doch die Mühlen im Bundesamt mahlen langsam, und so kam die Bewilligung nicht.

Als das Kernteam des Regionalflughafen, Verwaltungsratspräsident Erich Blösch, Verwaltungsrat Conrad Stampfli und Direktor Ernest Oggier am Freitag nach Zürich fuhren, wurde rasch klar, dass man hier «einen gordischen Knoten» vor sich hatte, wie Oggier sagte.

Das Bazl konnte das ausgeweitete Verfahren aus juristischen Gründen nicht bewilligen und schlug stattdessen vor, während der anfangs erwähnten Zeiten den Flughafen so zu betreiben, wie andere Flugfelder auch, ohne Funk, ohne Flugsicherung. Allerdings liege dann die Sicherheit in der Verantwortung des Flughafen selber. «Darauf konnte ich mich nicht einlassen», sagte Oggier auf Anfrage.

Und Stampfli meinte dazu: «Wir mussten einen Entscheid fällen, denn die Sicherheit steht an erster Stelle. Als Sofortmassnahme wird ab Montag der Flughafen in den fraglichen Zeiten geschlossen.» Für die Kunden und für den Flughafen habe das finanzielle Konsequenzen und eine operative einschneidende Wirkung.

Drähte liefen bereits heiss

Allerdings, so Stampfli, rechnet er damit, dass in 14 Tagen die Bewilligung zur Ausweitung des Pilotversuchs vorliegen sollte. Heute Mittag will Oggier die Piloten informieren und auch ihre Stellungnahmen einholen. Denn offenbar liefen die Drähte schon am Wochenende sehr heiss. «Der Flughafen Grenchen ist ein Opfer rechtspolitischer Fehlentscheide bei der Flugsicherung.»

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