Grenchen

Runter mit den Storen: Unterricht für einmal ohne Strom und Licht

Ein Black Out Day an der Grenchner Oberstufe bringt allerlei Überraschungen mit sich.

Trotz aller Planung im Vorfeld: Am Montagmorgen um halb sieben geht es in den Schulhäusern hektisch zu. Fachleute schalten beginnend bei der Schwimmhalle in den Räumen der Oberstufe systematisch den Strom aus. «Ohne Lampe wären wir jetzt aufgeschmissen.» Elektriker Peter Hirschi zeigt den starken kleinen Scheinwerfer, den er in der Hand hält. In der anderen Hand hat er Arbeitshandschuhe und einen Helm mit Sichtschutz. Diesen setzt er gegen allfällige Funken auf, bevor er am Sicherungspanel hantiert. Die Notbeleuchtung in der Schwimmhalle sind bloss leuchtende Exit-Signs. «Sehr mager», sind sich alle einig. Das Gatter zum Untergeschoss wird geschlossen, damit im Dunkeln niemand die Treppe hinabstürzen kann.

Eiligen Schrittes geht es weiter zum Schulhaus IV. Rasch kommt der Hauswart, Matthias Hess, und schliesst auf. «Die Storen sind überall unten und arretiert», versichert er, zeigt die entsprechende App – und rennt gleich darauf in ein Schulzimmer, weil es dort einem findigen Lehrer trotzdem gelungen ist, die Storen hochzufahren. Die Hauptsicherungen auszuschalten ist keine grosse Sache. Nur erfüllt es den Zweck nicht, das Licht zu kappen. Doch das zeigt sich erst später, als der Elektriker gegangen ist.

Überraschung im Klassenzimmer

Zehn nach sieben: Die ersten Schüler treffen ein. Aufgrund der Notstromversorgung brennt Licht im Gang, viel heller als im Schwimmbad. Deshalb merken die Schüler noch nichts von der Überraschung. So sehr sind sie mit ihrem Smartphone oder den Kollegen beschäftigt, dass sie das Infoplakat «Black Out Day» am Eingang übersehen. Erst im Schulzimmer stutzen sie. Diverse machen rechtsumkehrt, um das Infoplakat aussen am Schulhaus zu studieren. Kopfschüttelnd trollen sie sich dann endgültig Richtung Klassenzimmer.

Nichtsahnend drückt ein Mädchen den Lichtschalter im Gang im UG – und das Licht geht an. In aller Eile reisst der Hauswart auf jedem Stockwerk das Strompanel auf und legt alle Sicherungsschalter manuell um. «Dass hier alles doppelt gesichert ist, wusste ich nicht», sagt Hess über die Schulter. Das ist ein tröstlicher Gedanke für den Ernstfall, doch in diesem Moment höchst ärgerlich.

Den Stromausfall bewältigen

In der achten Klasse Sek B macht Nadine Gangi, Fachlehrerin für Französisch und Naturlehre, einen Appell. Anschliessend setzt sie die hinterste Bankreihe ganz nach vorn. Sehen kann Gangi die Schüler nur schemenhaft, denn anders als andere Lehrer verzichtet sie auf Kerzen. Auch erlaubt sie nicht, dass die Taschenlampen der Smartphones eingeschaltet werden. Nach einem zweiminütigen babylonischen Sprachengewirr wollen die meisten gar kein Licht. Die Idee, die Tür zu schliessen, um das Zimmer noch dunkler zu machen, scheitert daran, dass die Türklinke kurz vor Unterrichtsbeginn abgefallen ist. Mit dem Strom hat das nichts zu tun. Doch das Risiko, sich und die Klasse im Dunkeln und bei verrammelten Fenstern einzusperren, das kann Nadine Gangi nicht eingehen.

Statt Französisch steht nun die Bewältigung des Black Out-Notfalls auf dem Programm, in Mundart. Fast alle machen eifrig Vorschläge: «Das Handy auf Sparstrommodus schalten.» «Nach Zürich fahren oder nach Deutschland fliegen, weil es dort bestimmt Licht hat.» «Alle Batterien im Laden hamstern.» «Benzin aus den Tanks der Nachbarn klauen, damit das eigene Auto mobil bleibt.» Für Heiterkeit sorgt ein Junge mit folgendem Vorschlag: «Sich etwas brechen, denn im Spital gibt es Notstromaggregate.»

Stromsparen ist wichtig

«Es ist interessant, dass die Vorschläge der Schüler im Ernstfall nur zwei oder drei Tage abdecken würden», sagt die Lehrerin anschliessend in der Pause. Doch vorerst zeigt sich, dass die Jugendlichen über die Stromproduktion und über erneuerbare Energien gut Bescheid wissen. Auch sind sie sich bewusst, dass Stromnetze sowohl wegen Produktionsausfällen als auch wegen Überlastung schlappmachen können, und es deshalb in jeden Fall wichtig ist, Strom zu sparen.

In der besuchten Sek B-Klasse ist der Black Out Day ein Erfolg. Auch Gesamtschulleiter Hubert Bläsi zeigt sich nach der ersten Lektion zufrieden. Die geschlossenen Jalousien haben ihn zwar aus seinem Büro vertrieben. Doch dank der Entdeckung, dass es im Sitzungszimmer zunehmend Tageslicht gibt, kann er trotzdem arbeiten.

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